Pizzo del Prévat Nordostkante

Pizzo del Prévat Nordostkante

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Stünde der Pizzo del Prévat nicht in Känel’s Plaisir-Süd, so würden die meisten Nordalpen-Kletterer auf dem zielstrebigen Weg ins Tessin ahnungslos daran vorbeifahren – es sei denn, man hat den Tessin-Führer im Bücherschrank stehen. Das „Matterhorn der Laventina“, wie es bei den Tessinern auch genannt wird, befindet sich in einer landschaftlichen einmaligen Umgebung. Die weitläufigen, meist einsamen Tessiner Hochtäler, sind vor allem auch für die Wanderer ein lohnendes Naturerlebnis.

Man fährt zunächst von der kleinen Ortschaft Rodi mit der Seilbahn zum Lago Tremorgio hoch, um den Verkehrslärm der Gotthard-Autobahn möglichst schnell hinter sich zu lassen. Ein Fußweg führt an einer rustikalen Almhütte vorbei und wenig später gelangt man auf eine Hochebene, die schon fast an nordische Länder erinnert: flächendeckende ebene Wiesenteppiche, dazwischen Bäche mit glasklarem Wasser und seltenen Blumen, die hier nur eine kurze Saison erleben. Dahinter ragt der Pizzo del Prévat mit seiner eindrucksvollen Nordostkante auf. Aus der Ferne betrachtet: kaum zu glauben, dass es hier moderate Möglichkeiten gibt, diesen steilen Berg zu besteigen. Je näher man sich dem Massiv nähert, desto mehr relativiert sich die Steilheit und es werden kletterbare Strukturen sichtbar.

Bereits nach den ersten Klettermetern entpuppt sich die Route als schönes Plaisir-Erlebnis im griffigen Gneis. Nach der plattigen Einstiegslänge gelangt man auf die Gratkante und steigt an ihr mehrere Seillängen in luftiger Kletterei empor. Etwa in Kante-Mitte trifft man auf die originellste Stelle der Tour: Man klettert ein Stück ab, überquert einen Spalt,  und erreicht in ausgesetzter Kletterei die linke Seite des Grates. Die nun folgenden Seillängen führen über eine steile Wand an griffigen Schuppen und Henkeln wieder zurück zur Kante und nach einigen Metern erreicht man schließlich den Gipfel. Der Abstieg über den Normalweg gestaltet sich ebenso nochmal abwechslungsreich: Über den Südgrat gelangt man in ausgesetzter Kletterei (2 – 3) in eine Scharte hinab; dabei kann an mehreren Steilstufen abgeseilt werden.

Obwohl die Nordostkante gut an einem Tag vom Tal aus gemacht werden kann, bietet sich die Übernachtung auf der nahegelegenen Capanna Leit (2257 m) an. Das Ambiente auf dieser schön gelegenen Hütte ist einmalig, zudem ist man am nächsten Morgen schneller am Einstieg, um dem allgemeinen Wochenendstau zu entgehen. Fazit: Für den ambitionierten 5er-Kletter gehört die Nordostkante des Pizzo del Prévat zur absoluten Pflichttour und wer sonst schwerer klettert, wird sich ebenso daran erfreuen …

Schwierigkeit

Max. 5c (5a obligatorisch). Meist 4a bis 5a.

Absicherung

Die Route ist saniert und gut mit Bohrhaken gesichert. Mit Friends kann zusätzlich optimiert werden.

Material

Doppelseil, 10 Exen, Schlingen, Friends, Abseilausrüstung

Talort

Rodi, Ausfahrt Quinto der Gotthard-Autobahn.

Zustieg

Um schnell an Höhe zu gewinnen, fährt man mit der Seilbahn zum Lago Tremorgio hoch. Ein Wanderweg führt zum Passo Campolungo. Von hier leitet ein Pfad nach links die Nordostwand querend zum Einstieg links der Kante. Von der Bergstation ca. 2 Stunden.

Abstieg

Vom Gipfel über den Normalweg nach links in eine Scharte hinab (Kletterei im 2. bis 3. Schwiergkeitsgrad bzw. gelegentliches Abseilen). Von der Scharte nach links über einen Pfad absteigend und über ein wegloses Geröllfeld zum Wanderweg, der zur Capanna Leit führt. Von hier zurück zum Ausgangspunkt bzw. zur Hütte. (Ca. 1 Stunde).

Übernachtung

Auf dem Parkplatz der Talstation kann gut biwakiert bzw. im Auto geschlafen werden. Empfehlenswert ist die Übernachtung auf der Capanna Leit. Ca. 2 Stunden von der Seilbahn-Bergstation.

Topo

Schweiz Plaisir Süd, Filidor-Verlag

 

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