„Gimpelperle“ in den Tannheimer Bergen

„Gimpelperle“ in den Tannheimer Bergen

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Neben den alten Klassikern (Schertelplatte, Gimpel Alte Nordwand usw.) sowie den Touren von Toni Freudig (Linie 95 bzw. Gotisches Fenster) hat an der Tannheimer Nordseite in der jüngeren Zeit vor allem der Allgäuer Erstbegeher Walter Hölzler neue Akzente gesetzt. Seine Routen haben in jeder Hinsicht eines gemeinsam: lang, schwer und dazu sportlich abgesichert. Feuerland, Schrei aus Stein und wie sie alle heißen. Eine etwas humanere Unternehmung ist dagegen seine „Gimpelperle“.

Die Tour startet am rechten Rand des Klettergartens „Verbotene Stadt“ mit dem Baseclimb „Jakutien“. Danach geht es mit 8- gleich ordentlich zur Sache. Die Seillänge ist gleichzeitig die Eintrittskarte für den Rest der Tour: es sind zwingende Passagen im 7. Grad zu bewältigen, Verschnaufpausen gibt es oft nur an den Haken, um die Kräfte wieder zu mobilisieren. Der Anstieg ist anhaltend schwer und in den leichteren Passagen sind die Hakenabstände fortan weiter. Es ist ein Mix aus steilen Wänden, etwas flacheren Plattenzonen, Überhängen und diagonalen Riss-Verschneidungen. Letztgenannte sind teilweise extrem rau, sodass an einen potentiellen Pendelsturz nicht zu denken ist. Oder der erste Haken nach dem Stand will nach 5 Metern im ungewissen 6+/7- Gelände sicher erreicht werden, um nicht auf’s darunterliegende Band zu knallen …

Leider mussten wir nach der 8. Seillänge wegen eines aufkommenden Gewitters wieder über die Tour abseilen. Und die bauen sich am Gimpel unbemerkt blitzschnell auf. Schade, nach einer längeren Gehpassage hätten wir die letzte 7er und 6er Länge sicher auch noch verkraftet …

Wieder am Wandfuß zurück waren wir jedenfalls stark beeindruckt von dieser düster abweisenden Linie durch die Gimpel-Nordwand. Der Fels ist oft schon unangenehm rau, sodass man nicht an einen Sturz denken möchte. Wegen der sportlichen Bohrhakenabstände erfordert die Tour einen Vorsteiger, der den 7. Grad im alpinen Gelände sicher beherrscht. Und selbst für den Nachsteiger bleibt die Kletterei anstrengend …

Schwierigkeit

Überwiegend 6 bis 7, gelegentlich leichter. Maximal 8-. (7 obligatorisch)

Absicherung

In den leichteren Passagen (5 bis 6) befinden sich teilweise Hakenabstände bis zu 8 Metern. In den schwierigeren Seillängen sind die Abstände etwas enger, aber immer noch sportlich. Dazwischen muss tapfer geklettert werden. Gelegentlich können auch Friends in den leichteren Passagen gesetzt werden.

Ausrüstung

60-Meter-Doppelseil, 14 Exen, Friends zur zusätzlichen Absicherung, Abseilausrüstung

Zustieg

Parkplatz Bärenfalle westlich von Reutte in Tirol. Mit dem Bike 1,5 Stunden durch’s Raintal Richtung Otto-Mayer-Hütte. Kurz vor der Hütte wird bei einer Rechtskehre ein Steinmann sichtbar (Bikedpot). Hier durch den Wald entlang eines Bachbetts, anschließend nach links über diverse Pfade hinauf zur Wand. Der Einstieg befindet sich am rechten Rand des Klettergartens „Verbotene Stadt“. Dort ist der Name „Gimpelperle“ angeschrieben.

Abstieg

Am Stand der 8. Seillänge kann noch gut abgeseilt werden, danach wird es wegen einer langen Querung schwieriger. Wer die Route komplett durchsteigt, landet in der Nähe des Gimpel-Normalwegs. Von dort kann über den Normalweg nach Süden ins Gimpelkar abgestiegen werden. Für den Abstieg bieten sich nun zwei Möglichkeiten an:

a) Abstieg über die Judenscharte: Vom Gimpelkar nach rechts hinauf in die Judenscharte (ca. 30 min), danach meist wegloser Abstieg über alpines Schottergelände (2 bis 3) und zurück zum Ausgangspunkt. Insgesamt ca. 1,5 Stunden.

b) Abstieg über die Nesselwängler Scharte: Vom Gimpelkar nach links zur Nesselwängler Scharte und Abstieg in Raintal. Ca. 1,5 Stunden. Wer die Räder weiter oben bei der Otto-Mayer-Hütte stehen hat, muss zusätzlich 30 Minuten einplanen.

Stützpunkt

Otto-Mayer-Hütte www.ottomayrhuette.com

Webinfo

Literatur

Kletterführer Allgäu & Tannheimer Berge www.panico.de

Bildgallerie

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