Klettern auf Kalymnos

Klettern auf Kalymnos

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Die Bewohner der kleinen Insel in der Ägäis hatten lange Zeit nur eine Wahl: Entweder nach Schwämmen tauchen oder auszuwandern. Sandstrände sind hier sehr dünn gesät, somit ist die Insel lange vom Massentourismus verschont geblieben. Seit 1996 hat sich dieser Zustand jedoch rasant verändert: ein italienisches Kletterehepaar verbrachte seine Hochzeitsreise wohl eher zufällig auf Kalymnos. Sie entdeckten unweit oberhalb ihrer Unterkunft das unglaubliche Potential an Sportkletterfelsen und kehrten bald darauf mit der Bohrmaschine wieder zurück auf die Insel. Die Entwicklung des vielleicht besten, zumindest fotogensten Sportklettergebiets im Mittelmeerraum nahm seinen Lauf …

Ich selber war bereits dreimal dort, in meinem Bekanntenkreis kenne ich Leute, die seit über 10 Jahren regelmäßig im Mai auf die Insel fliegen. Darunter Reinhard, der mit der Kletterszene in überhängenden Grotten wirklich nichts am Hut hat. Natürlich gibt es auch zahllose Wände mit Routen in den mittlereren Graden. Doch was hier zählt, ist das Ambiente. Man sitzt nach dem Klettern auf der Terasse des Studios mit freiem Blick aufs glitzernde Meer und der kleinen vorgelagerten Insel Telendos. Rechts daneben verschwindet die Sonne langsam hinter’m Horizont. Es wird Zeit, nach Massouri in eine Fisch-Taverne zu gehen … Ja, das hört sich alles ziemlich kitschig an, aber besser geht‘s einfach kaum.

Mittlerweile gibt es auf Kalymnos und der Nachbarinsel Telendos 2700 Routen verteilt auf 65 Sektoren. Unzählige Linien gehen auf das Konto der legendären Remy-Brüder, die hier regelmäßig zugange waren. Auf Telendos hat vor allem der Schweizer Urs Odermatt einige Mehrseillängen-Touren erstbegangen. Die Entwicklung nimmt kein Ende, hier werden mittlerweile im hintersten Winkel Gebiete mit einem etwas längeren Zustieg erschlossen und manche davon sind nur mit dem Boot erreichbar.

Die meisten Kletterer quartieren sich an der Südküste in Massouri, in einem der zahlreichen Studios ein. Der Weg zu den darüberliegenden Kletterfelsen ist ein Katzensprung: in ca. 15 bis 30 Minuten gelangt man zu den berühmten Sektoren „Odysee, Ocean Dream, Olympic Wall, Iliada, Spartacus, Afternoon, Panorama, Poets usw.“ und schließlich der Grande Grotta, dem Lieblingsort der Sinter-Kletterer, die nach ein, zwei Routen wieder in der Bar am Laptop sitzen und ihre Bilder um die Welt schicken. Das Klettervolk ist mittlerweile international, Japaner, Amerikaner, Russen … Kein Wunder, dass aufgrund des kurzen Zustiegs manche Routen mittlweile maßlos abgespeckt und kaum mehr zu begehen sind.

Doch alles halb so schlimm. Auf der nördlichen Inselhälfte befinden sich noch weitere 1000 Sportkletter-Routen aus der jüngeren Erschließungszeit. Die Zustiege sind teilweise etwas weiter, dazu muss eine Moped gemietet werden, um die ca. 5 bis 10 Kilometer entfernten Sektoren zu erreichen. Die Gebiete „Styx, Kastri, Palace, Sikati Cave, Ghost Kitchen, Arhi, Sea Breeze, Summertime usw. bieten meist noch raue Klettermeter an scharfkantigen Felsstrukturen. Im hinteren Teil der Insel herrscht deutlich weniger Kletterbetrieb, zudem lohnt sich ein Besuch im hintersten kleinen Fischerdorf Eborios. Kleine Tavernen, alles ziemlich urtümlich, der richtige Ort um den Klettertag mit Calamaris und Rotwein ausklingen zu lassen.

Nie vergessen werde ich die Uferpromenade von Telendos, bereits im Juni sitzt man hier bei lauen Sommernächten vor den Kneipen. Die Fähre tuckert noch spät abends in wenigen Minuten zurück nach Kalymos. Nicht wenige Kletterer quartieren sich mittlerweile hier ein, um den Kletterrummel von Kalymnos hinter sich zu lassen.

Unser primäres Ziel waren hier  jedoch die Mehrseillängen-Routen von Telendos. Vom Fischerhafen Myrties gelangt man mit einer kleinen Fähre auf die östliche Uferseite des Berges. Nun sind es nur noch wenige Minuten hinauf bis zu den Einstiegen. Die Routen „Wild Country“ und „Wings for Life“ befinden sich links bzw. rechts einer rießigen Grotte. Wer etwas Abwechslung vom Sportkletter-Alltag sucht, findet hier zwei ganz tolle Linien: Fels vom Feinsten, alles Top gesichert, das absolute Pflichtprogramm eines Kletterurlaubs auf Kalymnos für die Alpinisten unter uns. Der Abstieg führt zuerst über eine Hochebene, später nach rechts zurück zur Uferpromenade der einzigen Siedlung auf Telendos. (ca. 1,5 Stunden).

Und dies ist nur ein Anriss des Kletterangebots auf Kalymnos …

Schwierigkeit

Wild Country 6a, Wings for Life 5c. Maximal 10 Seillängen. Wandhöhe ca. 270 Meter. Sportkletterrouten auf Kalymnos in allen Schwierigkeitsgraden. Auch für Anfänger gibt es genügend Potential

Die Sportkletter-Sektoren

Absicherung

Beide Routen sind perfekt mit Bohrhaken gesichert. Das Hakenmaterial rostet allerdings wie in allen Routen auf Kalymnos aufgrund der salzigen Meeresluft unaufhaltsam vor sich hin. Viele Routen werden bereits wieder saniert.

Material

Für alle Routen auf Kalymnos und Telendos: 70-Meter-Einfachseil, 14 Exen, Keile und Friends werden nicht benötigt.

Nach Kalymnos

Die meisten Kletterer fliegen auf die Touristeninsel Kos. Von hier mit der Fähre nach Kalymnos. Vom Hafen Pothia mit dem Taxi in wenigen Kilometern an die Südküste zur Unterkunft nach Myrtie oder Massouri. In den Sommermonaten gibt es Direktflüge nach Kalymnos.

Übernachtung

Auf Kalymnos gibt es zahlreiche kostengünstige „Studios“  (ca. 30 Euro proTag). Dies sind kleine Appartements mit Kochgelegenheit und Dusche. Empfehlenswert sind die Studios von Massouri, unweit der Haupt-Klettergebiete. Am Ortsausgang befinden sich auf der rechten Straßenseite mehrere terassenförmig angelegte Studios mit freier Sicht aufs Meer.

Verpflegung

In Restaurants, Bars und Minimarkets

Kletterladen

Im Massouri befindet sich ein Kletterladen

Beste Reisezeit

Frühjahr und Herbst. Im Sommer zu heiß, im Winter zu unbeständig.

Topo

Kletterführer Kalymnos. Erhältlich z. B. bei www.kletterfuehrer.net 

 

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