„Pille Palle“ an der Plattspitze

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Die Gatterlköpfe oberhalb von Ehrwald sind ein wahres Kletter-Juwel, eines meiner Lieblingsgebiete. Versteckt, vom Tal aus nicht einsehbar, bieten sich hier eine Reihe Sportkletter- und Mehrseillängen-Routen im wunderbaren Wetterstein-Kalk. 2017 wurden von Martin Schwiersch & Co. einige Baseclimbs saniert bzw. neu dazu erschlossen. Die Lage ist einmalig, sonnenbeschienene Wände, auf der gegenüberliegenden Talseite ragen die düsteren Nordwände der Mieminger Berge auf. Vor allem im Winter und bei Inversions-Wetterlage, sind die Felswände mit Skiern und Liftunterstützung bequem zu erreichen.

Im linken Wandbereich, unterhalb der Plattspitze, machte ich 1996 meine ersten Erschließungs-Erfahrungen. Am „Roten Masten“, einem Stützpunkt für Lawinensprengungen, richtete ich einen Klettergarten mit 17 Sportkletter-Routen mit bis zu 2 Seillängen ein. Was mich ausgerechnet hier, in dieser entlegenen Ecke auf 2000 Metern Höhe dazu veranlasste: der Fels ist bombenfest, wasserzerfressen, verschwenderisch rau, und das Ambiente macht süchtig …

Jahre später sanierte ich die Routen mit einer anderen Sichtweise: warum muß ein Haken angeklettert werden? Wozu dienen Runouts? Der Spaß und die Sicherheit hatten für mich nun Vorrang. Dazu bot sich die Möglichkeit einer neuen Mehrseillängen-Tour. Etwa in Wandmitte steilt sich ein markanter Pfeiler auf, der im schrofigen Gelände endet. Die relativ geringe Wandhöhe von 150 Metern und moderate Schwierigkeiten bis zum oberen 5. Grad waren eine leichte Beute, eben „Pille Palle“.

Die Kletterroute beginnt mit einer tollen Verschneidungslinie, die auf einen Absatz führt. Eine herabziehende Rinne wird nach links überschritten und man gelangt zum eigentlichen Pfeiler, der in schöner homogener Kletterei bestiegen wird. Am Ausstieg bietet sich schließlich ein eindrucksvoller Blick in die benachbarte 800 Meter hohe Wetterwand (für die Insider: von hier aus kann der obere Teil der „Therapie“ gut eingesehen werden). Wenige Meter absteigend gelangt man zur Abseilpiste und ist schnell wieder zurück am Einstieg. Keine Angst, der Klettertag ist noch nicht zu Ende: die restliche Zeit kann an den Baseclimbs verbraten werden …

Schwierigkeit

Pille Palle maximal 5+
17 Sportkletter-Routen im Bereich 6 bis 7

Absicherung

Perfekt mit Bohrhaken

Material

Doppelseil, 12 Exen, Abseilausrüstung

Talort

Ehrwald (Tirol)

Zustieg

Grundsätzlich empfiehlt sich die Mitnahme eines Bikes, man erspart sich den langen Abstieg und ist von der Ehrwalder-Alm-Bahn unabhängig. Man fährt von der Talstation über eine schmale Teerstraße hoch zur Ehrwalder Alm (Tiroler Haus), oder nimmt das Bike mit in die Bahn. Über einen Schotterweg (immer links haltend) gelangt man zur Hochfeldern Alm. Wenige Meter davor hält man sich wieder links und gelangt zur Bergstation Issentalkopf (Sessellift, Bikedepot). Der nun folgende Latschenhang wird links umgangen und über einen Grat erreicht man den Roten Lawinen-Spreng-Masten. Wenige Meter absteigend befindet sich der Einstieg. Der Name ist angeschrieben. Vom Tal ca. 1,5 bis 2 Stunden.

Abstieg

Vom Ausstieg wenige Meter nach rechts absteigen und dreimal über die Piste abseilen

Übernachtung

Auf der Hochfeldern-Alm. Sehr schönes Ambiente. Von hier aus können weitere Ziele an den Gatterlköpfen und an der Plattspitze (Aquaria) angegangen werden.

Topos

Kletterführer Wetterstein Süd & Mieminger Berge. Panico Verlag
www.bergprofi.com
www.climbers-paradise.com

 

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