Klettern an der Tognazza

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Allein die Anfahrt über den Rollepass ist schon ein Erlebnis. Der Blick auf die Pala-Gruppe, den südlichen Ausläufern der Dolomiten, ist beeindruckend. Dabei ist die Schleierkante an der Cima della Madonna sicher die bekannteste Klettertour der Gegend. Aber auch die Normalwege auf die rießigen Türme sind schon ein Abenteuer für sich.

Auf der gegenüberliegenden Talseite befindet sich ein kleines unscheinbares Massiv, das sich auch nach einer langen, anstrengenden Pala-Tour anbietet. Man könnte die Tognazza fast schon als kleines „Eldorado“ in den Dolomiten bezeichnen. Völlig untypisch, dass man in den Dolomiten auf granitähnliches Gestein trifft. Das Massiv gleicht einer Schiefen Ebene und ist von unzähligen Platten, Pfeilern und Verschneidungen durchzogen. Mittlerweile befinden sich hier einige Routen in den Schwierigkeitsgraden 5c bis 6b und darüber hinaus.

Aus dem reichhaltigen Angebot entschieden wir uns für die Route „Momo“ von Roly Galvagni im rechten Wandbereich. Der Name des Erstbegehers bürgt für Qualität. In der 8-Seillängen-Tour überwiegen hauptsächlich Platten mit Rissen, Kanten und Verschneidungen, die an die Schweizer Granit-Gebiete erinnern. Die „Momo“ bietet durchgehend schöne Klettermeter mit angenehmer Absicherung. Die Felsbeschaffenheit ist sehr kompakt und angenehm rau. Die Standplätze befinden sich auf bequemen Absätzen.

Wegen der Überschaubarkeit ist die Wand ein geeignetes Halbtagesziel oder bietet sich auch bei unsicherem Wetter an. Es kann jederzeit über die jeweilige Tour unproblematisch abgeseilt werden. Der Zu- und Abstieg sind unkompliziert und jeweils in ca. 30 Minuten zu bewältigen. Aufgrund der angenehmen Bohrhaken-Absicherung samt schöner Felsbeschaffenheit gehören die Routen an der Tognazza zu den wenigen Plaisir-Gebieten in den Dolomiten.

Schwierigkeit

Überwiegend 5c, gelegentlich 6a, kurze Stellen 6b. 6a obligatorisch.

Absicherung

Perfekt mit Bohrhaken. Die schweren Stellen sind gut gesichert. In den leichteren Längen sind die Bohrhakenabstände etwas weiter.

Material

50-Meter-Einfach oder Doppelseil, 12 Exen, evtl. Schlingen.

Zustieg

Ausgangspunkt ist die kleine Siedlung auf der Passhöhe des Rollepass. Am östlichen Ortsrand befindet sich ein Parkplatz. Man steigt über Wiesen nach Osten hinab, bis auf der rechten Seite die Tognazza erscheint. Hier nach rechts und über ein großes Geröllfeld hinauf zu den Einstiegen. Die Routennamen sind angeschrieben. Ca. 30 Minuten

Abstieg

Vom Gipfel nach rechts über Wanderpfade zurück zum Ausgangspunkt. Ca. 30 Minuten

Webinfo

Die folgende Internetseite beschreibt viele relativ gut gesicherte Kletter-Routen in den Dolomiten.

www.montialpago.it

www.montialpago.it

Übernachtung

In San Martino di Castrozza befindet sich ein sehr schöner Campingplatz www.campingsassmaor.it

Bildgallerie

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1 Gedanke zu „Klettern an der Tognazza“

  1. Hallo,
    zufällig bin ich über diesen kuriosen Dolomiten-Beitrag gestolpert und alte Erinnerungen sind wach geworden.
    Es war 1988. Nachdem wir am Vortag die komplette Sass Moar Ostwand (Bettega) durchstiegen hatten, waren wir am nächsten Tag etwas ausgelaugt und brauchten etwas Entspannendes. Am Rollepass fiel uns diese Wand auf, die ja so gar nicht ins Dolomitenschema passt. Natürlich hatten wir darüber keinerlei Informationen.
    Damals gab es am Rollepass noch einen italienischen Wachposten und wir dachten, dort könnten wir uns ja informieren.
    Ziemlich abgerissen, in unserem Klettergewand halt, betraten wir unverblümt das Büro. Worauf der Wachebeamte sofort seine Pistole zückte und auf uns richtete.
    Offenbar haben wir sehr verdächtig ausgesehen. Wir waren so verblüfft, dass wir darüber nicht einmal sonderlich erschraken, sondern wir stellten radebrechend und gestikulierend unsere Frage nach Kletterouten in besagter Wand.
    Endlich hatten die Beamten begriffen, was wir wollten und nun war es ihnen peinlich, dass sie uns mit der Waffe bedroht hatten.
    Wir wurden in ein Nebenzimmer gebeten und nach Klärung des Missverständnisses erfolgte die Entschuldigung beim Vino – Italiener halt… traumhaft!
    Viel erfahren haben wir dennoch nicht aber wir waren immerhin angeheitert und sind dann einfach ziemlich in der Mitte der Wand in ein Verschneidungssystem eingestiegen. Welche Route das war weiß ich bis heute nicht, nur dass fast nichts steckte und das Ding sauschwer (Stellen VI+) war. Aber verwöhnt waren wir ohnehin nicht…

    LG

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