„Therapie-Baseclimb“ an der Wetterwand bei Ehrwald

„Therapie-Baseclimb“ an der Wetterwand bei Ehrwald

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Die Wetterwand ist eine riesige Wandflucht bei Ehrwald. Über 800 Meter ragen die westlichen Ausläufer der Zugspitze dolomitenartig empor. Bevor ich in dieser Gegend den Bohrer ansetze, war hier nur die Wetterkante häufig begangen. Die Wand besteht aus vielen, aufeinander gereihten Pfeilern, immer wieder durch Schluchten und Bändern unterbrochen, die bei Regen riesige Wasserfälle bilden. 2007 hatte ich mir vorgenommen, dort einen Baseclimb einzurichten; durch die ganze Wand – das schien mir zu utopisch. Bei einem Baseclimb in dieser riesigen Wand kommen ohnehin schon mal 10 Seillängen zusammen …

Die ersten zwei Seillängen waren mit Jörg schnell erledigt, aber wer lässt sich schon gern auf so ein mühsames Projekt langfristig ein? Glücklicherweise lernte ich zu der Zeit Marcus Noichl kennen, einer der Wilden Hunde aus der Allgäuer Kletterszene. Der war gleich hochmotiviert und wir nisteten uns auf der Ehrwalder Alm ein. Wir erzählten von unserem Vorhaben und der Wirt meinte: „Do isch no koana aue …“ Abends war er wieder im Tal und hinterlegte für uns jeweils eine Wurstplatte für’s Abendessen. Leider war Marcus Vegetarier, so bekam er das Brot und ich die Wurst, bei der Menge davon wurde mir fast schon schlecht.

Aber wir kamen dennoch gut voran. Unterstützt von mehreren Helfern für den Materialtransport bohrten wir uns bis zu einem großen Band empor, die ersten 10 Seillängen waren geschafft. In einer Fixseilkette hängend richtete ich die Linie sportklettermäßig ein, alles im 6. – 8. Grad. Für mich war dies jedoch das Ende des Projektes. In dieser Zeit lernte ich eine neue Flamme kennen und hatte fortan andere Prioritäten … Marcus machte allerdings die nächsten zwei Jahre weiter und kam nach 36 Seillängen am Gipfelgrat an. Eine grandiose Leistung mit riskanten Stürzen, Klettern im Föhnsturm und waghalsigen Nachtaktionen. Weitere Anekdoten über die Erstbegehung gibt’s in Adi Stockers Buch der „Longlines“.

Jetzt brauchten wir nur noch einen Namen für den Baseclimb. Der Zustieg führt über ein ca. 500 m langes Geröllfeld, das wir schätzungsweise zehnmal auf- und abstiegen. Einen Schritt voraus, zwei zurück. Mit Bohrhaken, Seilen und Akkus im Gepäck schwitzt man hier mehrere T-Shirts nass, ist dafür aber seine Sorgen los. Eine echte „Therapie“ – der Routename war geboren …

Charakter Der Baseclimb führt durchwegs durch steilen, kompakten Wettersteinkalk. Es handelt sich dabei um eine typisch alpine Sportklettertour, die keine Wünsche offen lässt. Überhänge, Quergänge, Verschneidungen, Platten. Die Route ist geschickt durch die schwachen bzw. leichteren Zonen des Pfeilers gelegt.
Schwierigkeit häufig +/- 6. Gelegentlich 7, Schlüsselstelle 8. 6+ obligatorisch.
Absicherung Perfekt mit Bohrhaken eingerichtet. Keile und Friends sind nicht einsetzbar
Material 60-Meter-Doppelseil, 12 Exen, Abseilausrüstung
Talort Ehrwald bei der Zugspitze
Zugang (Bild) Mit der Ehrwalder Bahn zur Ehrwalder Alm. Der Schotterweg Richtung Coburger Hütte usw. wird nach ca. 200 m nach links verlassen. Nun geht es über eine steile Wiese gerade hoch zu einem Beton-Bunker. Hier flacher nach links zu einem Wäldchen und durch dieses hinauf zu einem Latschengürtel, der an seiner schwächsten Stelle zum großen Geröllfeld führt. Kapitel 1 der Therapie: Nun geht es das Schuttkar mühsam geradeaus und empor bis zum Wandfuß, einen Vorbau rechts oder links umgehend. Von der Ehrwalder Alm ca. 1,5 Stunden.
Einstieg Der Einstieg befindet sich ca. 5 m rechts eines angelehnten Blocks bei einem steilen Wändchen.
Abstieg Abseilen über die Route
Tipp Es empfiehlt sich, mit dem Bike zur Ehrwalder Bahn zu fahren bzw. das Rad mit in die Bahn zu nehmen. Depot auf der Ehrwalder Alm. Ohne Zeitdruck Klettern und dann anschließend mit dem Bike zurück ins Tal.
Topo Ab Frühjahr 2016 erscheint der neue Panico-Führer „Wetterstein-Süd“ mit den aktuellsten Kletterrouten rund um Ehrwald
 

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