Klettern in der Türkei

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Klettern bei „Geyikbayiri“

Das größte türkische Klettergebiet ist „Geyikbayiri“, unweit der Südküste bei Antalya. Türkische Kletterer haben es im Jahr 2000 entdeckt, mittlerweile gibt es hier mehrere Hundert Routen in allen Schwierigkeitsgraden mit optimaler Bohrhakenabsicherung. In jüngster Zeit (2017) sind wieder einige neue Sektoren hinzugekommen.

An mehreren kilometerlangen Felsriegeln findet man eine Unzahl an Kletterrouten in rötlichem und grauen Kalkgestein. Steile Wandkletterei wechselt sich mit Höhlen und Sinterfahnen ab. Das Gestein ist meist meist stark erodiert, löchrig bis vielseitig strukturiert. Die meisten Einstiege sind von der Straße aus sehr gut zu erreichen und auch für Familien geeignet, da der Wandfuß meist eben ist. Geyikbayiri hat sich in den letzten Jahren zu einem Gebiet entwickelt, das auch für Anfänger geeignet ist.

Weitere Klettergebiete wie „Belidibi, Faralya und Dalayan“ sind in malerischen Meeresbuchten gelegen. Darunter auch „Olympos“ mit historischen Sehenswürdigkeiten in sehr schönem Ambiente. Die besten Reisezeiten sind das Frühjahr und der Herbst. Benötigt wird ein 70-Meter-Einfachseil sowie bis zu 14 Express-Schlingen.

Der bekannteste Stützpunkt ist das „Josito-Camp“, mitten im Klettergebiet Geyikbayiri gelegen. Für Camper bietet sich die Möglichkeit, das Zelt auf einer großen Wiese aufzustellen. Es gibt auch preisgünstige Übernachtungsmöglichkeiten in Bungalows. Heiße Duschen und saubere Sanitär-Anlagen bieten den nötigen Komfort, um sich wohl zu fühlen. In einer hauseigenen Bar kann man frühstücken, abendessen und gemütlich bei einem Getränk zusammensitzen. Darüber hinaus gibt es in der näheren Umgebung landesübliche Restaurants und Lebensmittel-Läden.

Mehrseillängen-Routen an den „Karatash“ bei Kuzdere

Wir bevorzugten als Stützpunkt eine der Hotelanlagen bei Kemer. „All you can eat“ und nach dem Klettern Baden im Meer, das musste sein. Auf dem Weg in die Klettergebiete fuhren wir eher zufällig an imposanten Felstürmen vorbei. Schon von weitem sind die „Karatash“ (gesprochen Karatasch, übersetzt: Schwarze Steine) bei der Ortschaft Kuzdere sichtbar. Fast unnatürlich wirkend stehen die abgerundeten Konglomerat-Brocken inmitten der grünen Vegetation. Der Vergleich mit dem griechischen „Meteora“ liegt nahe. Ein eimaliges und sehr schönes Bild in dieser Gegend, dahinter türmen sich die im Frühjahr mit Schnee bedeckten Berggipfel des Taurusgebirges auf.

Auf geschotterten Strassen kann man bis fast vor den Wandfuß der bis zu 150 Meter hohen Türme fahren. Ziegen, freilaufende Hühner und Schafe untermalen das Ambiente. Hier ist man weit ab von der erdrückenden Touristengegend, der Küste von Kemer an dem sich ein Hotel an das andere reiht. Die Karatash sind außerdem ein beliebtes Wanderziel mit guten Ausblicken in die nähere Umgebung und aufs Meer. Man sollte daran denken, dass es in der Gegend einige Giftschlangen gibt, denen man vielleicht zufällig über den Weg läuft …

Je näher man sich den Konglomerat-Felsen nähert, desto mehr kommen Zweifel auf, ob hier überhaupt richtig geklettert werden kann. Die Entscheidung fiel spontan, wir hatten keinerlei Informationen, und suchten einen von der Ferne ausgespähten für uns machbaren Weg aus. Zunächst schlichen wir ungesichert eine lange Rampe hoch. Danach spielte sich die Kletterei  in den mittleren Schwierigkeitsgraden ab und ähnelte einer Mischung aus Ertasten und Hochschleichen entlang der natürlichen Linien wie Bänder, Kamine und Verschneidungen. Zum Glück trafen wir gelegentlich auf Bohrhaken, die den Weg Richtung Gipfel anzeigten.

Kaum zu glauben, dass mittlerweile ca. 70 Wege auf die verschiedenen Gipfel der Türme führen. Wirklich schwere Routen mit Sportkletter-Charakter sucht man hier allerdings vergebens. Das Gebiet ist mehr etwas für einen Ruhetag bzw. Alpinisten oder Abenteurer, und bietetet einen hohen Erlebniswert.

Lageplan Karatash

Die Routen von Karatash


Trotz der meist moderaten Schwierigkeiten sollte man die Türme nicht auf die leichte Schulter nehmen. Das Komglomerat-Gestein ist nicht immer ganz fest bzw. abgeklettert. Generell empfiehlt sich ein genaues Studium der Wand, da die Haken von unten teilweise nur schwer zu erkennen sind. Die Hakenabstände können schnell mal auf 10 bis 15 Meter kommen. Eine zusätzliche Absicherung mit mobilen Geräten ist nur bedingt möglich. Gesichert wird an Normal- und Bohrhaken unterschiedlicher Qualität sowie an Bäumen. Außerdem gilt hier wegen der Steinschlaggefahr strikte Helmpflicht. Die Wandhöhe von bis zu 150 Metern erfordert Alpine Ausrüstung und ein Doppelseil für das Abseilen.

Nach meinem Kenntnisstand ist derzeit kein Kletteführer bzw. Topo für das Gebiet verfügbar. Helmut Paul, der das Gebiet rund um die „Karatash“ im Jahr 1998 entdeckt und erschlossen hat, beischreibt allerdings einige der lohnendsten Wege auf folgender Internetseite: www.h-bardoux.de/kf_titel.htm

 

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