Klettern am Zuestoll

Klettern am Zuestoll

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Die Gipfel der Churfirstenkette sind auf der Nordseite leicht erreichbare und deshalb gut besuchte Aussichtspunkte. Ihre Südwände fallen dagegen steil zum Walensee hinab und bieten für uns Kletterer ein reichliches Betätigungsfeld. Besonders hervorzuheben ist da der Zuestoll, eine schlanke Fels-Pyramide, die bereits in Walter Pause’s 100 Extremtouren Einzug erhielt. Schon vor Jahren machte ich dort die Klassische Südwand, damals noch mit Normalhaken gesichert und ohne modernem Topo unterwegs. So war die Wegfindung nicht ganz einfach, viele Querungen leiteten durch die Schwachzonen der Wand, ein ständiges Rätselraten wo es weitergeht, gelegentliche richtungsweisende Haken führten uns schließlich  ans Ziel. Soweit ich mich noch erinnere, waren wir am Ende richtig froh auf dem Gipfel zu stehen.

Heutzutage sieht die Lage allerdings ganz anders aus: die Alte Südwand ist mittlerweile saniert, das ehemalige Abenteuer durch eine Plaisirtour  ersetzt, dazu ziehen einige moderne Routen durch die Wand. Geblieben sind die Top-Felsqualität und der komplizierte Routenverlauf, der wegen der neuen kreuzenden Linien eher unübersichtlicher wurde. Durch die vielen Quergänge gewinnt man bei ca. 250 m Wandhöhe nur zaghaft an Höhe und landet nach 14 Seillängen auf dem höchsten Punkt.

Das Ambiente ist hier schon etwas Besonderes, wie man es sonst selten erlebt. Ein ausgesetztes Band, das von der Scharte „Palisnideri“ hinüber zum Einstieg führt, sorgt bereits beim Zustieg für einen erhöhten Blutdruck. Die dolomitenartige Steilheit der Wand, das kompakte Gestein und der ständige Blick hinunter zum Walensee bieten eindrucksvolle Klettererlebnisse. Kein Wunder, dass hier in jüngerer Zeit viele Erstbegeher ihre Spuren hinterlassen haben. Routen wie die „Neue Südwand, Chico Mendez, Baustopp, Allerheiligen usw.“ machen die Wand zu einem begehrten Alpinen Sportkletterziel. Und mit einem detailierten Topo in der Tasche findet man sich auch in dem etwas dichten Routennetz gut zurecht. Der Zuestoll gehört zu den interessantesten Kletterbergen im Großraum Alpstein/Churfirsten.

Schwierigkeit

In der Klassischen Südwand (Pause-Tour): Max. 7 bzw. 6 A0, gelegentlich leichter

Absicherung

Sehr gut mit Bohrhaken. In den leichteren Längen nur gelegentliche BH.

Material

Doppelseil, 12 Exen, evtl. mittlere Friends zur zusätzlichen Absicherung in den leichteren Längen, Schlingen

Zustieg

Mit dem Auto von Unterwasser hinauf zur Alp Selamatt (10 Sfr. Mautgebühr, gleich am Anfang bei einer Schreinerei am Automaten zu entrichten). Von Selamatt über den markierten Wanderweg Richtung Zuestoll zum Rüggli (1740 m) bei einer Eisenstange mit Hinweistafeln. Anschließend etwas weiter ansteigend zu einer Abflachung, hier nach rechts über einen schwach ausgetretenen Pfad in das Tal zwischen Zuestoll und dem westlich gelegenen Brisi. Ein Schuttkar leitet in die Scharte Palisnideri (2010 m). Von hier nach links über ein ausgesetztes, teilweise drahtseilversichertes Band entlang der Südwand zum Einstieg bei einem markanten Vorbau. Von der Alp Selamatt ca. 1,5 Stunden.

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Abstieg

Über den markierten Normalweg unschwierig nach Norden zurück zur Alp Selamatt. Alternativ kann auch über die Südwand abgeseilt werden.

Talort

Unterwasser, ca. 2 km westlich von Wildhaus im Alpstein (Schweiz)

Übernachtung

Auf der gesamten Alp Selamatt kann gut biwakiert bzw. im Auto übernachtet werden.

Topos

Kletterführer Churfirsten vom Schweizer Alpen-Club
Schweiz-Plaisir Ost, Filidor-Verlag

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