Durch’s Gotische Fenster an der Kellenspitze

Durch’s Gotische Fenster an der Kellenspitze

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Während in den Routen über dem Gimpelhaus oft ein Belagerungszustand herrscht, sind auf der Tannheimer Nordseite in der Regel nur wenige Kletterer anzutreffen. Das relativ geringe Angebot an gängigen Routen in den bis zu 600 Meter hohen schattigen Wänden samt Alpinem Ambiente trägt sicher dazu bei. Lediglich die „Schertelplatte“ in der Gimpel-Nordwand besitzt unter den Klassischen Routen einen gewissen Bekanntheitsgrad. In jüngerer Zeit kamen einige neue Linien hinzu, unter anderem Klettergärten, aber auch zum Teil sehr schwierige Anstiege von Walter Hölzler.

Mitte der 90er Jahre erschloss der Pfrontener Bergführer Toni Freudig am Nordwand-Sockel der Kellenspitze die „Linie 95“ als eine der ersten Bohrhaken-Touren im Raintal. Bald darauf fand er rechts davon einen weiteren Weg durch die zentrale Wand, die er aufgrund der bildhaften Form „Gotisches Fenster“ taufte. Die gleichnamige Tour bietet dabei hervorragende Kletterei entlang von Rampen und steilen Aufschwüngen in kompaktem wasserzerfressenen Fels.

Geschenkt wird einem in dieser alpin angehauchten Tour allerdings nichts. Toni Freudig kam mit nur wenigen Bohrhaken aus, dazwischen kann man auch nicht viel legen. Vor allem die oberen Seillängen bieten anspruchsvolle Kletterei mit zwingenden Kletterpassagen. Teilweise müssen die Haken vom Stand weg angeklettert werden, auf Komfort wurde hier nach heutige Maßstäben wenig gesorgt. Dazu ist in den leichteren Seillängen die Orientierung nicht immer ganz einfach, um den nächsten Haken bzw. Stand zu finden. Am Ende der Tour gelangt man schließlich an den ausgesetzten „Engelsquergang“, in den Toni Freudig damals einen Hallengriff eingeschraubt hat. Die Aktion sorgte für reichlich Empörung in der Szene, und den Griff gibt’s heutzutage auch nicht mehr …

Die Tour sollte klettertechnisch nicht unterschätzt werden, auch was deren Länge betrifft. Dazu kommt ein relativ alpiner Rückweg, bei dem mehrmals abgeseilt werden muss. Deshalb ist es ratsam, nur bei sicheren Wetterprognosen in die Wand einzusteigen. Nach längeren Regenfällen ist mit Nässe zu rechnen und man sollte 1 bis 2 Tage für trockene Verhältnisse abwarten. „Durch’s Gotische Fenster“ bietet sich aufgrund der nordseitigen Lage vor allem für heiße Sommertage an. Aufgrund des langen Zustiegs von ca. 6 Kilometer durch’s Raintal, empfiehlt es sich das Bike mitnzunehmen.

Schwierigkeit

Laut Panico-Topo überwiegend 5 bis 6, einige Stellen 6+, maximal 7- (6+ obligatorisch). Die Schwierigkeitsangaben sind eher streng bewertet.

Absicherung

In den leichteren Längen befinden sich auf 30 Meter nur 3 bis 4 Haken. Da der Fels oft plattig ist, lässt sich selten etwas dazulegen. Die schweren Stellen müssen zwischen den Haken zwingend geklettert werden. Die Stände sind jeweils mit zwei Bohrhaken ausgestattet.

Material

50-Meter-Doppelseil, 10 Exen, Schlingen, evtl. mittelgroße Friends, Abseilausrüstung

Talort

Gasthof Bärenfalle zwischen Pfronten und Reutte (Tirol). Man folgt dem Schotterweg zum Parkplatz vor einer Schranke.

Zustieg

Zu Fuß oder mit dem Bike ca. 6 km durch’s Raintal Richtung Otto-Mayer-Hütte. Ein paar hundert Meter davor zweigt ein Wanderweg nach links Richtung Nesselwängler Scharte ab. Man folgt dem Weg ca. 30 Minuten bis zu einem Steinmann. Hier über Pfadspuren und Schrofen nach links zum Wandfuß. Auf der linken Seite einer Rampe führt eine seichte unwegsame Schlucht hinauf zum Einstieg bei einem großen Klemmblock. Vom Wanderweg ca. 15 Minuten.

Abstieg

Die Tour endet auf einer schrofigen Gratkante, die nach oben hin bis zur ersten Abseilstelle führt. Von hier 2mal bis in einen schuttigen Kessel abseilen. Pfadspuren führen über schrofiges Gelände entlang roter Markierungen zu einer weiteren Abeilstelle auf einem Felskopf. Von hier 3mal abseilen und nach links über Pfadspuren zum Wanderweg hinausqueren. Hier nach rechts zum Ausgangspunkt absteigen.

Übernachtung

www.musaueralm.at

www.ottomayrhuette.de

Topos

Kletterführer Allgäu, Tannheimer Tal, Ammergauer Berge www.panico.de

 

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2 Gedanken zu “Durch’s Gotische Fenster an der Kellenspitze

  1. Hallo Gordon,
    ja, da kann man sich schon verlaufen. So viele Haken gibts da ja nicht. Trotzdem ist es eine Leistung, irgendwie durch die Wand gekommen zu sein.
    LG, Pat

  2. Pat,
    am 26.7.1998 sind wir auch durchgekommen – wir waren uns aber nicht sicher ob wir, im oberen Teil, eigentlich noch in der Route waren….
    Gordon

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