Klettern an der Costa Blanca in Spanien

Klettern an der Costa Blanca in Spanien

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Die Gegend um Alicante war eine meiner ersten „Winterfluchten“ zum Jahreswechsel. In den Alpen hat es oft noch zu wenig Schnee, das Wetter ist zu mild oder wechselhaft. An der spanischen Mittelmeerküste hingegen scheint es in den Wintermonaten jedoch besonders stabil zu sein. Die Klettergebiete rund um die Kleinstadt Calpe, ca. 50 km nördlich von Alicante, befinden sich im Regenschatten der im Inland höher gelegenen Berge. Wenn ich den Costa-Blanca-Führer durchblättere, gerate ich gleich ins Schwärmen: Unzählige Gebiete, Sektoren und Sportkletterrouten sind hier aufgelistet. Der Küstenstreifen ist gespickt mit Felsriffen, Klippen und hohen Massiven. Bei Calpe ragt der „Penon de Ifach“, ein riesiger Felsturm auf einer Halbinsel 350 Meter in die Höhe. An diesem Wahrzeichen der Gegend kommen neben den Wanderern auch die Mehrseillängen-Fans auf ihre Kosten. Aber irgendwie passt das alles hier nicht wirklich zusammen: Inmitten der wunderschschönen Küstenlandschaft  sind immer wieder Hoteltürme, Feriensiedlungen und Touristenburgen eingelagert. Alles fest in deutscher, englischer und russischer Hand, die ihre eigenen Gemeinden bilden. Internationale Bars, Läden, Bäckereien, Zeitschriften usw. prägen die Gegend. Hier sind die Auswanderer daheim, manche überwintern oder machen Urlaub im Sommer. Beim Landeanflug nach Alicante überfliegt man Benidorm mit seinen unzähligen Mini-Wolkenkratzern und glaubt fast schon in Manhattan zu sein. Aber keine Angst, bereits nach 10 Kilometern im Landesinneren ist wieder alles beim Alten: Spanische Dörfer, Fincas, Olivenhaine, Obstplantagen und dazu unzählige Felsmassive. Wer an der Costa Blanca in den Wintermonaten Urlaub macht lässt den ganzen Rummel, der hier sonst herrscht aus. Und dazu ist es angenehm warm: 15 – 20 Grad, Klettern im T-Shirt. Kaum eine Ecke am Mittelmeer verspricht auch im Hochwinter soviel Sonne und Wärme wie die spanische Ostküste zwischen Valencia und Alicante.

Die Sportklettergebiete

Im Bereich der Costa Blanca gibt es mittlweile 45 Klettergebiete mit ca. 2500 Routen in allen Schwierigkeitsgraden. Der Schwerpunkt liegt bei 5c – 6c. Die Felsqualität ist durchwegs gut und reicht vom grauen Plattenkalk bis zum rötlichen Sinterfels. Das Hakenmaterial ist in manchen Gebieten veraltet, in den Modegebieten jedoch vorbildlich saniert. Die Absicherung bzw. Hakenabstände sind meist gut bis vertretbar. Aus der Menge an Gebieten kann ich hier nur unser zweiwöchiges Urlaubsprogramm vorstellen:

Gandia: Altes klassisches Gebiet, gute Routen, speckig, stark frequentiert

Font d’Axia: Kleines nettes, ruhiges Gebiet mit schönen Routen

L’Ocaive: super schöne und lange Routen

Alcalali: Kurzer Zustieg, gute Routen

Olta: Klassisches Gebiet, schöner Blick auf Calpe

Sierra de Toix: Viele Anfänger-Mehrseillängen-Routen, gut besucht

Guadalest: Super gute Routen, Mehrseillängenrouten, schöner Fels, kulturell reizvoll

Sella: Bekanntes klassisches Gebiet, unzählige Routen, speckig und viel los

Moreira: versteckt,direkt über‘m Meer, wenige Besucher, nicht im Führer enthalten

Die Mehrseillängenrouten

Die Wände von „Penoch“ und „Puig Campana“ bieten die meisten und längsten Mehrseillängenrouten in der Gegend. Wir waren jedoch insgesamt dreimal am Penon de Ifach, siehe Topo. Der Trabant lockt einen immer wieder: kurzer bequemer Zustieg über die Uferpromenade, Klettern über‘m Meer, wahnsinns Gipfelblick auf Calpe, landschaftlich einmalig.  Auf dem Gipfel wartet eine Schaar wildlebender Katzen, die gefüttert werden möchten  (ich schleppte durch die Routen zweimal Katzenfutter). Der Abstieg erfolgt über den Wanderweg nach Calpe, unterwegs durch einen Felstunnel, siehe Topo. Wandhöhe 350 Meter. Absicherung mit Bohrhaken, es kann mobil optimiert werden.

Via Valencianos 5c:

Die meistbegangene, klassische Route am Berg. Hübsche gestufte Kletterei, teilweise botanisch, landschaftlich schön. Die Schlüsselstelle ist maßlos abgespeckt, ursprünglich 5c, mittlerweile vielleicht 6b. Mit Friends kann jedoch gut entschärft werden. Insgesamt eine lohnende Unternehmung, sich an den Ifach ranzutasten.

Costa Blanca 6c+:

Der Klassiker unter den Sportkletterrouten am Massiv. Gut gesichert, 6a+ obligatorisch, schöne Kletterei.

Diedro UBSA 5c:

Sehr schöne abwechslungsreiche Kletterei mit einer Abseilstelle samt luftigem Quergang im oberen Drittel der Wand. Bestückt mit Bohrhaken, lässt sich aber gut zusätzlich mobil absichern. Mittelschwerer Klassiker, dementsprechend häufig begangen.

Topos

Kletterführer „Costa Blanca“ vom Rockfax-Verlag. Das Standardwerk der Klettergebiete der Gegend. Sehr informativ und abdingbar. Englischsprachig.

Orientierung

Die Klettergebiete samt Parkplätze sind nicht immer leicht zu finden. Daher ist ein Navi bzw. GPS-Gerät sehr hilfreich. Im Rockfax-Kletterführer sind die Klettergebiete mit den Koordinaten angegeben.

Unterkunft

An der Costa Blanca gibt es zahllose Hotelzimmer, Ferienwohnungen, Fincas und Campingplätze. Wir waren in einer Ferienwohnung bei Moreira in der Nähe von Calpe untergebracht. Die Gegend gilt als zentraler Ausgangspunkt für viele Klettergebiete.

Beste Zeit

Herbst bis Ostern. Im Sommer ist es zu heiß zum Klettern.

Anreise

Flug nach Alicante. Ein Mietauto samt Navi sind obligatorisch, da die Klettergebiete sehr verstreut und nur mit dem Auto erreichbar sind.

 

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3 Gedanken zu “Klettern an der Costa Blanca in Spanien

  1. Hallo Arne,
    Anfang Mai kann man in der Gegend mit Sicherheit noch gut klettern. Es gibt genügend Sektoren mit allen Himmelsrichtungen. Ansonsten entweder vormittags oder nachmittags einsteigen. Da geht immer etwas …
    Viel Spaß wünscht Pat

  2. Danke für den hilfreichen Überblick zum Klettern an der Costa Blanca. Mich würde noch interessieren, ob Du es Anfang Mai noch für kühl genug hältst, um dort zu klettern, z.B. am Penon de Ifach. Kann man ansonsten genug Schattensektoren finden? Viele Grüße, Arne

  3. Vielen Dank für den tollen Einblick in die Kletterei an der Costa Blanca! Ich werde dieses Jahr Silvester dort verbringen und bin sehr gespannt! Herzliche Grüße aus Berlin, Evelyn

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