„Via Krege“ am Schartschrofen

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Kaum zu glauben, dass an diesem relativ entlegenen Berg doch soviel Betrieb herrscht. Die Bergbahn zum Füssener Jöchle macht’s möglich: in einer Dreiviertelstunde erreicht man mit nur wenigen Anstiegen den schmalen Gipfel, der im Schatten der mächtigen Gimpel-Westwand liegt. Zum einen sind es die Wanderer, doch vielmehr versammeln sich hier die vielen Aspiranten des Friedberger Klettersteigs, der auf die nahegelegene Rote Flüh hinüberführt. Was die Aussicht betrifft, ist der Gipfel ein Juwel mit Blick auf den tiefgelegenen Haldensee und die steil abfallenden Tannheimer Nordwände.

Was das Klettern betrifft, lag der Berg lange im Dornröschenschlaf. Zwar gibt es von den Gebrüdern Haff aus Pfronten eine alte Ostwand-Route im 3. Schwierigkeitsgrad aus dem Jahr 1906, weitere Details und Wiederholungen wurden jedoch kaum bekannt. Bei einer Klettertour am gegenüberliegenden Gimpel bekam ich zufällig einen guten Einblick in diese relativ versteckte Ostwand am Schartschrofen. Der erste Eindruck: da gibt’s wohl einiges an „Schutt und Asche“, aber steil genug zum Klettern ist sie schon, diese Wand. Irgendwie müssen die Höhenmeter ja zustande kommen. Zuhause vergrößerte ich das Wandbild und entdeckte dabei auch einige plattige Passagen, die mir klettertauglich erschienen. Bei einer Erkundungstour stand ich schließlich am Wandfuß bei einem steilen Aufschwung und dachte mir: sieht gut aus, ein Versuch ist es wert …

Der Plan war somit nicht mehr aufzuhalten und ich legte mit Chris Runzer eine Fixseilkette durch die Wand. Dabei begegneten uns „Licht und Schatten“: unten eine gute Einstiegslänge, danach legt sich die Wand kurz zurück und ist mit schrofigen Zonen behaftet. Bald darauf wird das Gelände wieder steiler und geht in den mittleren plattigen Bereich mit schöner Kletterei über. Im oberen Wandrittel ist dann steile Wandkletterei angesagt, die auf den Friedberger Klettersteig trifft.

Die zweite Etappe: ich stieg mit Daniel Steinmeier an den Fixseilen hoch und setzte die Haken in die kompaktesten Felsbereiche. Daniel zog gleichzeitig die Seile hoch und leistete viel Putzarbeit, sodass es nicht selten nach „Pech und Schwefel“ roch. Für mich hingegen, war es eine aufwändige Tüftelei, den besten Weg durch die von Schrofen umgebenen Platten zu finden. Man steht da oft auf kleinen Leisten und krallt sich gleichzeitig an kleinen Schlitzen ein. Weiter oben sind es dann meist abstehende Zacken, die den nötigen Halt gewähren. Die Tour sollte möglichst homogen und die Standplätze bequem bzw. steinschlaggeschützt sein. In der Headwall richteten wir neben einer Verschneidung zusätzlich eine etwas schwerere Platten-Variante ein, die den 6. Grad überschreitet.

Was ist nun dabei herausgekommen? Diesesmal wagte ich mich auf den Weg durch eine alpin angehauchte Wand, in der nicht alles fest ist, was man in den Händen hält. Die Tour bietet viele schöne, kompakte und spannende Klettermeter, aber gelegentlich müssen die Griffe und Tritte vorsichtig belastet werden, um nachfolgende Seilschaften nicht zu gefährden. Wer den typischen Tannheimer Fels kennt, weiß was ich meine. Aber so sieht es (fast) immer in der Anfangszeit aus. Und wer weiß, vielleicht sieht die Welt in ein paar Jahren nach einigen Begehungen in der Tour ganz anders aus …

Richtig schön hingegen, ist das Ambiente in einer der unberührtesten Wände der Tannheimer Berge. Vormittags scheint die Sonne angenehm hinein und man befindet sich hier fernab des Mainstreams mit ständigem Blick auf die klassischen Tannheimer Nordwände. Doch spätetestens oben am Friedberger Klettersteig holt einen die Zivilastion schlagartig wieder ein …

1. Seillänge:

Anfangs über die steile kompakte Wand, danach flacher geradeaus weiter bis zu einer Steilstufe. Der erste Stand befindet sich auf deren rechten Seite. Ca. 45 m, Schwierigkeitsgrad 6-.

2. Seillänge:

Vom Stand diagonal nach links über die teils labile Wandstufe ansteigend. Danach flacher geradeaus empor zum Stand auf einem kleinen Absatz. Ca. 15 Meter, Schwierigkeitsgrad 6.

3. Seillänge:

Über Schrofen zuerst leicht rechtshaltend, anschließend über Platten geradeaus weiter bis zum Stand auf einer schrägen Platte. Um den Seilzug zu verringern, empfiehlt es sich diverse Fixpunkte mit Schlingen zu verlängern. Ca. 40 Meter, Schwierigkeitsgrad 3 bis 5-.

4. Seillänge:

Zunächst über plattige Steilstufen geradeaus weiter. Nach einem kurzen Pfeiler nach links in die kompakte Plattenzone. Um den Seilzug zu verringern, empfiehlt es sich wieder diverse Fixpunkte mit Schlingen zu verlängern. Ca. 40 Meter, Schwierigkeitsgrad 6.

5. Seillänge:

Kurzer Plattiger Quergang nach rechts ansteigend. Ca. 10 Meter, Schwierigkeitsgrad 6.

6. Seillänge:

Über die kompakte Plattenzone geradeaus weiter, danach über eine schmale Rampe diagonal linkshaltend zum Stand auf auf einem Podest. Ca. 30 Meter, Schwierigkeitsgrad 6.

7. Seillänge:

Nach links in die steile Wand, danach über eine kurze erdige Flanke linkshaltend zum Stand auf einem schrofigen Band. Wandbuch. Ca. 15 Meter, Schwierigkeitsgrad 6-.

8. Seillänge:

Über die steile Wand geradeaus empor. Nach ca. 15 Meter gibt es zwei kurze Varianten: links 6- in einer Verschneidung, rechts 6+ auf einer Platte mit kleinen Leisten. Danach geht etwas flacher weiter bis zum Friedberger Klettersteig hinauf. Stand am Drahtseil. Ca. 25 Meter, Schwierigkeitsgrad 6 obligatorisch.

Friedberger Klettersteig:

Vom Ausstieg der Route über den Klettersteig nach rechts auf den Gipfel. Ca. 20 Meter.

Schwierigkeiten insgesamt

Überwiegend 5 bis 6, gelegentlich leichter, maximal 6+, 6 obligatorisch

Absicherung

Die Route ist gut mit Bohrhaken abgesichert. Keile und Friends sind kaum einsetzbar.

Ausrüstung

50-Meter-Einfachseil, 14 Exen, evtl. Schlingen zum Verlängern der Fixpunkte.

Talort

Grän im Tannheimer Tal. Der Parkplatz befindet sich bei der Bergbahn zum Füssener Jöchle

Zustieg

Auffahrt mit der Bergbahn zum Füssener Jöchle. Hier nach rechts Richtung Otto-Maier-Hütte. Am Reintaljoch rechtshaltend zum Hallergehrenjoch. Nun steigt man nach links ins Reintal ab und quert nach rechts entlang des Pfades über ein Geröllfeld den Wandfuß. Bei einer Gedenktafel wenige Meter nach rechts hinauf zum Einstieg beim Schild „Friedberg Klettersteig“. Vom Füssener Jöchle ca. 1 Stunde. Es kann auch über das langgezogene Reintal von der Bärenfalle mit Bikeunterstützung zu Wand aufgestiegen werden. Ca. 2 Stunden zum Einstieg.

Abstieg

Über den Wanderweg zurück zum Füssener Jöchle (ca. 45 Minuten). Wer auf die Talfahrt verzichten will, kann vom Hallergehrenjoch nach Grän absteigen (ca. 1,5 Stunden).

Bildgallerie

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