Klettern an der „Parete dos Casina“

Klettern an der „Parete dos Casina“

Sportklettern bei Nago, wer kennt das nicht. Immer wieder schweifte mein Blick hinüber zu einer langgezogenen Wand unter dem Monte Baldo. Ob es dort etwas zum Klettern gibt, war für mich immer ein Rätsel. 2019 war es nun soweit, der neue Führer „Kunst und Klettern“ von Heinz Grill und Florian Kluckner beschreibt die „Parete dos Casina“ etwas näher.

Bereits in den 70er Jahren erschloss hier der berühmte Sarcatal-Erstbegeher Giuliano Stenghel Routen im klassischen Stil. Da die ca. 100 Meter Hohe Wand meist sehr steil, kompakt und abweisend ist, gelangen ihm nur wenige Wege durch natürliche Linien wie Kamine und Verschneidungen. Bohrhaken moderner Prägung gab es damals noch nicht, dafür war anspruchsvolle Freikletterei mit teils langen Runouts angesagt. Hin und wieder gelang es Stenghel einen Normalhaken in die Wand zu schlagen oder eine Schlinge um einen Baum zu legen. Und er hatte sogar schon Klemmkeile mit dabei, die es zu damaliger Zeit noch nicht lange gab.

Bis heute hat sich am Charakter dieser Routen nur wenig verändert. Seit 2017 sanierten Heinz Grill & Co. nach Absprache mit Stenghel lediglich die Standplätze mit Bohrhaken und entfernte brüchige Passagen oder störende Botanik. Dabei ließ er es sich auch nicht nehmen, die ein oder andere Sanduhr-Schlinge zu fädeln, um die spartanische Absicherung etwas aufzubessern.

Schattige Ziele sind im Sarcatal oft Mangelware. Die „Parete dos Casina“ ist jedoch nordseitig ausgerichtet und bietet sich somit vor allem bei großer Hitze an. Sie befindet sich idyllisch in einem Laubwald gelegen und gewährt einen phantastischen Blick auf den oberen Gardasee samt Riva. Die hier herrschende Ruhe wird nur gelegentlich durch das laute Bremsen der Mountainbiker unterbrochen, die vom Monte Baldo talwärts rauschen. Das Gebiet ist von der Bergstraße aus binnen weniger Minuten absteigend zu erreichen.

Liebhaber traditioneller Routen, die nicht von Bohrhaken „übersät“ sind, kommen hier auf ihre Kosten. Aufgrund der Kürze können mehrere Routen an einem Tag bewältigt werden. Die Namensgebung „Parete dos Casina“ wurde dem großen Alpinisten Catullo Detassis gewidmet.

Schwierigkeit

Via del Baffo (5+): Die leichteteste Möglichkeit, sich an die Wand ranzutasten. Die Tour ist noch wenig abgeklettert und lässt sich ausreichend absichern. Sie führt meist über eine leicht geneigte Rampe mit schönen Kletterpassagen.

Via del Vecio (6+): So wie alle andere Routen an der Wand etwas abenteuerlich angehaucht und noch wenig abgeklettert. In den Rissen und Verschneidungen ist Freiklettern mit gelegentlichen Runouts angesagt. Die Tour lässt sich mit mobilen Geräten nur gelegentlich zusätzlich absichern.

Absicherung

Die Stände sind gebohrt, dazwischen befinden sich hin und wieder Normalhaken bzw. fixe Sanduhrschlingen. Mit Keilen und Friends kann die Absicherung gelegentlich aufgebessert werden.

Material

60-Meter-Doppelseil, 10 Exen und Schlingen. Die Mitnahme von Keilen und Friends in allen Größen ist anzuraten.

Zustieg

Von Nago auf der Bergstraße Richtung Monte Baldo. Nach dem Parkplatz des Sportklettergebiets von Nago noch ca. 200 Meter weiter bis zu einer Links-Kehre. Man parkt am Straßenrand. Von hier nach rechts über einen Pfad zu den Einstiegen absteigen.

Abstieg

Von den Ausstiegen nach links über einen schwachen Pfad bergauf zur Abseilpiste. Ein 60-Meter-Doppelseil ist dringend anzuraten, da die untere Abseil-Länge 50 Meter bis in den Wald hinein überhängt.

Topos

Kletterführer „Kunst und Klettern“. www.kletterfuehrer.net

Webinfo

www.klettern-sarcatal.com/casina.htm

Bildgallerie

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