Klettergarten Bachtelweiher

Klettergarten Bachtelweiher

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Die Sandsteinfelsen in der Nähe des Bachtelweihers waren schon immer ein beliebtes Trainingsgelände der Kemptener Kletterszene, vor allem als es die Kletterhallen noch nicht gab. Bereits in den 60er und 70er Jahren waren hier die damaligen „Extremen“ zugange: Peter Vogler, Walter Rudolph, Bernhard Günther und wie sie alle heißen, trainierten damals für die großen Wände der Alpen. Ihnen gelang u. a. später zusammen mit dem Filmemacher Gerhard Baur die erste Durchsteigung des 40 Meter überhängenden Daches der Westlichen Zinne in den Dolomiten.

Einen darf man in dieser Reihe auch nicht vergessen: Jürgen Vogt, damals einer der fähigsten Freikletterer im deutschsprachigen Raum (frühe Wiederholungen der Messner-Routen, an der Civetta, am Eiger uvm.) Jürgen legte sich gelegentlich ein Fixseil in die Wand am Bachtelweiher und kletterte die überhängenden Routen der Reihe nach im Alleingang. Eines Tages versagte ihm die zur Selbstsicherung dienende Steigklemme und er landete 10 Meter tiefer am Wandfuß. Schwer verletzt mühte er sich über einen Pfad hinauf zum Top und zog noch das Seil zu sich hinauf. Danach verlor er das Bewusstsein, wo er zufällig von ein paar Kletterern entdeckt wurde. Den anschließenden Krankenhaus-Aufenthalt brach er frühzeitig ab und fuhr gleich weiter nach Kroatien in die Paklenica-Schlucht, um sein Kletter-Leben im Gips bekleidet fortzusetzen. Mittlerweile ist der „Vogte“ schon über 80 und man sieht ihn nach weiteren zahlreichen Verletzungen immer noch mit dem Gleitschirm durch die Lüfte fliegen …

Manfred Hofstätter war einer der ersten, der in den 80er-Jahren die steilen Überhänge am Bachtelweiher mit Bohrhaken ausstattete. Somit entstanden hier die ersten vorstiegstauglichen Routen im 7. bis 8. Schwierigkeitsgrad. Um die Jahrtausendwende setzte Matthias Huber (Knupp) schließlich noch ein paar Haken dazu, um in den unteren geneigten Platten etwas entspannter an die Überhänge zu gelangen. Bis dahin sah man lediglich wenige geübte Kletterer, die dem Schwierigkeitsgrad bis zu den Umlenkungen gewachsen waren. Oder sie legten von oben ein Toprope-Seil in die steile Wand, um den freien Durchstieg zur trainieren.

In jüngerer Zeit kam mir schließlich die Idee, Umlenkungen am Beginn der schwierigen Überhänge einzurichten. Somit sind nun 5 Baseclimbs entstanden, die den 6. Grad kaum überschreiten. Zudem richteten Yogi Lang und Daniel Steinmeier am rechten Rand der Wand zwei neue lohnende Linien im 6. bis 7. Grad ein. An der Wand gibt es nun insgesamt 9 Anstiege mit diversen Einstiegsvarianten, die für den Durchschnittskletterer realistisch sind.

Die Wand besteht aus Sandstein, was etwas gewöhnungsbedürftig ist. Der Fels ist jedoch sehr kompakt und die Routen gut abgeklettert. Der Klettergarten ist von zahlreichen Bäumen eingebettet, somit kann hier auch an heißen Sommertagen geklettert werden. Der Einstiegsbereich ist durch die darüberliegenden Überhänge etwas geschützt und es kann auch bei leichtem Regen geklettert werden. Der ehemalige Steinbruch ist somit ein geeignetes Ziel bei unsicherem Wetter oder für den Feieraband geeignet.

Eine Etage höher befindet sich zudem ein ca. 50 Meter langer Felsriegel mit einer Wandhöhe bis zu 8 Metern. Yogi Lang hat hier 3 Linien eingerichtet, um den ersten Vorstieg im 3. bis 5. Grad zu trainieren. Die Wand liegt etwas versteckt im Wald und manche Bereiche sind mittlerweile stark vermoost. Dennoch gibt es hier ausreichend Klettermöglichkeiten, die vor allem für’s Bouldern geeignet sind. Man trifft hier auch immer wieder auf Kletterkurse, die das unter anderem das Abseilen trainieren.

Topo des unteren Sektors mit den langen Routen

Absicherung

Sämtliche Routen sind gut mit Bohrhaken ausgestattet. An den Umlenkungen befinden sich Karabiner.

Ausrüstung

Einfachseil, 8 Exen

Ausgangspunkt

Am östlichen Stadtrand von Kempten befindet sich der Bachtelweiher, ca. 500 Meter weiter die Autobahnbrücke Richtung Betzigau. Unter der Brücke hindurch, danach ca. 100 Meter nach links. Es kann an den Straßenrändern geparkt werden. Ein schwach ausgetretener Pfad führt ca. 100  Meter hinauf in ein Wäldchen.

Zustiege

a) Für den tiefergelegenen Vorstiegsbereich geradeaus in den Wald hinein zur Wand. Zustiegszeit ca. 3 Minuten.

b) Für den Boulderbereich rechts den Pfad hinauf, auf der Ebene kurz nach links, anschließend nach rechts in den Wald hinein. Zustiegszeit ca. 5 Minuten

Wandhöhen

a) Im tiefergelegenen Vorstiegsbereich bis zu 15 Meter

b) Im oberen Bolderbereich bis zu 8 Meter

Literatur

Kletterführer Allgäu Rock www.gebro-verlag.de

Bildgallerie

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