Klettern bei Presles

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August 2021, Urlaubsbeginn, in den Alpen gab es eine Schlechtwetterfront nach der anderen, wohin sollte es nun gehen? Wie schon so oft entschieden wir uns für den äußersten Westen, in der Hoffnung dem kletterfeindlichen Regen zu entfliehen. Die Schweizer Autobahnen führten uns nach Grenoble, danach ein Stück weiter südlich Richtung Vercors. Und siehe da: es dauerte nicht lange, bis sich die ersten Sonnenstrahlen bemerkbar machten. Den Navi auf „kürzeste Strecke“ eingestellt, gelangten wir durch ein abenteuerliches Labyrinth von Canyons und beängstigend engen Straßentunnels nach Choranche, dem kleinen Touristendorf unter den steil aufragenden Wänden von „Presles“ (französisch gesprochen: „Prell“). Die namensgebende Ortschaft selbst, befindet sich auf einer Hochebene weit überhalb der Felsbastion.

Schon vor vielen Jahren war ich mit dem Albert da, die vagen Erinnerungen wurden nun langsam wieder wach. Landschaftlich alles perfekt, der kleine Fluß „La Bourne“ schlängelt sich durch das enge Tal und wird von Laubwäldern umgeben. Darüber thront der kilometerlange Felsriegel von Presles, dessen Aumaße kaum zu überblicken sind. Aber für die Gegend ist das ja ganz normal, es gibt Felsmassive soweit das Auge reicht. Der Albert meinte damals: Pat, hier könntest du dich totbohren …

Auf dem Campingplatz von Choranche (hier können einige Sektoren gut eingesehen werden), blätterte ich beim Kaffee erwartungsvoll den Kletterführer durch: da gibt es Routen ohne Ende, über die Jahrzehnte wurden unzählige Linien erstbegangen, die einem engmaschigen Spinnennetz gleichen. Alles wunderbar, aber wo kommt man hier als Normalo hoch? Die Topos sind gespickt voller 6b- bis 7c-Seillängen, dazwischen ist immer wieder von A1 bis A4 die Rede. Wir waren gespannt …

Routenangebot

Im Kletterführer „Escalades á Presles“ sind aktuell ca. 340 Mehrseillängen-Touren und ca. 420 Sportkletter-Routen in 15 verschiedenen Sektoren aufgelistet. Die Wandhöhe beträgt bis zu 300 Meter bzw. 15 Seillängen. Im Laufe unseres einwöchigen Aufenthalts stellte sich dann heraus, dass es in diesem gigantischen Klettergebiet auch einige realistische Kletterziele in der Preisklasse 5c bis 6b gibt. „Rantasten“ ist alles. Das Angebot beinhaltet alte Klassiker bis hin zu gut eingerichteten Plaisirtouren. Darüberhinaus sind auch einige Techno-Touren mit künstlicher Kletterei vorhanden. Im Gesamten handelt es sich um ein etwas „abenteuerlich“ angehauchtes Klettergebiet. Und je länger man hier bleibt, desto mehr gibt es zu entdecken …

Absicherung

Die älteren Routen wurden teilweise sanft saniert und es muss nach wie vor mit Keilen und Friends dazugesichert werden. Es gibt aber auch einige neuere Linien, die komplett mit Bohrhaken eingerichtet sind.

Orientierung

Es empfiehlt sich ein längerer Aufenthalt von mindestens einer Woche, um einen Überblick in die Weitläufigkeit des Klettergebiets zu gewinnen. Dabei gibt es oft mehrere Möglichkeiten für den günstigsten Zu- und Abstieg in die jeweiligen Sektoren. Manche davon sind auch ein Stück weit mit dem Bike erreichbar. Nicht alle Einstiege sind namentlich versehen, was die Orientierung in der Vielzahl der Routen erschwert. Der Kletterführer ist überwiegend französischsprachig, wer dies lesen kann ist klar im Vorteil.

Choranche

Das kleine 120-Seelen-Dorf ist noch relativ ursprünglich. Obwohl die Campingplätze im Sommer oft randvoll sind, gibt nur es nur wenige Bars und bescheidene Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf. Restaurants und größere Lebensmittelgeschäfte gibt es bei „Pont-en-Royans“, nur wenige Kilometer von Choranche entfernt.

Unterkünfte

In Choranche gibt es mehrere Campingplätze, die sich an den Ufern des kleinen Flusses „La Bourne“ befinden. Auf einer Hochebene über den Felsen von Presles bietet sich die idyllisch gelegene „Auberge du Presles“ für Übernachtungen an (nachteilig ist, dass die Felswände bzw. Zustiege von dort aus nicht eingesehen werden können). Es gibt in der näheren Umgebung aber auch einige Pensionen bzw. Hotels, z. B. bei „Pont-en Royans“.

Alternativprogramm

In der Gegend gibt es viele Möglichkeiten, um Höhlen zu erkunden. Am schönsten und bekanntesten ist die „Grotte de Choranche“, in der zu jeder halben Stunde Führungen stattfinden. Aufgrund des großen Andrangs, ist es ratsam einen Termin zu reservieren. Weitere Infos siehe

www.visites-nature-vercors.com

Der kleine Fluß „La Bourne“ bietet sich für’s Canyoning an, auch hier finden regelmäßig Führungen statt. Direkt bei den Campingplätzen gibt es auch einen kleinen (furchtbar kalten) Badesee im Fluß. Im Nachbarort „Pont-en Royans“ kann ein Wasserfall mit seinen auslaufenden Cascaden besichtigt werden. Restaurants und Bars gibt es hier an jeder Ecke.

Lage

Das kleine Dorf Choranche befindet sich ca. 33 km südwestlich von Grenoble.

Kletteführer

Kletterführer „Escalades á Presles“ www.kletterfuehrer.net

Webinfo

www.bergzeit.de

www.minoru.de

Bildgallerie

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