Großer Widderstein-Ostgrat

Großer Widderstein-Ostgrat

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Der große Widderstein ist einer der aussichtsreichsten Gipfel in den Allgäuer Alpen: das 360-Grad-Panorama bietet eine phantastische Sicht auf’s Illertal, hinüber zum Bodensee und im Süden bis zur Wildspitze in den Ötztaler Alpen. Dementspechend lockt der Berg sehr viele Wanderer aus Nah und Fern an.

Neben ein paar mehr oder weniger anspruchsvollen Kletterrouten ist auch der Ostgrat sehr beliebt. Die Kraxel-Tour führt durch für die Allgäuer Alpen typischen Hauptdolomit, d. h. die Felsqualität wechselt hier sehr stark ab. Teilweise sind Kletterstellen in unzuverlässigem Fels zu überwinden. Von brüchigen Aufschwüngen, schrofigen Gehpassagen bis hin zu netten exponierten Kletterzügen an kompakten Blöcken wird hier alles geboten. Auch nach zahlreichen Begehungen hat sich an diesem Charakter am Grat nichts verändert.

Und die Orientierung ist auch nicht immer ganz einfach: Am Ostgrat gibt es kaum richtungsweisende Haken und der Weg muss noch klassisch im alpinen Gelände gesucht werden. Oft gibt es mehrere Varianten, die letztendlich immer wieder mehr oder weniger in Gratnähe zusammenführen. Für geübte Old-School-Alpinisten ist die Wegfindung sicher kein Problem. Für Viele ist gerade dies der Grund, um sich auf diesen ursprünglichen Weg zu begeben.

Wie dem auch sei: der Ostgrat auf den Großen Widderstein ist zusammen mit dem Abstieg über den Normalweg ein tagesfüllendes Programm, bei dem je nach Ausgangspunkt bis zu 1300 Höhenmeter im Auf- und Abstieg zu bewältigen sind.

Generell gibt es mehrere Varianten, die Tour zu machen: im Süden vom Hochtannbergpass, von Norden über den Kleinen Widderstein oder über’s Gemsteltal im Kleinwalsertal. Im Folgenden möchte ich den Anstieg von Baad aus beschreiben. Hier besteht die Möglichkeit zum Karlstor aufzusteigen, das im Winter für die Skitourengeher ein beliebtes Ziel ist. Der Aufstieg über ein langgezogenes Schuttkar ist allerdings sehr schweißtreibend …

Für die ambitionierten Felskletterer besteht auch die Möglichkeit über den „Großen Walserweg“ durch die Widderstein-Nordwand zu steigen. Im Anschluss kann über den Ostgrat weiter auf den Gipfel gestiegen werden.

Ausgangspunkt

Baad im Kleinwalsertal (Österreich)

Aufstieg zum Karlstor

Von Parkplatz in Baad über die Brücke und entlang der Beschilderung zur Widderstein-Alpe. Noch ca. 100 Meter auf dem Schotterweg weiter und anschließend über die Wiese nach links Richtung Kleinem Widderstein. Über einen Pfad gelangt man zur Oberen Widderstein-Alpe. Von hier nach rechts durch einen kleinen Wald und weiter zu einem großen Hinkelstein. Ein paar Meter weiter überquert man ein Bachbett und erreicht das große Schuttkar, das zum Karlstor hinaufführt. Nun meist weglos und mühsam empor Richtung Widderstein-Nordwand. Gegen Ende gelangt man nach links zu einer breiten Scharte, dem Karlstor.

1. Etappe: Aufstieg über den Nordpfeiler

Man steigt vom Karlstor zunächst über relativ einfaches Wandergelände ca. 50 Höhenmeter empor. Bei einem blockigen Auschwung nehmen die Schwierigkeiten bis zum 3. Grad langsam zu. Nach einer kürzeren Gehpassage gelangt man zu einer etwas längeren Steilpassage. Der Grat wird hier etwas unübersichtlich. Man gelangt zu einem diagonalen Risskamin, der nach rechts führt und etwa in halber Wandhöhe endet. Mit 3+ ist diese Passage die erste schwere Stelle des Nordpfeilers. Am Ende des Risses gelangt man schließlich nach links über Absätze wieder in einfacheres Gelände. Später klettert man über zwei ausgesetzte Stufen an der Kante an einem alten Schlaghaken vorbei. Neben brüchigen Passagen, trifft man auch auf überraschend kompakte Felsbereiche. Der Pfeiler führt schließlich mit einigen Stellen bis zum 3. Grad hinauf zum langgezogenen Widdersteingrat.

2. Etappe: Entlang des Widderstein Grats

Über ausgedehnte Schutt- und Blockfelder wandert man nach rechts wenig auf- und absteigend entlang des langgezogenen Kamms. Dabei bewegt man sich stets links der Gratkante auf dem einfachsten Weg (Schwierigkeit 1 bis 2) bis eine markante Scharte erreicht wird. Hier besteht die Fluchtmöglichkeit über schrofiges Gelände nach links hinab zur Widderstein Hütte. Hier kann auch der obere Teil des Ostgrates gut eingesehen bzw. studiert werden.

3. Etappe: Widderstein-Ostgrat, oberer Teil

Atemberaubende Tiefblicke in die steile Nordwand sind garantiert. Man steigt von der markanten Scharte über schrofiges Gelände ca. 2 Seillängen links des Grates bis zu einer Abflachung hinauf. Bei einem Felsklotz befinden sich 2 Bohrhaken, dies ist der Ausstieg des „Großen Walserwegs“, der über die Nordwand heraufführt. Über verschiedene kleine Aufschwünge bis zum 3. Grad erreicht man schließlich eine markante Gratlücke mit Gedenktafel. Ein kurzer steiler Abstieg führt zu dieser exponierten Engstelle, die mit einem weiten Spreizschritt überwunden wird (Schlüsselstelle bis zum 4. Grad). Auf der anderen Seite geht es nach links wieder steil empor, um in schrofiges Gelände zu gelangen. Verschiedene kleine Block-Türme werden im Anschluss entweder links bzw. rechts umgangen. Schließlich legt sich der Grat deutlich zurück und führt über einfaches 2er-Gelände hinauf zum Gipfel.

Abstieg

Über den Normalweg nach Süden Richtung Hochtannbergpass. Es ist dringend anzuraten, den Helm weiterhin zu tragen, da sich hier schon viele Steinschlagunfälle ereignet haben. Am unteren Ende des Normalwegs führt ein Wanderpfad nach rechts zum Hochalp-Pass. Hier nach rechts über die Bärgüntle-Alpe zurück zum Ausgangspunkt.

Schwierigkeit

Überwiegend 2 bis 3. Am Widdersteingrat meist 1 bis 2. Insgesamt maximal 4. In der Tour ist gelegentlich Orientierungsvermögen gefragt.

Absicherung

Ganz selten trifft man zufällig auf alte Normalhaken. Stände und Zwischensicherungen können gut mit Schlingen über Zacken gelegt werden. In der markanten Scharte am oberen Ostgrat befindet sich ein Stand mit Normalhaken.

Ausrüstung

50-Meter-Einfachseil, 5 Exen, Schlingen

Zeitbedarf

Aufstieg zum Karlstor: ca. 2,5 Stunden

Kletterzeit: ca. 3 Stunden

Abstieg nach Baad: ca. 2,5 Stunden

Übernachtung

Für weitere Aktivitäten kann auf der Widderstein Hütte auf der Südseite des Bergs übernachtet werden. Siehe widderstein-huette.at

Bildgallerie

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