Der Stüdlgrat am Großglockner

Der Stüdlgrat am Großglockner

Obwohl der höchste Berg Österreichs mit 3789 Metern im Sommer von allen Seiten her maßlos überlaufen ist, muss man ihn einmal gemacht haben. Trotz der Menge an Bergsteigern wurden wir nicht enttäuscht: der Stüdlgrat ist richtig schön und zusammen mit dem alpinen Abstieg über den Normalweg zur Erzherzog-Johann-Hütte sowie zurück zur Stüdlhütte ergibt sich eine landschaftlich eindrucksvolle Rundtour. Er zählt nicht umsonst zu den meistbegangenen und begehrtesten Gratanstiegen der Ostalpen. An den Engstellen braucht man allerdings viel Geduld, um seine Nerven zu schonen: unzählige Bergführer mit ihren Gästen und mehr oder weniger erfahrene Kletterer internationaler Herkunft sind hier zugange. Fast täglich fliegt der Heli, um die ein oder andere überforderte Seilschaft zu retten …

Die Kletterei ist nicht besonders schwer, aber gelegentlich richtig ausgesetzt. Der aussichtsreiche Gipfel ist eine Show und nicht zu vergessen die Erzherzog-Johann-Hütte: Die höchstgelegene Schutzhütte Österreichs auf 3467 m Höhe gleicht einem Adlerhorst und ist was das Ambiente betrifft, kaum zu übertreffen. Im Gesamten eine sehr lohnende Unternehmung …

Ausgangspunkt

Von Süden über Kals entlang einer gebührenpflichtigen Teerstraße hinauf zur Luckner Hütte (2241m). Hier befindet sich ein großer Parkplatz, um den Massen an Touristen und Bergsteigern gerecht zu werden.

Aufstieg zur Stüdlhütte

Über einen landschaftlich schönen Wanderweg erreicht man die Stüdlhütte auf 2801 m Seehöhe. Die Unterkunft ist richtig schön gelegen und wird von der Münchener Sektion Oberland bewirtschaftet. Trotz der täglichen Belagerung von Bergsteigern und Wanderern wird die Hütte freundlich und vorbildlich bewirtschaftet. Hervorzuheben sind die Malzeiten von einem üppigen Büffet mit köstlichen Zutaten. Von der Luckner Hütte ca. 2 Stunden Austieg.

Zustieg zum Stüdlgrat

In Hütten-Nähe befindet sich eine Info-Tafel mit der Wegbeschreibung zum Stüdlgrat. Sie gibt ebenso Auskunft über Zeitangaben und Alpine Gefahren bzw. Selbsteinschätzung. Ab 5 Uhr gibt es Frühstück, eine halbe Stunde später startet die Masse. Es ist sicher vorteilhaft etwas später loszugehen, um dem Stau am Stüdlgrat zu entgehen. Man steigt etwas linkshaltend über einen steilen Rücken hinauf auf und erreicht über Pfade mit Steinmännern den „Teilschnitzkees“. Hier folgt man dem flachen Ferner bis zur „Luisenscharte“ mit Tafel. Etwas links davon befindet sich der Einstieg des Stüdlgrates bei einer blockigen bzw. sandigen Wand. Obwohl sich auf dem Ferner Spalten befinden, wirkt er doch relativ harmlos. Trotzdem gehen hier viele Bergsteiger bereits mit Seilsicherung zum Einstieg hinauf. Von der Stüdlhütte ca. 1,5 Stunden.

Stüdlgrat

Im unteren Teil verläuft die Tour meist links der Gratkante. Nach ca. 1,5 Stunden trifft man auf den beschilderten „Frühstücksplatz“ (3550 m). Hier wird in der Regel angeseilt, da die Schwierigkeiten nun deutlich zunehmen. Über glattpolierte Verschneidungen mit Tendenz zum Nadelöhr bzw. Staubildung trifft man auf die Gratkante. Über lange Strecken klettert man nun auf der exponierten Gratkante oder rechts davon. Dabei stellt sich u. a. eine markante Platte in den Weg, die wieder in leichteres Gelände führt. Nach oben hin tendiert der Weg wieder links des Grates. Über leichte Block-Kletterei erreicht man schließlich den aussichtsreichen Gipfel auf 3789 Meter Seehöhe. Vom Einstieg ca. 4 bis 5 Stunden.

Abstieg zur Erzherzog-Johann-Hütte

Man steigt über den Normalweg ab, dabei sind oft abschüssige, riss-durchzogene Platten abzuklettern. Über weite Strecken befinden sich Drahtseile oder Eisenstangen am Grat, die sich für’s Abseilen anbieten. Es ist oft mit Gegenverkehr zu rechnen, verursacht durch die Normalweg-Begeher. Nach der ersten Scharte muss wieder ca. 50 Meter aufgesteigen werden. Bei der zweiten Scharte führt der Weg nach links durch eine sandige Rinne hinab. Je nach Verhältnissen ist dies der heikelste Teil des Abstiegs. Es besteht jedoch immer wieder die Möglichkeit, abzuseilen. Schließlich gelangt man auf einen steilen Ferner (Steigeisen bei Vereisung vorteilhaft), der nach rechts zur Erzherzog-Johann-Hütte (3467 m) hinabführt. Die Unterkunft liegt wie ein Adlerhorst eindrucksvoll auf einem Absatz. Vom Gipfel ca. 2 bis 3 Stunden.

Rückweg zur Stüdlhütte

Von der Erzherzog-Johann-Hütte steigt man über einen leichten Klettersteig zum Ködnitzkees-Ferner hinab. Über den Alten Kalserweg erreicht man später rechtshaltend wieder die Stüdlhütte. Es handelt sich dabei um einen landschaftlich sehr schönen Abstieg entlang eines Gletschersees. Von der Erzherzog-Johann-Hütte ca. 2,5 Stunden.

Schwierigkeit

Zustieg: Einfache Gletscherwanderung

Stüdlgrat: Überwiegend Schwierigkeitsgrad 2 bis 3. Gelegentliche Felspassagen bis zum 4. Grad.

Abstieg: Über weite Strecken Passagen im 3. Schwierigkeitsgrad. Sonst leichter, jedoch alpin.

Anspruch

Die Schwierigkeiten hängen sehr von den Bedingungen (Schnee bzw. Vereisung) ab. Bei aperen Verhältnissen ist der Stüdlgrat eine meist genussvolle und abwechslungsreiche Gratkletterei. Im mittleren Bereich sind einige Passagen sehr exponiert und verlangen Seilsicherung. Es kann aber auch über weite Strecken seilfrei gegangen werden. Aufgrund des Bekannheitsgrades wird die Tour von manchen Seilschaften unterschätzt und sind dadurch überfordert. Die Kletterei ist insgesamt nicht schwer, verlangt aber Trittsicherheit im gelegentlich heiklen bzw. exponierten Gelände. Ebenso sollte die Länge und Höhe der Tour nicht unterschätzt werden. Nicht umsonst befinden sich bei der Stüdlhütte Info-Tafeln, die auf die Gefahren und Zeiteinschätzung hinweisen.

Absicherung

Stüdlgrat: Generell sind in den schwierigen Passagen immer ausreichend Haken vorhanden.

Abstieg: Auf dem Normalweg befinden sich viele Eisenstangen bzw. Stahlseile zur Sicherung.

Material

50-Meter-Einfachseil, 6 Exen, Schlingen, evtl. Abseilausrüstung, Steigeisen, evtl. Pickel

Zeitbedarf

Zustieg von der Stüdlhütte: ca. 1,5 Stunden

Stüdlgrat: ca. 4 bis 5 Stunden

Abstieg zur Erzherzog-Johann-Hütte: ca. 2 bis 3 Stunden

Abstieg zur Stüdlhütte: ca. 2,5 Stunden

Insgesamt: ca. 8 bis 10 Stunden

Unterkünfte

Stüdlhütte www.alpenverein-muenchen-oberland.de

Luckner Hütte www.lucknerhuette.at

Erzherzog-Johann-Hütte www.erzherzog-johann-huette.at

Literatur

www.rother.de

Webinfo

www.bergsteigen.com

www.alpenvereinaktiv.com

www.alpin.de

www.verticalextreme.de

Bildgallerie

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