Klettern am Aggenstein

Klettern am Aggenstein

Der Aggenstein ist vor allem für die Wanderer ein begehrtes Ziel. Der exponierte Gipfel thront über dem Tannheimer Tal und bietet eine phantastische Sicht ins Alpenvorland bis hinüber zu den Ostallgäuer Seen. Folglich herrscht an diesem formschönen Berg an den Wochenenden oft Hochbetrieb. Die nahegelegene Bad Kissinger Hütte trägt sicher dazu bei.

Aber auch für die Kletterer hat der Aggenstein einiges zu bieten. Neben dem Hüttengrat, der Südwestkante sowie einigen nordseitigen Graten sind die Südwand-Platten sehr beliebt. Hier wurde die ganze Wand mit ca. 5 Anstiegen zugepflastert (so genau lässt sich das nicht feststellen) und die Bohrhakenabstände zwischen den einzelnen Routen sind oft enger, als in der jeweiligen Tour. So versteigt sich in der Wand manch eine Seilschaft und landet schließlich in der benachbarten Linie. Doch alles halb so schlimm, die Routen ähneln sich sehr, letztendlich sucht sich jeder Kletterer den für ihn verlockenden Weg.

Die Platten-Flucht bietet auf engem Raum nur wenig steile Kletterpassagen und überschreiten den 4. Grad kaum. Über angenehm geneigte und griffige Platten mit gelegentlichen Verschneidungen gewinnt man rasch an Höhe. Lediglich bei 2 Routen (Südverschneidung und Franz-Haff-Gedenk-Weg) stößt man jeweils auf eine Stelle im oberen 5. Schwierigkeitsgrad. Die Überwindung kurzer Aufschwünge lässt sich hier jedoch gut mit Hakenhilfe bewältigen. Obwohl auf der Bad Kissinger Hütte oft Kletterkurse veranstaltet werden, sind die Routen in der Südwand meines Erachtens jedoch bedingt anfängertauglich. Etwas weite Hakenabstände, gelegentlich schrofige Passagen und Alpines Orientierungsvermögen verlangen einen sicheren Vorsteiger.

Nach 5 Seillängen enden die Routen auf dem nur 15 Meter niedrigeren Südgipfel des Aggensteins. Der ist durch einen Verbindungsgrat mit einer eingelagerten Scharte ca. 80 Meter vom Hauptgipfel getrennt. Hier lässt sich das Panorama deutlich ruhiger genießen, als auf dem oft überfüllten höchsten Punkt. Wegen der sonnigen Lage kann man in der Südwand bereits im Frühjahr bis in den späten Herbst hinein bei angenehmen Temperaturen klettern.

Die Routen in der Südwand

Südwestkante 3 – 4
Westtangente 4+
Linke Südwandplatten 4
Rechte Südwandplatten 4-
Süderverschneidung 5+ bzw. 3+ A0
Franz-Haff-Gedenkweg 5+ bzw. 3+ A0
Osttangente 4+
Hüttengrat 2+

Absicherung

Die Hakenabstände betragen oft bis zu 10 Meter und verlangen einen sicheren Vorsteiger (kein Plaisir). Gelegentlich kann mit mobilen Sicherungsgeräten entschärft werden. Die parallel zu einander verlaufenden Routen sind mit verschiedenen Bohrhakentypen ausgestattet (Mammut, Salewa, Austria Alpin), um einen gewissen Überblick zu gewähren. Die einzelnen Routen treffen sich gelegentlich an gemeinsamen Standplätzen. Diese sind jeweils mit 2 Bohrhaken ausgestattet.

Material

Es kann mit einem 50-Meter-Einfachseil geklettert werden, was jedoch im Falle eines unverhofften Rückzugs problematisch ist. Dazu 10 Exen, Schlingen, Keile und Friends.

Ausgangspunkt

Grän im Tannheimer Tal. Der Parkplatz befindet sich am westlichen Ortsrand.

Zustieg zur Bad Kissinger Hütte

Man folgt im unteren Bereich der Beschilderung entlang von Schotterwegen. Danach führt ein Pfad hinauf zur Hütte. Ca. 1,5 Stunden.

Zustieg zur Südwand

Man folgt dem Wanderweg Richtung Aggenstein. Nach ca. 15 Minuten verlässt man den Weg nach links und gelangt über Wiesen und Schrofen, zuletzt etwas absteigend, unter die Südwand. Ca. 30 Minuten.

Abstieg

Über den Normalweg zur Bad Kissinger Hütte. Ca. 40 Minuten

Unterkunft

Bad Kissinger Hütte www.badkissingerhuette.at

Topos

Kletterführer Allgäu & Ammergau incl. Tannheimer Tal www.panico.de

Bildgallerie

Schreibe einen Kommentar