“Heiße Liebe” an der Torsäule

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In der Führer-Literatur heißt es oft: die Felsqualität im Salzburger Land braucht sich hinter den Schweizer Top-Gebieten nicht zu verstecken … oder so ähnlich. Die Insider wissen es aber schon längst: die Reiteralm, das Tennengebirge, der Hochkönig, Dachstein usw. können da locker mithalten. Hier gibt es kompakte Kalkwände mit wasserzerfressenen Wandfluchten und teils knietiefe Wasserrillen ohne Ende. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis es die Bohrmaschine an’s östliche Ende der Alpen geschafft hat. Bekannte Erstbegeher wie Brüderl, Amann, Kühberger usw. hinterließen hier zahlreiche Routen, die der Region einen deutlichen Aufschwung in puncto Klettern bescherten.

Zuvor war es vor allem Albert Precht, der mit minimalem Aufwand die Wände waghalsig durchstieg. Aus Bischofshofen stammend, war der Hochkönig sein Hausgebiet. An der Torsäule, dem markanten Felsobelisk inmitten einer karstigen Gebirgslandschaft, eröffnete er unter anderem die „Heiße Liebe“. Laut Precht eine Route, in die man sich verlieben muss. Einst äußerst moralisch, 2015 saniert, bietet sie nun auch für den Normalo einen relativ gefahrlosen Durchstieg. Und davon gibt es an der Torsäule mittlerweile noch viele weitere tolle Ziele …

Die Tour zählt zu den besten Linien an der Torsäule bzw. im gesamten Hochkönig-Gebiet: Genialer, megarauer Fels, wie man es sonst selten erlebt. Sehr schöne Kletterpassagen mit Verschneidungen, Überhängen, Untergriffschuppen, Schlitzen oder Wandfluchten mit eingebackenen rötlichen Chickenheads sind Programm. Die Kletterei ist teilweise sehr athletisch bzw. kraftraubend und nur in den etwas geneigteren Plattenpassagen etwas einfacher. Wer den langen Zustieg von ca. 2,5 Stunden auf sich nimmt, kommt in den Genuss einer Route, die man erlebt haben muss …

Trotz vorhandener Abseilstelle lohnt es sich auf den exponierten Hauptgipfel weiter zu steigen, um das Ambiente in dieser grandiosen Karstlandschaft zu erleben. Der eindrucksvolle Fußabstieg rundet die Gesamtunternehmung ab: kaum zu glauben, dass es auf diesen steilen Berg einen Normalweg gibt. Im Gebiet der Torsäule herrscht oft ein zäher Nebel, deshalb ist es wichtig die zahlreich vorhandenen Steinmänner im Abstieg nicht zu verlieren. Im Nebel kann es hier auch sehr kalt und windig sein, warme Klamotten nicht vergessen!

Schwierigkeit
Überwiegend 5+ bis 6+. Nach oben hin leichter. Einige Passagen im 7. Grad, maximal 7+. (7- obligatorisch). Im großen Vergleich ist die Bewertung eher streng einzustufen.

Absicherung
Die Route ist mit roten Bohrhaken ausreichend saniert. Gelegentlich trifft man auch auf ein paar alte Normalhaken. An manchen Passagen können zusätzlich Friends gelegt werden.

Ausrüstung
Einfach- oder Doppelseil, 12 Exen, evtl. ein paar mittelgroße Friends, Sanduhrschlingen.

Ausgangspunkt
Mühlbach am Hochkönig. Der Parkplatz befindet sich über der Ortschaft beim Arthurhaus.

Zustieg
Man folgt dem Schotterweg zur Mitterfeldalm. Weiter geht es auf dem Wanderweg Richtung Hochkönig. Nach insgesamt ca. 2,5 Stunden erreicht man die Südseite der Torsäule.

Einstieg
Am linken Rand der Südwand. Man steigt vom Wanderweg wenige Meter über Schrofen zu einer markanten Plattenwand auf. Der angeschriebene Einstieg befindet sich rechts einer markanten Schlucht.

Abstieg
Wer seinen Rucksack am Wanderweg deponierten möchte, seilt vom Ende der Route nach links einmal 45 Meter ab. Danach weglos über Schotter zurück zum Ausgangspunkt. Alternativ kann zum Gipfel aufgestiegen werden. Von hier führt ein steiler Pfad zurück zum Hochkönigsteig. Vorsicht bei Nebel, Steinmänner weisen den Weg. Ca. 30 Minuten.

Topos
Kletterführer „Best of Salzburger Land“, Band 1. www.panico.de

Webinfo
www.outdooractive.com
www.stadler-markus.de
www.bergsteigen.com

Bildgallerie

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