Die Schleierkante in der Pala-Gruppe

Die Schleierkante in der Pala-Gruppe

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Die Palagruppe gehört sicher zu den faszinierendsten Gebirgsgruppen der Dolomiten. Schon Günther Langes, Erschließer und Autor der ersten Kletterführer über die Palagruppe schrieb damals: „Wer die Pala nicht kennt, kennt die Dolomiten nicht“. Nicht ganz zu Unrecht. Die Landschaft hier ist einmalig und die Felsqualität legendär. Alpinkletterer, die Sanduhren lieben, werden begeistert sein. Die Pala ist die vielleicht eindrucksvollste und kühnste Gruppe der Dolomiten. Und weitaus weniger überlaufen, als die bekannten Modeberge der Südtiroler Berge.

Am 19. Juli 1920 gelang Gunther Langes und Erwin Merlet die Erstbegehung der Schleierkante, die sich in der Folge zu einer der beliebtesten Kletterrouten der Pala-Gruppe und der gesamten Dolomiten entwickelte. Den Namen „Schleierkante“ führte Langes auf die Ähnlichkeit des Berges mit einer Madonnenstatue zurück, die Nordwestkante sollte deren Schleier repräsentieren.

Die Tour führt über 11 Seillängen bzw. 400 Meter Wandhöhe entlang der breit ausgeprägten Kante auf den Gipfel der Cima de la Madonna auf 2733 Meter Höhe. Die Kletterei bewegt sich in perfektem Palafels, gespickt mit einer Vielzahl an Sanduhren und wunderbar griffigen und kompakten Felsstrukturen. Hier ist Freiklettern angesagt, der Weg ist nicht immer gleich offensichtlich und gelegentlich ergibt sich auch der ein oder andere Runout in steilem Ambiente. Die wirklich schweren Stellen sind nur kurz, mit Normalhaken gut bestückt, und lassen sich zur Not auch technisch bewältigen. Außerdem gilt es zwei Spreizschritte zu überwinden – so wie die ganze Tour – eine sehr luftige und ausgesetzte Angelegenheit.

Verglichen mit den anderen moderaten klassischen Dolomitenkanten (Delago, Dibona, Alvera und Maria) ist die Schleierkante sicher die fotogenste und gleichzeitig eine der schönsten Kletterrouten im 5. Grad in den gesamten Dolomiten. Schon Walter Pause hat dies seinerzeit erkannt und die Route in seine Sammlung  „Im schweren Fels“, den einst besten mittelschweren Kletterrouten der Alpen, mit aufgenommen.

Schwierigkeit

In zwei Seillängen dolomitentypisch 5+ (realistisch betrachtet 6), überwiegend 3 bis 4, Rest leichter. Der 5. Schwierigkeitsgrad ist obligatorisch.

Absicherung

Dolomitentypisch alpine Absicherung. In den beiden schweren Seillängen stecken einige Normalhaken. Die meisten Stand- und gelegentliche Zwischenhaken sind vorhanden. Dazu kann an vielen Sanduhren zusätzlich gesichert werden. Die Absicherung kann mit Keilen und Friends optimiert werden.

Material

Doppelseil, 8 Exen, Schlingen, Reepschnüre für Sanduhren, Keile und Friends, Abseilausrüstung

Talort

San Martino di Castrozza (1482 m)

Anreise

Man fährt vom Rolle-Pass nach San Martino di Castrozza und anschließend weiter Richtung Fiera di Primiero. Bei einer markanten S-Kurve führt eine steile und schmale Schotterstraße hinauf zur Malga Chivertaghe. Nach einem Wasserspeicher gelangt man zum Parkplatz der Malga Civertaghe (1438m).

Stützpunkt

Refugio Velo della Madonna (2358 m). Vom Parkplatz über einen steilen Weg in knappen zwei Stunden erreichbar.

Einstieg

Man steigt von der Hütte nach Norden ein Stück den Weg hinab. Nun über gelegentliche drahtseilversicherte Abschnitte hinauf bis zu einer Rinne. Dort, wo der Klettersteig nach links abbiegt, ca. 100 m in leichter Kletterei bis zu einer Scharte Richtung Nordwestkante. Bei einem Steinmann gelangt man über leichtes Gelände schräg nach rechts aufwärts bis zu einem Band mit einer Sanduhr bzw. Einstieg. Von der Hütte ca. 25 Minuten.

Abstieg

Der Abstieg ist mit roten Punkten und Steinmännern markiert. Über den Gipfel gelangt man zum Winklerkamin. Von hier in eine Scharte 2 mal 20 Meter abseilen bzw. abklettern. Weiter rechts hinab bis zu einer zweiten Schlucht  und nochmal 20 Meter abseilen. Steigspuren führen zurück zum Rifugio Velo. Ca. 2 Stunden.

Literatur

Kletterführer „Dolomiten Vertikal“, Band Süd. Bestellbar bei www.kletterfuehrer.net
Kletterführer „Im schweren Fels“ von Walter Pause

 

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