Klettern im Val Bodengo

Klettern im Val Bodengo

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Das Val Bodengo ist unter den Cayoning-Freunden schon lange ein Begriff. Seit der Veröffentlichung diverser Routen im Führer Schweiz Plaisir Ost, trifft man in der Gegend nun vermehrt auch auf Kletterer. Allein die Anfahrt von Gordona hinauf ins Val Bodengo ist schon ein Erlebnis und bietet einen eindrucksvollen Blick ins flache Becken hinaus zum Comer See. Später führt die Straße entlang des oberen Schluchtrandes taleinwärts in Richtung der kleinen Ortschaft Bodengo. Hier befinden sich weit verstreut einige ältere und neuere Klettergebiete.

Unser Ziel waren die „Placce del Boggia“, dem vielleicht begehrtesten Kletterziel der Gegend. Ein kurzer Zustieg entlang der Straße mit anschließendem Abseilen à la Verdon am Eisengeländer, das hörte sich doch gut an.

Irgendwie war ich voll auf „Plaisir“ eingestellt, doch nach der ersten Abseil-Länge wurde schnell klar, dass es hier wohl ernsthafter zur Sache geht. Schwarz-graue(nhaft) kompakte Platten reichten 250 Meter hinab in den Canyon. Dazu eine überaus sportliche Absicherung, soweit wir es beim Abseilen beurteilen konnten. Hier überlegt man es sich schon genau, wie weit man bis zum Schluchtgrund abseilt, damit das Seil beim Abziehen nicht ins Wasser fällt, was sich tatsächlich kaum vermeiden lässt.

Der Canyon ist ein echtes Erlebnis, glasklare Gumpen und das Rauschen des Baches ist allgegenwärtig. Landschaftlich betrachtet alles wunderbar, aber jetzt mussten wir da irgendwie wieder hochkommen. Zwar gibt es etwa in Wandmitte eine leichtere Aufstiegsmöglichkeit im 5. Grad, von der wir jedoch viel zu weit entfernt waren. Da man sich im steilen Uferbereich nicht beliebig hin- und herbewegen kann, mussten wir uns der „Nuovo Cinema Paradiso“ (6a+) im linken Wandbereich stellen, über die wir rein zufällig bzw. blauäugig von der Straße aus abseilten.

Gleich zu Beginn galt es einen Überhang zu überwinden, der noch relativ gutmütig abgesichert war. Danach wurden die Hakenabstände immer weiter und die Plattenschleicherei zwingend zu bewältigen. Der Granit ist zwar überwiegend rau, aber nur wenig mit Kanten und Dellen strukturiert. Ohne eine gute Vorstiegsmoral läuft hier nichts und sogar der Nachsteiger muss sich anstrengen, um die Platten-Passagen sauber zu bezwingen. Das ist echt krass. Nach oben hin kommen dann noch zwei 5a-Längen mit Runouts bis zu 10 Metern. Macht mit Seildehnung gute 20 Meter im Falle eines Sturzes. Dem verwöhnten Plaisir-Kletterer stellt‘s die Nackenhaare auf, für manch anderen sicher kein Problem. Wie dem auch sei, wir sind jedenfalls erleichtert wieder oben am Eisengeländer angekommen …

Topo (Man beachte in der Legende die Absicherung „super“)

www.campingacquafraggia.com

Schwierigkeit

Da man zuerst über die einzelnen Routen abseilt, sollte man dem jeweiligen Schwierigkeitsgrad in Aufstiegsrichtung gewachsen sein. In der „Nuovo Cinema Paradiso“ ist mit maximal 6a+ zu rechnen. 6a obligatorisch.

Absicherung

Laut Kletterführer Schweiz Plaisir Süd „gut+“. (!) Angebrachter wäre hier „so … so“ (soll i, oder soll i nüt weiterklettern?)

Material

50-Meter-Doppelseil, 10 Exen, Abseilausrüstung

Zustieg

Man fährt von Chiavenna nach Gordona und weiter ins Val Bodengo. Bereits am oberen Schluchtrand angekommen, führt die untere Straße an der Trattoria „Dunadiv“ weiter taleinwärts. Nach ein paar hundert Metern wird auf der linken Straßenseite ein Eisengeländer sichtbar. Der Parkplatz befindet sich wenige Meter weiter ebenfalls auf der linken Straßenseite bei einer großen Canyoning-Kiste. Um an die Abseilpiste zu gelangen geht man wieder zurück zum Eisengeländer und seilt je nach Route an ensprechender Stelle daran ab.

Weitere Topos

Kletterführer Schweiz Plaisir Ost. www.filidor.ch

 

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2 Gedanken zu “Klettern im Val Bodengo

  1. Hallo Pat,

    letztes Wochenende waren Joe und ich an dieser Wand. Wir sind 4 mal abgeseilt und wollten die „Paradisdican“ gehen. Bis zur 3. SL war der Weg gut zu finden und die Hakenabstände waren verhältnismäßig in Ordnung. Danach teilt sich die Route in eine linke und eine rechte Variante. Wir sind vermeintlich die rechte Variante aufgestiegen. Danach waren die Hakenabstände entweder riesig oder ich hatte die Route verloren. Da mir weiter rechts die Hakenabstände enger schienen wich ich auf eine Route(n) weiter rechts aus, also vermutlich die „Sandro’s grappa“ oder noch weiter oben die „Underground“. Trotz des Ausweichens auf die rechteren Routen war gute Vorstiegsmoral gefragt. Ich würde auch sagen das die Angabe einer „super“ Absicherung seeeeehr optimistisch ist. Man sollte auf jeden Fall den Schwierigkeitsgrad zwingend klettern können. Wenn man das kann hat man auf der Wand jedoch echt viel Spaß 🙂

    Bis bald, Daniel

  2. Servus Peter,

    sehr interessant – ich bin auf den Bericht gestoßen, weil ich beim Canyoning oft „unten lang“ gehe. Die Routen habe ich schon ein paar Mal gesehen und bin jedes Mal „unten weiter“ gegangen und gedacht: Das macht doch eh keiner. Spannend zu sehen, dass das wohl DOCH welche machen.

    Schöner Bericht,

    viele Grüße

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