Die “Zwerchen-Anni” vom Gimpelkar

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Zuerst der Kommentar eines Internet-Bloggers: „Sehr schöne vierte Seillänge, auch die erste und fünfte gehen in Ordnung. Leider gibt es auch sehr brüchige Wandpassagen (mit großen, lockeren Brocken, die irgendwann der Schwerkraft folgen werden), so dass man sich schon fragen muss, ob ein Einbohren hier sinnvoll war“. Und die Knusperone, eine Kletterfee mit gehobenem Anspruch, meinte: „Die Durststrecke der ersten 3 Seillängen, um an die eigentliche Wand zu gelangen, ist einfach zu lang, da ist die halbe Tour ja schon vorbei. Vielleicht sollte man besser über die Till Ann einsteigen und nach der 3. Seillänge rechts rüberqueren …“

Wie dem auch sei: man hätte die „Zwerchen-Anni“ auch „Edelweißroute“ nennen können. Denn davon gibt es in den ersten 3 Seillängen haufenweise. Abgesehen von ein paar netten Wandstellen klettert man hier überwiegend im schutt- und steinbeladenen Schrofen- und Wiesengelände. Stoff genug, um nachfolgende Seilschaften oder den Wanderweg unter der Zwerchwand zu beschießen. Nach den ersten zwei Seillängen standen die Erstbegeher unter einer brüchig anmutenden Wand und machten aus der Not heraus einen weiten Linksbogen drumherum. Immerhin ergatterten sie somit noch eine kletterfreundliche Felsstufe, um den oberen Wandbereich zu erreichen.

Ab der 4. Seillänge bekommt man dann schließlich das Gefühl durch eine steile Wand zu steigen. Graue, kompakte Kalkplatten erlauben etappenweise akzeptablen bis hin zu gehobenem Klettergenuss – wenn da nicht immer diese hohlen Schuppen oder teils fragwürdigen Griffe dazwischen wären. Die etwas weiteren Hakenabstände machen es dazu besonders spannend – im Ernstfall kann man schon mal ein paar Meter abwärts fliegen. Irgendwann trifft man unausweichlich auf einen eingeklemmten, kopfgroßen Brocken, der nur noch auf den falschen Handgriff wartet, und das ist nicht der Einzige in der Zwerchen-Anni …

Zur Abwechslung kommen dann wieder ein paar Meter unaufgeräumtes Schrofengelände, bis die letzten Aufschwünge erreicht werden. Um noch etwas für Genuss zu sorgen, legten die Erstbegeher ihre Linie wieder über ein paar kurze genüssliche Plattenpassagen und das war’s dann auch schon mit dem Vergnügen …

Fazit: Die 4. Länge ist durchaus spannend und ein paar weitere Passagen dazu. Dass die Route von unten erstbegangen wurde, ist bei dem Bruch sicher auch eine beachtliche Leistung. Doch der Lockruf der Erstbegeher „erstaunlich schöne Kletterei in meist festem Fels“ trifft nur auf den geringeren Anteil zu. Oder: “zu Unrecht kaum begangen …” Warum denn nicht? Vielmehr ist die Tour über weite Strecken unhomogen und teilweise „herzhaft brüchig“. Auch nach der 95. Begehung ist sie noch lange nicht abgeklettert, oder vielleicht ist für den ein oder anderen gerade dies der Reiz einer Alpinen Klettertour? Es muss ja nicht immer Plaisir sein – Abwechslung in den Tannheimern ist auch gut. Für den reinen Genusskletterer ist die Wiederholungsgefahr jedenfalls eher gering, da es an der Zwerchwand einfach viel gängigere Routen in diesem Schwierigkeitsgrad gibt.

Schwierigkeit
In den schwierigen Passagen 5 bis 6+. Dazwischen oft Schrofengelände.

Absicherung
Die Tour ist ausreichend, aber nicht übertrieben mit Bohrhaken abgesichert.

Ausrüstung
60-Meter-Doppelseil, 10 Exen, Keile und Friends sind kaum einsetzbar

Talort
Nesselwängle im Tannheimer Tal. Der Parkplatz befindet sich am westlichen Ortsrand.

Stützpunkt
Vom Parkplatz entlang der Beschilderung in 1,5 Stunden hinauf zum Gimpelhaus. www.gimpelhaus.at

Zustieg
Vom Gimpelhaus Richtung Judenscharte. Sobald der Weg auf den Gimpel-Vorbau trifft, rechts ab zur Westlichen Zwerchwand der Einstieg befindet sich bei einem steilen Wändchen zwischen den Routen „Till Ann“ und „Zwerchweg“.

Abstieg
Vom Ende der Route über den Grat nach links zu den Abseilpisten. Von hier über mehrmaliges Abseilen zurück zum Wandfuß

Literatur
Kletterführer Allgäu incl. Tannheimer Tal www.panico.de

Webinfo
www.bergsteigen.com
www.hikr.org

Bildgallerie

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3 Gedanken zu „Die “Zwerchen-Anni” vom Gimpelkar“

    • Hahaha sehr gut! Als geradezu “verdonesque” Alternativen zu dieser Horrorlinie empfehle ich ferner die 5*-Touren an der Kiesgru.. äh Kanzel meinte ich.

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