Kanzel Südkante

4.5
(4)

Kaum zu glauben, dass es an der Kanzel auch auch noch eine ausgeprägte Kante gibt, am linken Rand des steinbruchähnlichen Wandabbruchs überhalb der Oberjoch-Pass-Straße. Der Pfeiler ist von den einstigen Sprengarbeiten verschont geblieben und bietet den klassischen Allgäuer Hauptdolomit. Hier macht das Klettern richtig Spaß, da der Fels mit einer grauen, verwitterten Felsoberfläche behaftet und dadurch wunderbar rau ist. Die Kante wird dabei oft mit der rechten Handfläche eingefangen.

Um in den Genuss des Pfeilers zu kommen, musste ich ersteinmal eine darunterliegende Verschneidung mit viel Putzarbeit von der Botanik befreien. Danach führen eine Rampe und ein ausgesetzter Block nach rechts zum ersten Stand, dem eigentlichen Beginn der Pfeilerkante. Im oberen Bereich verläuft die Tour dann wieder durch gesprengte Wandstufen und einer plattigen Länge auf ein geräumiges Band in der Nähe des benachbarten Klettersteigs. Von hier sind es dann nur noch wenige einfache Meter, bis der letzte Stand bei einem Baum in der Botanik erreicht wird. Da bietet sich auch für weniger Geübte noch einmal die Gelegenheit, eine kurze einfache Seillänge vorzusteigen.

Mit der Kanten-Führe ist nun die abwechslungsreichste Linie an der Kanzel entstanden. Sie bietet fast durchgehend schöne Klettermeter in allen Variationen. In manchen Situationen muss auch mal kräftig hingelangt und überlegt werden, um eine schwierige Passage zu überwinden. Sogar für den Chef der „chilläääx production“ (siehe yoube) war es manchmal nicht ganz einfach, und der ist nicht das erstemal im Fels unterwegs …

Durch den kurzen Zu- und Abstieg kann auch bei unsicherem Wetter in die Wand eingestiegen werden. Die oberen Standplätze befinden sich auf geräumigen Bändern, wo im Notfall nach links zum Ostrachtaler Klettersteig ausgequert werden kann. In der ganzen Tour muss dringend Steinschlag vermieden werden, um nachfolgende Seilschaften zu nicht zu gefährden. Durch die südseitige Lage kann fast das ganze Jahr über geklettert werden. Auch nach längeren Regenfällen trocknet der Fels relativ schnell ab. Mittlerweile existieren 3 Routen in der Wand, so können auch mehrere Linien an einem Tag durchstiegen werden. 20 Seillängen sind dann auch ganz ordentlich. Und wer dann immer noch nicht genug hat, kann zum Schluss noch in den Ostrachtaler Klettersteig einsteigen …

Schwierigkeit
Überwiegend 5 bis 6, maximal 6+ (6 obligatorisch)

1. Seillänge
Zuerst durch eine Verschneidung, anschließend nach rechts auf die Pfeilerkante. Stand auf einem schmalen Absatz. Schwierigkeitsgrad 5-.

2. Seillänge
Vom Stand kurz nach links, dann rechtshaltend entlang der Pfeilerkante. Stand auf einem abschüssigen Band. Schwierigkeitsgrad 5+.

3. Seillänge
Nach rechts auf die Pfeilerkante und geradeaus empor, bis der Stand an einem markanten Felsspalt erreicht wird. Schwierigkeitsgrad 6-.

4. Seillänge
Vom Stand nach rechts über eine brüchige Felszone (hier muss dringend auf Steinschlag geachtet werden, um nachfolgende Seilschaften nicht zu gefährden. Die Steine rutschen durch den Spalt und später auf die Tour). Gleich darauf nach links auf eine abschüssige Platte unter einem Überhang. Man umgeht den Überhang linkshaltend und klettert anschließend nach rechts auf die Pfeilerkante, danach geradeaus empor bis ein Stand mit 2 alten Schwerlastankern erreicht wird. Schwächere Nachsteiger können hier nachgeholt werden. Der Stand kann auch ausgelassen werden und man steigt diagonal nach links weiter bis ein großes Band erreicht wird. Der Stand befindet sich nicht an der Kette, sondern ca. 3 Meter links davon bei zwei Klebehaken. Schwierigkeitsgrad 6.

5. Seillänge
Vom Stand nach rechts, danach geradeaus empor und gegen Ende der Seillänge wieder rechtshaltend bis ein geräumiges Band erreicht wird. Der Stand befindet sich an einem Stahlseil mit etwas höher gelegenem Bohrhaken. Schwierigkeitsgrad 6+.

6. Seillänge
Sandiger Start auf eine kompakte Platte, danach diagonal rechtshaltend bis wieder ein geräumiges Band erreicht wird. Stand an zwei Klebehaken. Schwierigkeitsgrad 5+.

7. Seillänge
Diagonal rechtshaltend bis die Botanik erreicht wird. Stand an einem Baum. Schwierigkeitsgrad 3.

Absicherung
Die Route ist perfekt mit Klebehaken abgesichert

Ausrüstung
50-Meter-Einfachseil, 8 Exen, Schlinge für den letzten Standplatz am Baum

Ausrichtung
Die Klettertour ist südseitig ausgerichtet.

Ausgangspunkt
Die nahegelegenen Parkplätze für die Hirschalpe und an der Kanzel (max. Parkzeit 1 Std.) werden nicht geduldet. Deshalb muß in Oberjoch am großen Parkplatz P1 geparkt werden.

Zustieg
Vom P1 zu Fuß entlang der Teerstraße zum Aussichtspunkt Kanzel hinab (ca. 500 m). Hier nach rechts entlang der Beschilderung bzw. unter dem Steinschlagzaun zum Ostrachtaler Klettersteig. Vom Beginn des Klettersteigs über Geröll nach rechts zum Wandfuß. Der Einstieg befindet sich auf einem erdigen Absatz unter einer Verschneidung.

Abstieg
Vom letzten Stand kurz aufsteigen, anschließend nach rechts über Pfadspuren selbsterklärend zurück zum Ausgangspunkt. Im Sommer nicht durch die Wiesen gehen!

Bildgallerie

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1 Gedanke zu „Kanzel Südkante“

  1. Der Local Philipp Munkler hat nun alle 3 Touren an der Kanzel (Südkante, Schuppentest und Just for fun) geklettert. Und zwar free solo, ohne Gurt usw. 20 Seillängen im nicht immer zuverlässigen Fels mit Schwierigkeiten bis 6+. Nach der Kante und dem Schuppentest ist er noch schnell zum Gaichtpass rübergefahren und hat unter der Brücke die 3-Seillängen-Tour “Patze, Patze, Kuchen” im unteren 6. Grad draufgesetzt. Eine beachtliche Leistung, wie ich meine, krasser Typ … Gratuliere dir, Philipp 🙂

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