Peißenberger Alpin-Klettergarten

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Man muss nicht immer alles an die große Glocke hängen. Es darf auch noch Felsen geben, die vom großen Rummel verschont bleiben, lautet die Devise der Erschließer des „Peißenberger Alpin-Klettergartens“. „Soll gut sein“, erfuhr ich aus der Szene, so war ein baldiger Besuch des relativ jungen Klettergebiets nicht mehr abzuwenden. Kurzentschlossen rief ich an einem geeigneten Wochenende Daniel an, der dort schon mehrfach unterwegs war und mir freundlicherweise die ungefähre Lage beschrieb.

Daniel aus dem World-Wide-Web scheint noch etwas jünger zu sein als ich. „Eine knappe Stunde, gleich hinter dem Sattel auf der linken Seite“. Ich folgte seiner Beschreibung und graste wie eine Gams die Wände entlang des Wanderwegs gründlich ab. Meine Ansehen als schweißgebadetes Alphatier geriet allerdings langsam ins Wanken, am Morgen versprach ich meiner Mannschaft noch optimistisch: „da finden wir schon hin“. Ein paar hundert Meter weiter und einige Minuten später löste sich das Rätsel schließlich auf, alles kein Problem, wenn man’s weiß …

Ein Hund ist er schon, Hans der Erschließer, wäre genau mein Ding gewesen. Das Massiv ist überschaubar, je nach Sektor bis zu 200 Meter hoch und birgt ein ordentliches Potential an Neutouren. Darüber befinden sich endlos lange Karst-Fluchten, in denen sich das Regen-Wasser sammelt und langsam abfließt. Beste Voraussetzungen für wasser-zerfressene Felsstrukturen, bereits aus der Ferne betrachtet erahnte ich die Rauigkeit dieses Gesteins. Die eingelagerten Graspolster stören dabei kaum und bieten sich vielmehr als bequeme Standplätze an.

Dank der guten Beschilderung am Wandfuß, waren die Einstiege schnell gefunden. Chrisi und Daniel stiegen in die 5-Seillängen-Tour  „Fei Schee“ (Schwierigkeitsgrad 4 – 5) ein. Bereits zu Beginn geht es sehr originell um eine Kante, anschließend folgt die Linie konsequent den kompaktesten Zonen dieses Wandbereichs. Wir hingegen gönnten uns die Base-Climbs „Aller Anfang ist schwer, Örtlich betäubt und Magnesia – nein Danke“ (Schwierigkeitsgrad +/- 6). Nomen est Omen. Vor allem die jeweils zweite Seillänge steilt sich senkrecht auf und bietet feinste Kletterei an messerscharfen Verkrustungen. Mit dem 60-Meter-Doppelseil waren wir schnell wieder am Wandfuß zurück und bereit für’s nächste Vergnügen …

Insgesamt befinden sich in diesem entlegenen Kleinod 13 Mehrseillängen-Touren mit bis zu 5 Seillängen im Schwierigkeitsgrad 3 bis 8. Der Durchschnitt liegt in den mittleren Graden. Die Absicherung mit Bohrhaken ist eine gelungene Komposition aus Klettergarten bis Alpin. So darf auch mal vom Haken weggeklettert werden, was die Sache oft spannend macht. Fliegen sollte man hier allerdings nicht, sonst braucht‘s aufgrund der Rauigkeit bis zum nächsten Wochenende eine neue Kletterhose. Der „Peißenberger Alpin-Klettergarten“ befindet sich in einem nordseitigen Kessel und bietet sich dadurch besonders für heiße Sommertage an. Allein der landschaftlich reizvolle Zustieg durch die Botanik ist schon ein Erlebnis. Wie man dahin kommt? Jetzt seid’s mal a bisser’l kreativ …

Webinfo

www.alpines-klettern.de

www.bergheimat.net

Topos

www.alpines-klettern.de

 

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4 Gedanken zu „Peißenberger Alpin-Klettergarten“

  1. hallo z’samm,
    „stundenlange Internetrecherchen“ und vieles mehr lag sicher nicht in meiner Absicht (auch wenn ein „Befragen verstockter Einheimischer“ in Kombination mit meiner lebhaften Vorstellungskraft mir ein leichtes Grinsen ins Gesicht prägt).

    Aber zur Frage, „wieso beschreibt der den Zustieg nicht?“. Neben dem „landschaftlich sensationell schönen Zustieg“ wie Frank unten schreibt, fällt mir die Ruhe auf, die dort herrscht und die ich als äußerst angenehm wahrnehme. „Gut – ein paar mehr könnten’s schon sein“. Wie es so schön heißt: „zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“. Zuallererst möchte ich sagen, daß ich über die Jahre schon von Vielen angeschrieben wurde, sei es über die Webseite oder die dort zu findende email. Und wirklich alle haben zeitnah eine Wegbeschreibung erhalten. „Geheimnis-Tuerei“ sehe ich daher nicht – wenn, dann ein „zumindest auf dem Silbertablett servieren wir das Gebiet nicht“ wie im zugehörigen Tourenbericht aus dem Jahr 2016 zu lesen ist.

    Denn – ich hoffe, das kann man dem erwähntem Artikel entnehmen – das Gebiet hat eine Agenda. Neben „schönem Zustieg“ in ein „ruhiges Gebiet“ mit „ordentlicher Absicherung“ sollte es vor allen Dingen eines leisten: das Heranführen von Novizen in Sachen Fels an alpines Klettern. Dieses ist z.B. auch der Grund für die teilweise fast übertrieben ausführlichen Tourenbeschreibungen. Aber so kann der Anfänger zuverlässig erkennen, daß er beispielsweise einen „Weg der Besserung“ wohl gehen kann, in einer „Paparazzi“ aber nichts verloren hat. Auch würde ich niemals schreiben, daß die Routen „Plaisircharakter“ haben, obwohl ich in meinem 40-sten Alpinkletterjahr klammheimlich genau das denke. Die Hakenqualität ist bestens, der Abstand i.d.R. aber sehenden Auges weiter gesetzt, als das, was heute gemeinhin unter „Plaisir“ verstanden wird: alpines Klettern (oder der Einstieg in eben das) ist das Ziel.

    Was ich unbedingt vermeiden möchte, ist ein folgenschwerer Unfall – zu dem in mancher „Flugverbotszone“ nicht einmal ein Riesensatz notwendig ist – obwohl auch letzteres in so mancher Route möglich ist. „Ich kenne meine Pappenheimer“: die Kombination „gar nicht sooo langer Zustieg“ & „guter, oft bester Fels“ & „nicht allzu schwer“ & „gut gesichert“ lockt neben Kletterern, die dort mit links unterwegs sind, auch eine Fraktion an, die mir wirklich Angst macht. Es gibt eine große Nachfrage nach leichten Routen mit plaisiriger Absicherung und ich respektiere das sehr. Im Alpinklettergarten wurde eben ein Spagat zwischen Plaisir und „richtig alpin“ versucht und ich fürchte jene Besucher, die unvermittelt feststellen, daß Mogeln nicht möglich ist.

    Ich weiß, ich kann es natürlich nicht wirklich unterbinden, und doch: ich bevorzugte die Sprechweise des „Silbertabletts“, dabei habe ich über die Jahre etliche „Geheimnis-Enträtsler“ angetroffen – „Mir-Angst-Macher“ waren nicht dabei, alle waren meilenweit entfernt von so etwas. Ein Umstand, der mich in Sachen „vorsichtig publizieren“ zumindest beruhigt. Und klar: „zwei Seelen…“

    Wenn das so nachvollziehbar ist?

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  2. Hallo Chris,
    ja, der PAK grenzt schon fast an Geheimnis–Tuerei. Eine vollständige Veröffentlichung wäre wohl kein Problem. Heutzutage gibt es doch so viele schöne Gebiete, wo sich das ganze Klettervolk verteilt …..

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  3. „Wir hatten jedoch größte Mühe, den Klettergarten zu finden – stundenlange Internetrecherchen, Befragen verstockter Einheimischer, tagelange Exploration vor Ort…“
    Ich verstehe hier die/den Erstbegeher ehrlich gesagt nicht. Da macht er sich zusätzlich zu der (natürlich sehr lobenswerten) Bohr- und Putzarbeit auch noch die Mühe und erstellt gleich eine ÖFFENTLICH zugängliche homepage mit detaillierten, qualitativ hochwertigen Topos/Wandbildern, die Panico und Co. vor Neid erblassen lassen würden, aber über den Zustieg schweigt er sich aus. Das macht für mich einfach überhaupt gar keinen Sinn!
    Entweder ich habe so ein Kleinod entdeckt und möchte es für mich allein (und einen ausgewählten bzw. überschaubaren Personenkreis) exklusiv nutzen –> dann verÖFFENTLICHe ich es logischerweise auch nicht und bitte auch die anderen um ein diskretes „Post-Verhalten“.
    Oder aber ich möchte die Kletter-Community daran teilhaben lassen und so Freude bereiten. Dann stelle ich logischerweise alle Informationen zur Verfügung, die dafür nötig sind (folglich auch den Zustieg). Persönlich kann ich übrigens beide Vorgehensweisen absolut nachvollziehen!
    Ich selbst war auch schon am PAK und bin dem Erstbegeher für seine Arbeit wirklich dankbar – diese Art der „Pseudo-Veröffentlichung“ ist im Jahr 2020 und der Art, wie Informationen heute im Netz geteilt werden, aber einfach nicht mehr zeitgemäß. Früher oder später teilt ohnehin einer die GPS-Koordinaten, wodurch das (vermutlich gewollte) „Zustiegs-Puzzle“, das man sich aus Blog-Bildern umständlich basteln muss, von heute auf morgen entfallen wird. Der Zeitpunkt und die daraufhin folgende Frequentierung liegen dann allerdings nicht mehr in der Hand des Erstbegehers.

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  4. Eine echte Option wenn man nicht ganz hoch hinaus will oder bei unsicherem Wetter. Tolle Klettereien, die bei unserem Besuch nach nächtlichem Regen abschnittsweise noch feucht waren. Irgendwie muss der wasserzerfressene Fels ja entstanden sein. Wegen des rauen, teils stacheligen Fels aber auch bei etwas Nässe gut begehbar. Ordentlich gesichert, großen Dank an die Einrichter, die dieses Kleinod gefunden und geschliffen haben. Mit dem landschaftlich sensationell schönen Zustieg absolut lohnend.
    Wir hatten jedoch größte Mühe, den Klettergarten zu finden – stundenlange Internetrecherchen, Befragen verstockter Einheimischer, tagelange Exploration vor Ort… – aber es hat sich gelohnt!

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