„Perrenoud“ am Chli Bielenhorn

„Perrenoud“ am Chli Bielenhorn

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Der relativ kurze Zustieg von ca. 1 Stunde und die 1a-Felsqualität machen die Südwand des Chli Bielenhorn zu einem begehrten Ziel der Alpinen Fels-Kletterer. In jüngerer Zeit sind hier einige neue Linien in der oberen Preis-Klasse entstanden, was vor allem die Alpinen Sportkletterer anzieht. Abgesehen vom oft begangenen „Schildkröten-Grat“ (4b) ist die „Perrenoud“ die leichteste Möglichkeit, sich an das Chli Bielenhorn ranzutasten.

Der klassisch Alpine Anstieg bietet in den unteren Längen typische Kamin- und Verschneidungskletterei. Nach der 4. Seillänge zieht der Schwierigkeitsgrad deutlich an und die Orientierung wird zunehmend anspruchsvoller. Hier hält man sich ein kurzes Stück nach links, um später wieder unübersichtlich aufzusteigen. Da sich in der Tour lediglich an den exponierten Stellen Bohrhaken befinden, wurde auf richtungsweisende Haken weitgehend verzichtet.

Herzstück und zugleich auch die originellste Passage, ist ein nach links führender Quergang unter einer Dachkante. Danach zieht die Route in spannender Linienführung wieder nach rechts in eine Verschneidung, die nach oben hin zunehmend einfacher wird. Am Ende der Hauptschwierigkeiten erreicht man letztendlich den schrofigen Gipfelaufbau. Hier kann in leichter Kletterei nach rechts auf den Normalweg hinausgequert oder nach links auf den Gipfel weiter gestiegen werden.

Auf knapp 3000 Metern Höhe lassen sich nun die nahmhaften Kletter-Berge der Region wie auf einer Perlenschnur abzählen: Furkahorn, Hannibal, Galenstock, Gross Bielenhorn, Dammazwillinge, Gletschorn, Graue Wand und wie sie alle heißen. Der Fussabstieg führt über teilweise blockiges Gelände und gestaltet sich gelegentlich etwas alpin, aber dennoch überschaubar und landschaftlich reizvoll.

Es lohnt sich, der nahegelegenen Sidelen Hütte einen Besuch abzustatten. Die fotogene Dreiecks-Form ist in den Alpen wohl einmalig. Dahinter ragt der markante Felsturm des „Kamels“ empor, an dem sich einst unzählige Kletterer für eine oft gesehene Mammut-Werbung positionierten. Am „Kamel“ gibt es übrigens auch eine kurze nette Klettertour, für die manch eine Seilschaft wegen des Bekanntheitsgrades der Gestalt weit anreist …

Fazit

Der landschaftlich schöne Zustieg über Moosteppiche entlang des Sidelen-Baches ist bereits ein Erlebnis. Nicht wenige bauen hier ihr Zelt auf, um die Natur unweit der Furkapass-Straße zu genießen. Die „Perrenoud“ ist trotz gelegentlicher Bohrhaken nicht übersichert, und man fühlt sich bei einer Begehung zuweilen in „Alte Zeiten“ zurückversetzt. Der schöne aussichtsreiche Gipfel des Chli Bielenhorns und anschließend reizvolle Abstieg zur Sidelen Hütte runden das Gesamt-Erlebnis schließlich ab …

Schwierigkeit

Die Tour besitzt einen Alpinen Anspruch und es ist mit zwingenden Kletterpassagen zu rechnen. Vielfach 5a bis 5c, gelegentlich 6a. 5c obligatorisch.

Absicherung

Die Route wurde „sanft saniert“. An den exponierten Stellen befinden sich gelegentlich Bohrhaken, dazwischen kann mit Keilen und Friends zusätzlich gesichert werden.

Material

Doppelseil, 10 Exen, Schlingen, Keile und Friends zur zusätzlichen Absicherung

Ausgangspunkt

Parkplatz „Sidelenbach“, wenige Kilometer östlich der Furkapass-Höhe.

Zustieg

Auf markiertem Steig Richtung Sidelen Hütte. Nach ca. 30 Minuten zweigt bei einem felsigen Hügel ein schwach ausgetretener Pfad nach rechts ab und führt über ein Geröllfeld hinauf zur Wand. Der Einstieg befindet sich bei einem kaminartigen Einschnitt. Vom Parkplatz ca. 1 Stunde.

Abstieg

Vom Gipfel auf markiertem Steig hinab Richtung Sidelen Hütte. Von hier kann nach links zum Parkplatz weiter abgestiegen werden. Ca. 1,5 Stunden.

Unterkunft

Siedelenhütte (2798 m). Siehe www.sidelen-huette.ch

Topos

Kletterführer Schweiz Plaisir Ost. Siehe www.filidor.ch

 

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