„Don Quixotte“ an der Marmolada-Südwand

„Don Quixotte“ an der Marmolada-Südwand

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Die Erstbegeher Heinz Mariacher und Reinhard Schiestl hatten 1979 an der Marmolada-Südwand ausnahmsweise eine Linie hinterlassen, die auch für den weniger extremen Alpinisten machbar ist. Die mittlerweile schon klassische „Don Quixote“ ist eine der leichteren Möglichkeiten, sich an die Marmolada-Südwand ranzutasten. Eine Portion Ausdauer und ein Gespür für die Routenfindung sind dennoch gefragt. Bis auf die „Via Classica“ (4+) an der Punta Penia sind alle weiteren Routen wesentlich anspruchsvoller einzustufen …

Das erste Viertel der „Don Quixote“ überschreitet den 4. Schwierigkeitsgrad kaum und man gewinnt sehr schnell an Höhe. Kurz unterhalb des großen Bandes in Wandmitte trifft man dann auf eine steile Kamin-Verschneidung, wo es Marmolada-typisch schwerer zur Sache geht. Das Band bietet sich anschließend zu einer Verschnaufpause an und manche Seilschaften biwakieren hier in den benachbarten anspruchsvolleren Routen sogar.

Auch in der „Don Quixote“ sind es noch 12 weitere Seillängen bis auf den Gipfel der Punta Ombretta. Nun überwiegt genußvolle, aber auch sehr „freie“ Plattenkletterei. Der Weg ist nicht immer offensichtlich und die Absicherung fordert viel Eigeninitiative, Runouts inclusive. Man erreicht den großen ebenmäßigen Pfeiler, an dessen Kante die Route im oberen Teil verläuft. Die Schlüsselseillänge kommt mit Beginn eines geschwungenen Risses. Man kann ihm entweder nach links über die Platten ausweichen (6) oder seiner schönen Linie folgen. Diese Seillänge ist mit 6+ sehr anstrengend, dafür an vielen Normalhaken recht gut abzusichern. Es folgen noch ein, zwei anspruchsvolle Seillängen, zum Schluss der etwas leichtere Ausstiegskamin, und der höchste Punkt an der Punta Ombretta wird erreicht.

Da die Route mit Ausnahme der leichteren Einstiegslängen selten durch Risse oder Kamine verläuft, ist sie bereits früh im Jahr bzw. nach Regenfällen wieder rasch begehbar. Auch wir wurden im oberen Teil von einem Gewitter überrascht, Platzregen, Hagel, Kälteeinbruch. An’s Abseilen war aufgrund der stattlichen Höhe nicht mehr zu denken. Irgenwie schafften wir es dennoch nach oben und beim Abstieg über den Gletscher schien bereits wieder die Sonne. An der Marmolada ist trotz gutem Wetterbericht mit allem zur rechnen …

Es empfiehlt sich, in die „Don Quixote“ früh einzusteigen. Die meistbegangene Route an der Marmolada-Südwand verursacht mitunter Stau und bei über 20 Seillängen möchte man nicht lange warten. Es sei denn, man wird höflich vorbei gelassen …

Schwierigkeit

Maximal 6+, häufig 4 und 5. (6 obligatorisch). Man beachte die klassische Dolomiten-Bewertung. Meist kann ein ganzer Grad dazu gerechnet werden. Ca. 20 Seillängen bzw. 800 Meter Wandhöhe.

Topo

Absicherung

Generell sind die die Stand- und Zwischensicherungen mit Normalhaken bzw. Sanduhrschlingen ausgestattet. Mit Keilen und Friends kann optimiert werden. Alpine Erfahrung sind Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Durchstieg.

Material

Doppelseil, 12 Exen, Schlingen, Keile und Friends, Abseilausrüstung

Zustieg

Von der Falier-Hütte entlang des Wanderwegs Richtung Ombretta-Pass. Nach ca. einer halben Stunde weglos über steile Matten rechts aufsteigen. Nun entlang eines Geröllkessels und über eine schrofige Rampe hinauf zum Vorbau, der den Einstieg vermittelt. Von der Falier-Hütte ca. 1 Stunde.

Abstieg

Vom Gipfel der Punta Ombretta ca. 3mal auf den Gletscher abseilen. Steigeisen evtl. ratsam. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Seilbahn im Sommer fährt. Deshalb sollte man sich auf einen Fußabstieg zurück zum Fedajasee einstellen. Vom Gipfel ca. 2,5 Stunden. Im Notfall kann auf der Bergstation der Seilbahn in einer Baracke übernachtet werden.

Anreise

Von Canazei über den Fedája-Pass zum Seilbahnparkplatz an der Malga Ciapèla. Unterhalb des Seilbahnparkplatzes führt eine kleine Straße zum Hüttenparkplatz des Refugio Falier.

Stützpunkt

Rifugio Falier (2074 m). Von Parkplatz in Malga Ciapela geht man einen markierten Weg entlang der Südwände von Seranta und Marmolada Richtung Ombretta-Pass. Von der Malga Ciapela ca. 2 Stunden zur Falier Hütte.

Literatur

Dolomiten Vertikal, Band Süd, www.loboedition.de
Dolomiten, Genussklettereien, Rother-Selection

 

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