Klettern bei Gestalgar

Klettern bei Gestalgar

Der 2018 erschienene Kletteratlas „Dónde Escalar en Espana“ beschreibt 1227 Klettergebiete und macht dadurch deutlich, wieviele erschlossene Felsgebiete es in Spanien eigentlich gibt. Da wir zwei Wochen über den Jahreswechsel hauptsächlich im Hot-Spot Chulilla verbringen wollten, ließen wir das dicke Buch lieber zu Hause und beschränkten uns auf ein paar Ausflugsziele rund um Valancia.

In Gestalgar, rund 20 Kilometer von Chulilla entfernt, sollte es laut Topo an der „Peña Maria“ einige Mehrseillängen-Routen geben. So fuhren wir durch endlose Orangen- Zaki- und Mandelplantagen durch‘s Hinterland von Valencia und waren beeindruckt vom Sonnenreichtum dieser Gegend. Nach ca. 30 Minuten erreichten wir Gestalgar, ein wie ausgestorben wirkendes Dorf mitten in der Spanischen Pampa. Außer einer Kopie der Route „No a la Guerra“ hatten wir keinerlei Informationen, weder Lage, noch Zustiegsbeschreibung. Ein Werkstatt-Mechaniker beschrieb uns schließlich den Weg über eine Sand-Piste in einen Canyon, durch den der „Rio Turia“ fließt. Alles ziemlich abenteuerlich und unübersichtlich, doch irgendwann entdeckten wir ein eindrucksvolles Felsmassiv am Ende einer Sackgasse, jenseits des Flusses.

Ich verglich einige Zeit das Topo mit der steil aufragenden Wand: links ein paar Höhlen, rechts eine markante Rampe, das konnte passen. Ein Brücke führte über den Rio Turia und eine Kiesbank schließlich nach rechts zu den ersten Sportkletter-Routen. Wenige Meter weiter Endstation, wir standen vor dem Wasser, das bis zum Wandfuß hinreichte. Keine Markierung, dafür ein paar Haken, uns blieb keine andere Wahl als hier einzusteigen. Doch wir waren richtig, wie sich später herausstellte …

Die ersten drei Seillängen im 4. bis 5. Schwierigkeitsgrad führten über eine vorgelagerte Rampe, bis sich die Wand ordentlich aufsteilte. An kleinen Löchern und Leisten im oberen 7. Grad kletterten wir nun ca. 30 Meter zu einem exponierten Standplatz, der bereits für einen eindrucksvollen Tiefblick auf den den darunterliegenden Bach sorgte. Ein diagonaler Quergang leitete schließlich nach rechts unter die Headwall. Steile Wandstufen, Überhänge und Verschneidungen boten nun teilweise anstrengende Kletterei, bei der wir nach drei weiteren Seillängen auf dem aussichtsreichen Gipfel standen. In der Ferne Gestalgar, und der Blick reichte sogar bis Chulilla, das sich durch die weißen Haus-Fassaden von der umliegenden Maccia abhob. Über ausgetretene Pfade gelangten wir schließlich völlig planlos, aber erfolgreich zurück zum Ausgangspunkt.

Fazit: Die „Peña Maria“ befindet sich fernab des Mainstreams inmitten einer idyllischen Landschaft in absoluter Ruhe. Ein ideales Ausflugsziel, um dem Rummel von Chulilla zu entfliehen. Der darunter fließende Bach verleiht der Gegend ein besonders schönes Ambiente. Die breite Wand bietet auch weitere Mehrseillängen-Routen in allen Schwierigkeitsgraden. „No a la Guerra“ ist dabei eine geeignete Möglichkeit durch die ganze Wand zu steigen, da sie direkt von der Kiesbank aus startet. Die Tour bietet viele schöne Kletterpassagen mit einem imposanten Tiefblick auf den schlängelnden Bach, der sich durch einen Canyon drängt. Anhand der guten Absicherung ist der Weg durch die Bohrhaken vorgegeben. Die Wand ist nordseitig ausgerichtet und eignet sich deshalb auch für heiße Klettertage.

Am Wandfuß befinden sich bei der großen Kiesbank einige Baseclimbs in allen Schwierigkeitsgraden mit wenig Kletter-Betrieb. Die bekannte Österreichische Kletter-Legende Angela Eiter meinte dazu: „Was das Sportklettern betrifft, ist die Peña Maria mit ihren kurzen knackigen Routen eine gute Abwechslung zu den langen Ausdauerhämmern von Chulilla.“ Aber keine Angst, da gibt’s auch was für die Normalo’s unter uns …

Schwierigkeit in der Route „No a la Guerra“

4 Seilängen im 4. bis 5. Grad, 4 Seillängen 6a bis  6b. Maximal 6b+ (6a+ obligatorisch)

Absicherung

Die gesamt Route ist perfekt mit Bohrhaken ausgestattet. An den Ständen befinden sich jeweils 2 bis 3 Fixpunkte.

Material

50-Meter-Doppelseil, 12 Exen, Schlingen, Helm. Es werden keine Keile bzw. Friends benötigt.

Zufahrt

Am linken Ortsrand von Gestalgar über eine langgezogene Sandpiste hinab zum Rio Turia. Ein Brücke führt über den kleinen Fluss, nach ca. 100 Metern zweigt nach links eine schmale Straße zu einem geräumigen Parkplatz auf einer Wiese ab. Dort befindet sich eine touristische Schautafel mit Picknick-Anlagen. Aufgrund der Abgeschiedenheit eignet der Platz auch gut für eine Nächtigung. Von Gestalgar ca. 5 Kilometer entfernt.

Zustieg

Vom Parkplatz führt eine Brücke über den Seitenarm des Rio Turia. Über die Kiesbank gelangt man nach rechts zu den verschiedenen Sportkletter-Routen. Wenige Meter weiter befindet sich auf der linken Seite direkt vor dem Bachlauf der Einstieg von „No a la Guerra“. Bei niedrigem Wasserstand dürfte der gesamte Wandfuß komplett im Trockenen liegen.

Abstieg vom Gipfel

Ein schwacher Pfad führt in wenigen Minuten zu einem Wanderweg hinab. Hier nach links zum Ausgangspunkt zurück. Ca. 1 Stunde.

Lage

Literatur

www.klettern-shop.de

www.bergfreunde.de

Webinfo

elev-arte.com

www.enlavertical.com

Bildgallerie

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