Dent du Géant – Südwand

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„Einer der berühmtesten Alpengipfel, jedenfalls der Viertausender mit dem verrücktesten, dem unlogischsten Profil …“ so beschreibt Walter Pause den Dent du Géant in seiner Sammlung „100 Genussklettereien“ der Alpen. Er ist vielleicht auch der interessanteste Fels-Viertausender, der nach allen Seiten hin steil abfällt. Der Normalweg (frei geklettert im 5. Schwierigkeitsgrad) ist im oberen Teil mit Fixseilen entschärft und lockt somit jeden Sommer zahlreiche Bergsteiger an.

Am 27. Juli 2006 durchstieg der berühmte Alexander Huber die Südwand des Dent du Géant „free solo“. Seine Motivation lag mit Sicherheit nicht an den für ihn geringen Schwierigkeiten (frei geklettert 7+), sondern vielmehr an der einmaligen Lage inmitten einer vergletscherten Hochgebirgswelt. Die Bilder dieser Begehung waren fotogen, seitdem gehen diese Eindrücke um die Welt …

Irgendwann war ich mit Robbe im oberen Vallée Blanche unterwegs. Er ist vor allem kein Kletterer, dafür passionierter Biker mit dementsprechender Kondition. Die Besteigung des Mont Blanc wäre wahrscheinlich passender für ihn gewesen, mein Kletter-Ego überredete ihn jedoch dazu, die Südwand des Dent du Géant zu durchsteigen. Sein Kommentar: „Hauptsache ein Viertausender … wenn du mich da hochziehst …“

Die erste Seillänge führte über Blöcke relativ leicht auf ein kleines Plateau. Die folgenden 7er-Längen waren in dieser Höhe frei geklettert zu schwer für mich, dafür gab es den ein oder anderen Haken, um wieder an den nächsten zu gelangen. Dazwischen ein paar gelegte Friends, und Robbe hatte im Nachstieg offensichtlich Mühe die Dinger wieder raus zu popeln, wie seinen Wunden hinterher belegten. An den Standplätzen bot sich immer wieder der phantastische Blick zum nahegelegenen Rochefort-Grat, der hinüber zu den Grand Jorasses führt.  Nach oben hin wurde die Route schließlich leichter: Gängige Risse und Verschneidungen in genialem grobkörnigen Granit, bequeme Stände auf kleinen Absätzen. Am Ende noch ein anstrengender Überhang und die anschließende Querung zum Gipfel mit Madonna. Die Sicht zum mächtigen Walker-Pfeiler wurde frei …

Schwierigkeit

Maximal 7+ bzw. 6 A0. Die Kletterei bewegt sich meist im 4. – 6. Schwierigkeitsgrad. Wandhöhe ca. 180 Meter.

Absicherung

Klassisch alpin. Viele Normalhaken, dazwischen können ausreichend Keile und Friends gelegt werden. In diversen Varianten bzw. Verhauern befinden sich auch Bohrhaken.

Material

Doppelseil, 12 Exen, Schlingen, Keile und Friends, Abseilausrüstung, Steigeisen und Pickel für den Zu- und Abstieg

Ausgangspunkt

Turiner Hütte (3375 m). Erreichbar mit der Bahn von Courmayeur im Aosta-Tal. Alternativ von Chamonix mit der Aiguille di Mid Bahn.

Zustieg

Von der Turiner Hütte steigt man zunächst wenige Minuten zum Gletscherbecken nach Osten hinab. Es folgt ein anfangs flacher, später immer steiler werdender Anstieg entlang der weiten Hänge Richtung Dent du Géant. Am oberen linken Rand erreicht man eine ca. 40 Grad steile und ca. 80 Meter lange Schneerinne, die in kombiniertes Gelände überleitet. Man gelangt zu einem markanten Felsturm, der am Grat rechts umgangen wird. Von hier geradeaus empor unter die Südwand.

Abstieg

Abseilen über die Route bzw. über verschiedene Varianten im Abstiegssinn links daneben. Abseilstände in verschiedener Qualität: Bohrhaken, Normalhaken, Schlingen.

Unterkunft

In der neuerbauten Turiner Hütte

 

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2 Gedanken zu „Dent du Géant – Südwand“

  1. Die erste Begehung der S-Wand war 1936 durch die beiden deutschen Heeresbergführer Burgasser und Leitz. Seither kennt jeder französische Bergsteiger, im Gegensatz zu deutschen Bergsteigern, diese Route unter dem Namen „le face Allemand“, was soviel bedeutet wie die deutsche Wand. Als ich sie gemacht habe, 1980, war sie noch 150m hoch und im Schwierigkeitsgrad V – a1 mit Techno zu haben.
    In freier Kletterei halte ich den Schwierigkeitsgrad VI für angemessen. Das schwierigste ist die Ersteigung des Wandsockels, da einem hier die Steine von auf und absteigenden Menschen um die Ohren fliegen, die alle Seil am Normalweg hangeln wollen.
    Erstaunlich für mich war, als Alexander Hubers Alleingang in Alpin veröffentlicht wurde, dass die Wand so gewachsen war, damals nämlich 240m. Ich habe damals protestiert und sie wurde auf 160m zurückgenommen. Erstaunlich, dass sie bis heut noch nicht genau gemessen wurde. Ihr solltet mal alte Literatur zur Hand nehmen und Beschreibungen von Klier. Also 7+ ist angesichts einiger anderer Passagen, von früher übertrieben. Vielleicht macht Ihr mal einige Klassiker selbst, wenn Ihr jung genug seid und fit und schreibt schöne Artikel. Ich lese die sehr gerne und würde mich freuen.
    Ich heiße Uwe Ibscher und schreibe auf dem Account meiner Lebensgefährtin Jutta.

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  2. Hi Pat,
    geile Bilder, vielen Dank für deinen Anruf
    und die Arbeit die du damals und jetzt darin investiert hast.
    Ich hätte echt Bock in den Sommerferien wieder was Westalpines zu unternehmen.
    Mach auch gerne den Packesel und evtl den Fotografen.
    liebe Grüße

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