Klettern am Bergseeschijen

Klettern am Bergseeschijen

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155 Routen bzw. 450 Seillängen, was will man mehr. Toni Fullin hat während seiner Zeit als Hüttenwirt auf der Bergseehütte ein Kletterparadies geschaffen, das seines Gleichen sucht. In 20 verschiedenen Sektoren reicht das Routenangebot mittlerweile vom gemütlichen Kinderklettergarten bis zur anspruchsvollen 6b+. Der große Klassiker der Gegend ist der Bergseeschijen Südgrat, den bereits vor langer Zeit Walter Pause in seine Alpin-Sammlung „Im schweren Fels“ mit aufgenommen hat. Die 10-Seillängen-Tour wurde mittlweile sanft saniert, hat jedoch von ihrem Reiz nichts eingebüßt.

Wer sich auf dem landschaflich schönen Hüttenanstieg vom Heidelbeer-Pflücken nicht ablenken lässt, kommt im Idealfall nach 1,5 Stunden auf der Bergseehütte an. Wäre man hier nicht dem Schweizer Preisniveau ausgeliefert, sollte man eigentlich eine ganze Woche verweilen:  das Panorama zum Dammagletscher, die Kletterrouten zum Greifen nahe und das abendliche Bad im Bergsee laden für einen mehrtägigen Aufenthalt ein.

Auch wir wurden in der Augustzeit von den Heidelbeeren am Wegrand aufgehalten und entschieden uns in der Mittagszeit für eine der kürzeren Routen an der Ostwand des Bergseeschijens. Das Topo ist gespickt voller Routen, bei genauerer Betrachtung sind die Einstiege jedoch schwer zu finden, die angeschriebenen Routennamen verblasst oder vielleicht niemals vorhanden? Irgendwann war etwas von „Congratulation“ zu lesen, das hörte sich doch gut an, und um nicht noch mehr Zeit zu vergeuden stiegen wir dort ein.

Die Route entpuppte sich als schöne anregende Kletterei entlang von plattigen Schuppen mit steilen Aufschwüngen. Trotz Bohrhakenabsicherung lassen sich gelegentliche Runouts gut mit mobilen Sicherungsgeräten entschärfen und nach 6 Seillängen standen wir schnell am Ostgrat des Bergseeschijens. Leider viel zu kurz, so deponierten wir die Kletterausrüstung, wanderten über den Normalweg weiter hinauf zum Gipfel und wurden mit einem tollen Panorama belohnt: der Blick hinunter zum Bergsee, den Dammazwillingen und schließlich hinüber zum legendären Salbitschijen-Westgrat. Und bei genügend Sehschärfe lässt sich sogar die jüngst erbaute Hängebrücke von der Salbit-Hütte hinüber zur Biwakschachtel erkennen.

Fazit: Es handelt sich hier mit Sicherheit um das vielseitigste Klettergebiet der Urner Alpen. Es wird für jeden Anspruch etwas geboten, die Routen sind nicht allzu lang und eignen sich auch deshalb für Alpine Mehrseillängen-Kurse. Wer sich für die Granit-Kletterei fit machen möchte, ist hier am richtigen Ort. Obwohl sich im Göschener Tal einer der schönsten Alpinen Campingplätze befindet, sollte man sich mindestens eine Nacht auf der Bergseehütte gönnen. Das üppige Routenangebot samt Abiente drängen sich förmlich auf …

Schwierigkeit

Rund um den Bergseeschijen gibt es an verschiedenen Massiven einige leichtere Routen im Bereich 4a bis 5b mit bis zu 12 Seillängen. Der Südgrat (max. 5a) sollte nicht unterschätzt werden, da die Hakenabstände etwas weiter sind und der Alpine Charakter beibehalten wurde. Daneben gibt es auch einige anspruchsvollere Ziel bis zum Schwierigkeitsgrad 6b+. Rund um die Bergseehütte wurden einige Klettergärten mit Routen im Schwierigkeitsgrad 2c bis 6b eingerichtet.

Absicherung

Die meisten Routen sind lt. Führer „gut“ mit Bohrhaken abgesichert. Es muss allerdings immer wieder mehrere Meter von den Haken weggeklettert werden, es können nur die schweren Stellen A-Null bezwungen werden. Die Kletterrouten wurden mit Augenmaß eingerichtet bzw. saniert. Die Mitnahme von Keilen und Friends sind zur zusätzlichen Absicherung ratsam.

Material

Doppelseil, 10 Exen, Schlingen, Keile und Friends

Zustiege

Die Zustiegszeit zu den einzelnen Sektoren bzw. Routen beträgt durchschnittlich 30 – 45 Minuten.

Übersicht

Unterkunft

Auf der Bergseehütte (2370 m). SAC – Sektion Angenstein. Vom Parkplatz an der Göschener Alp in ca. 1, 5 bis 2 Stunden zu Fuß erreichbar.

Zufahrt

Von der Gotthard-Autobahn nördlich von Andermatt ins Göschener Tal. Auf der schmalen Teerstraße ca. 10 km hinauf zur Göschener Alp am Stausee (Parkplatzgebühr).

Campingplatz

Für die Anreise ist eine Übernachtung auf dem Zeltplatz Mattli im Göschner Tal sehr zu empfehlen. Der Campingplatz ist kostengünstig und bietet ein schönes Ambiente am Bachlauf mit Blick zum Dammagletscher. (siehe www.zeltplatz-mattli.ch)

Topos

Schweiz Plaisir Ost, Filidor Verlag
Kletterführer „Granit Zauber“, erhältlich auf der Bergseehütte. Sämtliche Kletterrouten im Bergseegebiet.

 

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