„Ballisto“ am Geiselstein

„Ballisto“ am Geiselstein

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Wenn der Geiselstein nur nicht so entlegen wäre. Der lange Talweg von 12 Kilometern rückt den Berg in die Ferne und wird meist mit dem Bus oder Bike bewältigt. Weit weniger bekannt als die benachbarten Tannheimer Ziele, bietet er dennoch die besten Mehrseillängen-Routen  im Östlichen Allgäu und weit darüber hinaus. Was an diesem Berg zählt, ist die Felsqualität. Rundum kompakt und rauh, ein „Juwel aus Stein“, wie ihn der bekannte Erstbegeher Walter Hölzler beschreibt.

Dazu kommt seine beeinduckend markante Form: der Obelisk wird deshalb auch oft als das „Matterhorn der Ammergauer Berge“ bezeichnet. Nach allen Seiten hin steil abfallend (allein der Normalweg verlangt schon gelegentliches Klettern), vermittelt der Geiselstein bereits bei der Zufahrt mit dem Shuttle-Bus am „Wanker Fleck“ einen respektvollen Anblick. Die meisten Kletterer steigen hier aus und wandern zunächst über sanfte Almwiesen, später allmählich ansteigend hinauf Richtung Geiselstein-Sattel.

Die Nordwand-Routen sind am schnellsten zu erreichen und vor allem im Hochsommer das begehrte Ziel der Kletterer. Charakteristisch sind die tief eingeschnittenen Wasserrillen, durch die vielversprechende Linien wie „Wunderland der Träume oder „Ozean voll Phantasie“ usw. gezogen wurden. Klingende Namen, hartes Programm. Geschenkt wird einem in diesen Routen nichts, die Erstbegeher hatten’s drauf und begnügten sich mit längeren Runouts zwischen den Haken. Es sei denn, man steigt durch die sanierten, etwas einfacheren Klassiker wie dem „Herzog- oder Schertelweg“. Mit einer Wandhöhe von über 500 Metern ist man eine gutes Stück unterwegs und die Orientierung wird vor allem nach oben hinaus zuweilen auf die Probe gestellt.

Das Gleiche gilt für die Ostwand-Routen, die über das Pfarrer-Geiger-Band erreicht werden. Auch hier finden sich eine Reihe erstklassiger Touren alter und moderner Prägung: „Ostverschneidung, Herbstwind, Im 8. Himmel“, um nur einige zu nennen. Auch in der Ostwand ist mit einer längeren Kletterstrecke zu rechnen, bis man schließlich über’s Hauseck Richtung Gipfel gelangt.

Der Weg vom Wanker Fleck hinauf zum Geiselstein-Sattel zieht sich und nicht wenige wechseln hier schweißgebadet ihr T-Shirt. Dafür steht man nun schlagartig in der Sonne und bekommt einen schönen Einblick in die Südwand des Bergs. Die meistbegangenen Routen bewegen sich in dieser Ecke in den gemäßigten Graden bei einer Wandhöhe von ca. 200 Metern. Wenn es auf den Nordseiten bereits kalt ist, bietet sich ein Besuch vor allem an sonnigen Herbsttagen an. Besonders beliebt sind die „Südwest-Kante, Südverschneidung, Alte Südwand, Plattenriss“ usw. Diese sanft sanierten Klassiker verlaufen meist durch natürliche Linien und fühlen sich zuweilen bereits etwas abgegriffen an.

Eine der jüngeren Kreationen nennt sich „Ballisto“ und führt etwa in Gipfel-Fall-Linie durch die zentrale Südwand. Der Anstieg ist mittlerweile sehr beliebt und bietet abwechslungsreiche Kletterei mit vielen schönen Klettermetern. Zwischen den kompakten Zonen gelangt man auf gelegentliche Bänder mit Standplätzen. Hier ist Vorsicht geboten (Steinschlag) – der Wandfuß wird besonders an Wochenenden durch zahlreiche Seilschaften belagert.

  1. Seillänge

Der Einstieg befindet sich links eines kaminartigen Einschnitts, an dem weitere Routen nach rechts starten. Vom Standplatz mit 2 Bohrhaken leicht linkshaltend die steile gut griffige Wand empor. Zwischenstand möglich. Man steigt besser weiter, bis der Stand auf einem Absatz erreicht wird. (6)

  1. Seillänge

Über eine kompakte Platte geradeaus weiter bis zum Stand auf einem weiteren Absatz. (6+)

  1. Seillänge

Etwas grasdurchsetzt zwischen zwei Latschen hindurch und später über schrofiges Gelände nach rechts zu geräumigem Band. (5)

  1. Seillänge

Über eine steile Wandstufe geradeaus empor und anschließend rechtshaltend über eine Platte (Sanduhrschlinge). Nun geradeaus hinauf zum Stand auf einem Absatz. (6)

  1. Seillänge

Über wenige schrofige Meter erreicht man eine kompakte Platte. Hier zunächst geradeaus empor, schließlich etwas rechtshaltend hinauf zum Stand. (6)

  1. Seillänge

Man folgt der Risslinie über dem Stand und hält sich später nach links, um am Gipfel Stand zu beziehen. (6+)

Schwierigkeit

Maximal 6+, sonst homogen im 5. bis 6. Grad. Gelegenlich leichter. Zwischen den Haken muss tapfer geklettert werden. (6 obligatorisch)

Absicherung

Gut mit Bohrhaken. Dazwischen kann mobil optimiert werden. An den Ständen befinden sich jeweils 2 Fixpunkte.

Material

Doppelseil, 10 Exen, evtl. Keile und Friends zur zusätzlichen Absicherung.

Talort

Halblech bei Buching im Ost-Allgäu. Geräumiger Parkplatz an der Bus-Station.

Zustieg

Mit dem Shuttle-Bus ab 8 Uhr Richtung Kenzen-Hütte. Es verkehren stündlich Busse hin- und zurück. Man steigt am Wanker Fleck (Kapelle) aus und wandert über eine leicht abfallende Almwiese Richtung Geiselstein. Etwas rechts haltend überquert man einen Bach und gelangt auf einen Schotterweg. Nun folgt man der Beschilderung zum Geiselstein-Sattel. Vom Wanker Fleck ca. 1,5 Stunden.

Einstieg

Vom Geiselstein-Sattel unter die Südwand bis zu einem Vorbau absteigend, nun wieder ca. 10 Meter empor. Der Einstieg befindet sich links eines kaminartigen Einschnitts, an dem die klassischen Linien nach rechts starten.

Abstieg

Vom Gipfel nach Norden durch die Schlucht. Linkshaltend, gelegentlich abkletternd (2 – 3) bzw. ausgetretene Pfade. Nach ca. 20 Minuten erreicht man den Geiselstein-Sattel. Wer die Gesamt-Unternehmung etwas ausdehnen möchte, kann über einen Wanderweg über den Kenzensattel hinüber zur Kenzen Hütte wandern (1,5 Stunden). Von hier aus mit dem Bus ins Tal zurück.

Übernachtung

Für einen längeren Aufenthalt bietet sich die Kenzen Hütte an.

www.berggasthof-kenzenhuette.de

Busfahrplan zu Kenzenhütte

www.halblech.de

Topos

Kletterführer Allgäu, Tannheimer incl. Ammergauer Berge. www.panico.de

Weitere Infos

www.bergsteigen.com

www.walter-hoelzler.de

www.festivaltour.de

 

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