Der Rothorngrat am Zinalrothorn

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Zermatt, Nobelort der Gegensätze, das einstige Bergdorf hat seine Berühmtheit und den Reichtum dem schönsten Berg der Alpen zu verdanken. Neben den obligatorischen 4000er-Sammlern sind viele Touristen vom Bergsteigen soweit entfernt, wie beispielsweise München von Peking. Hier werden die Reichen und mehr oder weniger Schönen mit dem Pferdegespann vom Bahnhof ins Nobelhotel kutschiert, am Vorplatz mit Sekt empfangen, während der Pianist die Ballade pour Adeline abspielt. Die ehemalige Abba-Sängerin Anni-Frid Lyngstad hat sich in Zermatt niedergelassen, um sich bei der Morgengymnastik vom Matterhorn inspirieren zu lassen. Ich bin mir da jedoch nicht ganz sicher, ob sich alle Gäste im Klaren sind, mit welchem Berg sie es hier zu tun haben. Immerhin gibt es jede Menge Bahnen, um den weißen Gletscher-Gestalten in kurzer Zeit etwas näher zu rücken …

Der Anstieg auf die Rothorn-Hütte (3198 m) dauert da etwas länger, genauer gesagt ca. 5 Stunden, schweißtreibend, dafür landschaftlich reizvoll. Auf etwa halber Strecke gelangt man zum Hotel du Trift, einer möglichen Zwischenstation mit Übernachtungsmöglichkeit und berühmten Apfelstrudel samt Eistee, den man sich besser auf dem Rückweg gönnt. Das begehrteste und zugleich fotogenste Ziel in dieser Ecke ist das Zinalrothorn, einem der wenigen Fels-Viertausender, der meist über den Normalweg bestiegen wird. Ambitionierte Felskletterer entscheiden sich oft für den bekannten Rothorngrat (Südwestgrat), der nach ca. vierfünftel Kletterstrecke an der sogenannten „Gabel“ auf den Normalweg trifft und in weiteren 150 Höhenmetern auf den Gipfel führt.

Der Rothorngrat ist zwar nicht sehr schwierig, jedoch incl. Zustieg sehr lang und sollte deshalb zeitlich nicht unterschätzt werden. Ein Bergführer riet: Man muss sich hier auskennen, um erfolgreich zu sein. Bei Zeitmangel besteht immerhin die Möglichkeit, an der Gabel ohne Gipfelerfolg über den Normalweg abzusteigen. Aber wer will das schon … deshalb rate ich, sämtliche Register zu ziehen:

> Eine längere und warme Schönwetterperiode garantiert, dass der Grat schneefrei ist
> Nur bei sicherem Wetter und warmen Temperaturen einsteigen
> Eine Zweierseilschaft sorgt für zügiges Klettern im Überschlag bzw. laufenden Seil
> Der Einstieg am sogenannten „Wasserloch“ sollte am Vortag bereits erkundet werden
> Früher Start vor der allgemeinen Weckzeit auf der Hütte (4 Uhr) mit der Stirnlampe
> Eine Begehung mit Kletterschuhen erlaubt effektiveres Klettern
> Die Monate Juli und August garantieren ausreichendes Tageslicht bzw. Schneefreiheit
> Eine gute Akklimatisation sorgt für zügiges Klettern

Rothorn-Hütte – Wasserloch

Von der Hütte nach rechts über Geröll zum Gletscher. Anstieg diagonal nach rechts bis zu einem markanten sandigen Couloir (Wasserloch), das in leichter Kletterei (3) ca. 30 Meter erklommen wird. Im Dunkeln nicht leicht zu finden, deshalb am Vortag besser erkunden. Von der Hütte ca. 45 Minuten.

Wasserloch – Normalweg

Vom Ende des Couloirs linkshaltend bis zu einem markanten Felsrücken. Hier nach rechts empor bis ein großes Schneefeld erreicht wird. Diagonale Querung nach links und anschließend über den Gletscher nach rechts Richtung Zinalrothhorn. Auf den Schutthalden bedinden sich immer wieder Steinmänner.

Normalweg – Abstieg zum Triftgletscher

Noch bevor der Gletscher abflacht, diagonal linkshaltend hinab zum Triftgletscher. Der Übergang ist je nach Schneelage ausgeapert und man trifft auf kurze Felspassagen, über die man bis zu einer Randspalte abklettert.

Triftgletscher – Rothornjoch

Man überquert den Triftgletscher Richtung Rothorngrat und hält sich nach links bis zu einem Couloir, das mehr oder weniger schneefrei in kombinierter Kletterei (2 – 3) hinauf zum Rothornjoch führt.

Rothornjoch – Gabel

Auf dem Rothorngrat meist auf der Gratkante entlang bis zur Gabel, einer markanten Scharte vor dem Gipfelaufbau. Die Gratkante kann je nach Schneelage und Temperatur gelegentlich links etwas leichter umgangen werden. An der Gabel trifft man auf den Normalweg (Abstiegsmöglichkeit bei Zeitmangel).

Gabel – Gipfel

Von der Gabel weiter über den Grat, bis man auf die markante „Binerplatte“ trifft. Danach über eine ausgesetzte Rippe und dem flacheren Grat weiter bis zum Gipfel.

Abstieg

Teils absteigend bzw. abseilend. Von der Gabel leitet nach links ein brüchiges Couloir hinab, über das mehrmals abgeseilt wird. Am Ende des Couloirs linkshaltend auf den markanten Felsvorbau, und über eine kurze Abseilstelle hinab zum Gletscher. Über den Firngrat zurück zum Ausgangspunkt. Am Wasserloch kann nochmal abgeseilt werden.

Schwierigkeit

Auf den Gletscherpassagen bis zu 40 Grad steil. Auf dem Rothorngrat reine Felskletterei im 3. bis 5. Schwierigkeitsgrad. Konsequent auf dem Grat geklettert 2 Stellen 6 -, am Gipfelaufbau 3 bis 4.

Absicherung

Der Rothorngrat muss komplett selbst abgesichert werden. Wenige Haken sind vorhanden, am Normalweg etwas mehr.

Material

Gletscherausrüstung, Doppelseil, 8 Exen, Schlingen, Keile und Friends, Abseilausrüstung

Zeitbedarf

Rothorn Hütte – Rothornjoch ca. 3 bis 4 Stunden
Rothornjoch – Gipfel ca. 5 bis 7 Stunden
Abstieg ca. 4 Stunden

Talort

Zermatt in den Walliser Alpen. Zermatt ist autofrei, die Parkplätze befinden sich in Täsch, ca. 6 km vor Zermatt. Von Täsch verkehren regelmäßig Züge.

Hüttenaufstieg

Etwa in Ortsmitte von Zermatt zweigt durch eine enge Gasse nach rechts ein beschilderter Weg zur Rothorn Hütte ab. Ca. 5 Stunden von Zermatt.

Übernachtung im Tal

Neben den vielen Hotels, Pensionen und Ferienwohungen empfiehlt sich die Übernachtung auf dem Campingplatz „Attermänze“, 1 km vor Täsch (ca. 30 Franken für 2 Personen mit Wohnmobil bzw. Zelt). Von hier aus verkehrt regelmäßig ein Shuttle-Bus nach Zermatt und zurück (7 Franken, billiger als die Bahn von Täsch aus)

 

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