Eigentlich wollten wir den letzten Tag unseres Kletterurlaubs noch mit einer gemütlichen Tour ausklingen lassen und danach eines der berühmten Meteora-Klöster besuchen. Kurzentschlossen entschieden wir uns für den Nordweg am Hirtenturm, mit zwei Seillängen bis zum 5. Schwierigkeitsgrad ein gut machbares Ziel, wie wir meinten. Aber wie so oft in den letzten Tagen war der erste Haken kaum auszumachen, und wiedereinmal konnte die meiste Ausrüstung bis auf ein paar Exen am Einstieg zurückbleiben.
Marion wagte sich in die vermooste, mit Kiesel gespickte Konglomerat-Platte und nach einigen Minuten hörte ich ein „Halleluhja“ von oben herab. Der Auslöser war wohl einer dieser tierischen Meteora-Runouts, weit über dem Boden, mit Tendenz zum Grounder. Es dauerte noch eine Weile bis sie das Seil einzog, und ich entspannt nachsteigen konnte. Tatsächlich gab es in der ersten 30-Meter-Seillänge in 15 Meter Höhe nur einen Haken.
Nach einem kurzen Quergang standen wir unter einem düsteren Kamin und wieder musste ich meinen Joker vorausschicken. Weit und breit kein Ring in Sicht, ich fühlte mich wie Alex Honnold‘s Kameramann, der sich am El Capitan nicht nach oben schauen traute. Angespannt gab ich Zentimeter für Zentimeter das im Kamin flatternde Seil nach, bis mir nach einer gefühlten Ewigkeit das Zeichen für „Stand“ signalisiert wurde. Erleichterung trat ein und erstmal durchatmen …
Gespannt kletterte ich hinterher und begegnete dabei lediglich einer alten Morchelschlinge und einem Haken ausgerechnet in der schwersten Stelle des Kamins. Schwierigkeitsgrad 6+/7- statt 5, so wie im Führer angegeben. Wie soll man hier im Vorstieg beim Klippen eine Hand freibekommen? Dem verwöhnten Plaisirkletterer stellt‘s die Nackenhaare auf … hier hast du nur einen Auftrag, wenn du deutlich über dem angesagten Grad kletterst und/oder dein Angstzentrum im Gehirn ausschalten kannst. Jedenfalls war es am Ende des Urlaubs nochmal eine kalte Dusche …
Auf dem Hirtenturm befindet sich immer noch das Original-Gipfelbuch der sächsischen Erstbegeher Hasse, Stutte & Co., die vor der Jahrtausendwende schätzungsweise über 200 Routen erschlossen und jeden einzelnen der über 100 Pfeiler in Meteora begangen haben. Der puristische Klettergedanke einer Elbsandstein-Elite wurde seitdem auf die Meteora-Felsen übertragen. So wie bereits die Eremiten vor Jahrhunderten wagemutig auf die Türme stiegen, wird hier der Freikletter-Geist konsequent weitergelebt.
„Wenn du Abenteuer-Klettern magst, wirst du Meteora verdammt lieben und du hast eine Menge Routen zur Auswahl“ habe ich irgendwo im Netz gelesen. Doch keine Bange. In Meteora gibt es auch einige Linien die für Durchschnittskletterer realistisch sind. Am besten begibt man sich erst einmal in den Klettergarten „Small Walls“ um sich an das Konglomerat-Gestein zu gewöhnen. In Meteora braucht man eigentlich keine Kraft, vielmehr balanciert man auf eingebackenen Kieseln und verkrallt sich dabei an irgendwelchen kleinen Löchern oder sonstigen Unebenheiten.
Im Nachstieg alles kein Problem, das Problem sind die Hakenabstände mit mehr oder weniger weiten Runouts am scharfen Ende des Seils. Wenn man Glück hat, kann auch mal ein Friend gelegt, oder weit abstehende Kiesel mit Schlingen abgebunden werden. Das ist aber auf den geschlossenen Platten selten der Fall, in den Verschneidungen und Kaminen sieht etwas besser aus. Es gibt aber auch Linien, die an den schweren Passagen ordentlich gesichert sind. An den Meteora-Fels muss man sich rantasten. Als Einsteiger-Programm für längere Touren empfehle ich die Doupiani-Nordseite oder Ambaria-Südwestkante. Und wen dann doch die Vorstiegsmoral aus der Wand treibt, dem bleiben immer noch die zahlreichen Klöster zur Besichtigung übrig -:)
Routenangebot
Schätzungsweise sind es an die 1000 Ein- und Mehrseillängen-Routen in Meteora. Wer in diesem sagenhaften kleinen Gebirge seinen Kletterurlaub verbringt, sollte sich den Führer „Meteora Best of Classics“ zulegen. Das prall gefüllte Buch stellt sowohl das traditionelle als auch das moderne Klettern in Meteora vor. 46 der 171 Meteora-Türme und 206 Mehrseillängen-Routen der insgesamt 860 Linien werden beschrieben. Ergänzend dazu gibt es den Kletterführer „Meteora Sport Climbing Guide“, der für das Angebot an Einseillängen-Routen mit Sportklettercharakter zuständig ist.
Hier ein Überblick der von uns besuchten Routen bzw. Gebiete
Klettergarten Small Walls
Der überschaubare Wand eignet sich für die ersten Tage in Meteora, um sich im Konglomerat einzuklettern. Es gibt ca. 20 Linien vorwiegend in den mittleren Schwierigkeitsgraden 5c/6a, gelegentlich auch leichter oder schwerer. Die Routenlängen betragen durchschnittlich 25 Meter. Die Absicherung variiert von sportklettermäßig bis hin zu meteora-typisch. Man bekommt hier somit auch einen Einblick in Touren mit weiteren Hakenabständen. Gelegentlich können in den Nachbarrouten Toprope-Seile eingehängt werden. Der Klettergarten liegt schön in einer Scharte zwischen den Meteora-Türmen. Man fährt von Kastraki in Richtung der Klöster hinauf. Bei einer markanten Rechts-Links-Kehre (Kiesgrube) kann geparkt werden. Ein Pfad führt in ca. 15 Minuten zum Klettergarten hinauf.
Klettergarten Batagogianni’s Rock
An dem mächtigen Fels-Obelisken gibt es 16 Routen vorwiegend im 6. bis 8. Grad. Es sind aber auch ein paar leichtere Linien mit dabei. Ganz rechts erreicht man über einen Normalweg im 3. Grad den Gipfel, dort kann man auch Toprope-Seile einhängen. Der Klettergarten ist sehr steil, gespickt mit vielen kleinen Kieseln. Durch die schnelle Erreichbarkeit eignen sich die Routen auch bei unsicherem Wetter oder als kurzes Nachmittags-Programm. Man fährt von Kastraki in Richtung der Klöster hinauf. Nach ca. 500 Meter zweigt hinter dem Doupiani-Fels links eine steile Straße ab. Dem Weg folgend, parkt man nach ca. 400 Meter am linken Straßenrand, wo es wieder flacher wird. Ein Pfad führt nach rechts zum nordwestlichsten Eckpfeiler von Meteora hinauf, wo sich das Klettergebiet befindet. Vom Parkplatz ca. 15 Minuten.
Doupiani – Nordseite
Hier gibt es 26 kurze Mehrseillängen-Routen überwiegend im 5. bis 6. Schwierigkeitsgrad. Der leichteste Anstieg ist die markante „Rechte Nordwand-Rinne“, hier kann am 1. Stand ein Toprope-Seil für die benachbarte Route „Isidora“ eingehängt werden. Die beiden Routen eignen sich für’s Einklettern in Meteora, deshalb ist zumindest die zentrale Wand sehr beliebt. Für die „Rechte Nordwand-Rinne“ sind ein paar kleinere Friends vorteilhaft. In der Regel seilt man über die Routen ab, ein 70-Meter-Sportkletterseil ist dafür ausreichend. Man fährt von Kastraki in Richtung der Klöster hinauf. Nach ca. 1 Kilometer zweigt hinter dem Doupiani-Fels links eine steile Straße ab, am besten parkt man hier auf diversen Parkplätzen. Man folgt der Straße ca. 250 Meter bis nach links ein Pfad zur Wand hinaufführt. Vom Parkplatz ca. 15 Minuten.
Doupiani – Ostkante
Es handelt sich um eine sehr elegante Tour, was die Schönheit der Kletterei und ebenmäßige Form der Kante betrifft. Anfangs noch leicht, später steilt sich der Fels immer mehr auf und legt sich in Gipfelnähe wieder zurück. Die Kante zählt zu den meistbegangenen Routen bei Meteora, der kurze Zustieg trägt sicher auch dazu bei. Man fährt von Kastraki in Richtung der Klöster, nach ca. 500 Meter gibt es diverse Parkmöglichkeiten am Fuße der Ostkante. Der Einstieg befindet sich bei einer flachen vermoosten Komglomerat-Platte.
Doupiani – Regenpfeiler
Es handelt sich um eine lohnende und beliebte Tour an der Südwestseite des Massivs. Die Kletterei ist zwar etwas unhomogen, da die 2. Seillänge etwas leichter ist. Dafür ist der Rest meteora-typisch spannend. Vom letzten Stand geht man am besten ein kurzes Stück weiter und seilt nach links über die Nordwand 2mal ab. Am Wandfuß führt nach links ein Pfad durch’s Gestrüpp zum Ausgangspunkt zurück. Was den Zustieg betrifft: Man geht am Ortsende von Kastraki nach links zu einem Häuschen hinauf und zweigt nach links in einen Canyon ab. Der Einstieg befindet sich am hinteren Ende der Schlucht. Von Kastraki ca. 15 Minuten.
Ambaria – Südwestkante
Der äußerste südwestliche Eckpfeiler des Meteora-Massivs bietet eine ideale Einsteiger-Tour, um sich an’s Konglomerat-Klettern ranzutasten. Die Schlüsselstelle befindet sich gleich in der ersten Seillänge, insofern kann auch gut wieder umgekehrt werden. Danach wird es Richtung Gipfel bis auf eine Passage zunehmend leichter. In der Mitte befinden sich im flacheren Gelände rießige eingebackene Steine. Am Gipfel hat man eine eindrucksvolle Sicht auf Kastraki, die Klöster und westliche Gruppe von Meteora. Abseilen über die Route. Man parkt am oberen Ortsrand von Kalambaka und erreicht in wenigen Minuten über Pfade den Einstieg bei einem Vorbau.
Bantovas – Schweizer Käse
Für die Tour namensgebend sind teils rießige, schön zu kletternde Löcher in der ersten Seillänge. Danach folgt eine langgezogene Rinne inclusive Runout, in der sich lediglich ein Haken befindet. Eine Verschneidung zieht nach rechts, um in die steile und anspruchsvolle Headwall zu gelangen. Im Gesamten handelt es sich um eine abwechslungsreiche, spannende Kletterei, was die Route sehr interessant macht. An den schwierigen Stellen ist sie ausreichend gesichert. Am Ende seilt man über die Aufstiegslinie wieder ab. Man parkt am oberen Ortsrand von Kalambaka und geht entlang eines Pfads durch einen Felsdurchschlupf hinauf unter die großen Löcher. Der Einstieg befindet sich auf einem schmalen Absatz. Von der Straße ca. 15 Minuten.
Holy Spirit – Weg des Wassers
Die Route führt durch eine markante, tief ausgespülte Wasser-Rinne zum Gipfel des Holy Spirit (Heiliger Geist) hinauf. Die erste Seillänge ist sehr schwer und kann notfalls mit einer verlängerten Express-Schlinge begangen werden. Danach folgt superraue Kletterei durch die Rinne. Am Ende seilt man über die Tour wieder ab. Man parkt bei Kastraki und folgt dem Pfad rechts des Holy-Spirit-Massivs in Richtung einer Scharte hinauf. Kurz davor zweigt der Weg scharf links ab, anschließend erreicht man über gestufte Bänder eine malerische Einsiedelei. Der Einstieg befindet sich bei einer kleinen Kapelle im Fels. Von Kastraki ca. 30 Minuten.
Holy Spirit – Traumpfeiler
Der große Klassiker bei Meteora wird oft als die schönste 5er-Tour weltweit betitelt. Dementsprechend ist die Tour beliebt und häufig begangen. Wie dem auch sei … die Eleganz des Pfeilers samt Linienführung der Kletterei sind sicher beeindruckend. Was jedoch den Schwierigkeitsgrad betrifft, darf man locker einen guten Grad dazurechnen. Dazu kommt die Absicherung: In der ersten Seillänge sind es bis zum ersten Haken mehr als 12 Meter, danach folgt eine diagonale Links-Querung mit einem nicht minder makabren Runout samt Pendel-Gefahr. Nun ist die Kletterei für kurze Zeit fast schon genüsslich, bis ein langes Verschneidungssystem und die Schlüsselstelle in einem Schulterriss erreicht werden. Einem Gerücht zufolge verbrachte dort eine Seilschaft mehrere Stunden, ohne einen Millimeter voranzukommen. Wer hier nicht wieder abseilen will, sollte ein paar kleinere Friends dabei haben und/oder eine gute Vorstiegsmoral im oberen 6. Grad bei spärlicher Absicherung besitzen. Nach den Verschneidungen geht es etwas flacher und humaner weiter, dennoch bleibt die Tour wegen der regelmäßigen Runouts bis zum Schluss spannend. Der aussichtsreiche Gipfelgrat mit Steinmännern führt zur Abseilpiste, über die man nach 3 Längen eine malerische Einsiedelei erreicht. Von hier geht es selbsterklärend über Bänder und Pfade nach Kastraki zurück. Ca. 30 Minuten. Was den Zustieg betrifft: Man parkt am oberen Ortsrand von Kastraki und folgt dem Schotterweg bis zu einem kleinen Häuschen. Hier über einen Pfad nach rechts, wenig später hinauf zum Einstieg. Vom Parkplatz ca. 15 Minuten.
Spindel – Kieselroulett
Der eindrucksvolle 50 Meter hohe Fels-Obelisk befindet sich in einer Scharte über Kastraki. Es gibt nur wenige mehr oder weniger gut abgesicherte, teils abenteuerliche Routen um auf den überhängenden Gipfel zu gelangen. Die vielleicht sicherste Möglichkeit führt über die von Heinz Zak erstbegangene Linie „Kieselroulett“, frei geklettert im 7. Grad, dafür mit Klebehaken vorbildlich und A-Null-tauglich gesichert. Abseilen über die Tour. Man parkt bei Kastraki und geht am oberen Ortsrand über Wege und Pfade zur bereits sichtbaren Nadel hinauf. Der Einstieg befindet sich von Kastraki kommend am linken Rand. Zustieg ca. 30 Minuten.
Tower of Kastraki – Pindoskante
Der Turm liegt ziemlich versteckt im Labyrinth der nördlichen Meteora-Gruppe. Die Tour zieht geschwungen durch die breit gegliederte Kante empor. Unten geht es durch eine Verschneidung, danach handelt es sich meist um steile Wandkletterei. Die Route wurde von Dietrich Hasse ausreichend mit Ringhaken abgesichert, dennoch sind Keile und Friends in den mittleren Größen nützlich. Abseilen über die Tour. Man fährt von Kastraki in Richtung der Klöster hinauf. Nach ca. 500 Meter zweigt hinter dem Doupiani-Fels links eine steile Straße ab. Dem Weg folgend, parkt man nach ca. 400 Meter am linken Straßenrand, wo es wieder flacher wird. Ein Pfad führt nach rechts zur Nordseite des Meteora-Massivs hinauf. Hier nach rechts den Weg entlang bis zu einer markanten Lichtung und wieder nach rechts in eine Scharte. Man steigt jenseits ein Stück ab, bis auf der linken Seite ein heller Erdrutsch erscheint. Diesen hinauf und nach rechts zum Einstieg bei einer markanten Verschneidung. Vom Parkplatz ca. 30 Minuten.
Hirtenturm – Nordweg
Die Route ist wenig auffallend und kurz, aber dennoch anspruchsvoll was die Kletterei und Absicherung betrifft. Bereits in der ersten Seillänge wird der erste Haken über vermooste Kiesel erst nach 15 Metern erreicht. Danach geht es in eine etwas erdige Verschneidung zum ersten Stand hinauf. Hier wenige Meter nach rechts zum Beginn eines markanten Kamins. Der ist anfangs etwas brüchig, danach steil, athletisch und anstrengend bis zum Gipfel hinauf. Unten eine fixe Schlinge und weiter oben an der schwersten Stelle ein Haken bilden die Absicherung, dazwischen können im Kamin große Friends gelegt werden. Abseilen über die Tour. Man fährt von Kastraki in Richtung der Klöster hinauf. Nach ca. 500 Meter zweigt hinter dem Doupiani-Fels links eine steile Straße ab. Dem Weg folgend, parkt man nach ca. 400 Meter am linken Straßenrand, wo es wieder flacher wird. Ein Pfad führt nach rechts zur Nordseite des Meteora-Massivs hinauf. Hier nach rechts den Weg entlang bis zu einer markanten Lichtung und wieder nach rechts in eine Scharte. Der Einstieg befindet sich kurz davor auf der rechten Seite bei einer moosigen Kieselplatte. Vom Parkplatz ca. 20 Minuten.
Absicherung Allgeimein
Generell lässt sich sagen: je schwerer die Route, desto besser gesichert ist sie. Im Gelände des 2. und 3. Schwierigkeitsgrads befinden sich pro Seillänge kein oder maximal 1 bis 2 Haken. Ab dem 4. Grad werden die Hakenabstände je nach Anspruch zunehmend enger. Die Schwerlastanker oder geklebten Ringhaken stecken oft nur an den wirklich schweren Sellen. Sobald es leichter wird, ist wieder mit Runouts zu rechnen, die oft keine Möglichkeit zur zusätzlichen Absicherung bieten. In manchen Routen kann aber auch mit Friends in den Rissen, Kaminen und Verschneidungen dazugesichert werden. Gelegentlich können weit abstehende Kiesel mit Schlingen abgebunden werden. Von den meisten Türmen kommt man nur durch Abseilen wieder an den Wandfuß. An den Ständen befinden sich oft dicke, einzementierte Ringe.
Schwierigkeitsgrade
Die Bewertung der Kletterrouten ist nicht mit der Nordalpen-Skala zu vergleichen. Ab dem 4. Schwierigkeitsgrad kann oft ein ganzer Grad dazu gerechnet werden. Die sächsische Einstufung hat da traditionell sicher ein großen Einfluss. Lange Runouts können den Schwierigkeitsgrad subjektiv erhöhen.
The Meteora Spirit
Die Haupterschließer Hasse, Stutte & Co. haben sich seinerzeit aus sportlichen Gründen geweigert, dass andere Kletterer zusätzliche Sicherungen in ihren Routen anbringen. Später kamen lediglich Sanierungen der bereits bestehenden Haken infrage. Die Locals wollen den Charakter von Meteora im traditionellen Stil beibehalten. Neue Routen müssen von unten erschlossen werden, Haken gibt es nur an den wirklich schweren Passagen. Dazu müssen Erstbegehungen mit den Einheimischen Kletterern abgesprochen und geprüft werden.
Ausrüstung
Da über die meisten Routen wieder abgeseilt wird, ist ein 50-Meter-Doppelseil anzuraten. Wegen der geringen Hakendichte kommt man oft mit 5 bis 10 Exen aus. Für manche Routen sind Friends in allen Größen hilfreich. Mit Schlingen können Sanduhren gefädelt und große abstehende Kiesel abgebunden werden.
Orientierung
In Meteora gibt es keine Wegweiser und Schilder, die zu den einzelnen Sektoren bzw. Türmen hinführen. Es stehen keine Routennamen am Fels. Deshalb ist der Kauf der Kletterführer unerlässlich. Selbst wenn man sie in den Händen hält dauert die Orientierung gut eine Woche bis man sich einigermaßen zurechtfindet. Und selbst dann begibt man sich immer wieder auf die Suche, um neue Ziele zu erkunden. Hilfreich ist es auch, wenn man andere Seilschaften um Rat fragen kann.
Felsbeschaffenheit
Die Meteora-Felsen bestehen hauptsächlich aus Sandstein, gerundeten Steinen, kleinen Kieseln und Schlamm. Diese Konglomerat-Mischung entstand vor etwa 10 bis 30 Millionen Jahren durch Ablagerungen in einem deltaartigen Kegel in einem urzeitlichen See. Heutzutage sind viele Felsoberflächen vermoost, was sich besonders nach Regenfällen zeigt, dann leuchten die Wände plötzlich grün auf. Die meisten Routen sind jedoch stark abgeklettert und deshalb gut zu begehen.
Besucherfrequenz
Wir waren im März hier und es sind uns nur wenige Kletterer über den Weg gelaufen. Zwei Seilschaften kamen sogar nur wegen des Traumpfeilers nach Meteora. Ich nehme an, dass ab Ostern etwas mehr los ist. Ein Grieche erzählte uns, dass in den letzten Jahren die Zahl der Kletterer stark zurückgegangen sei. Dies ist sicher auf die Art der Konglomerat-Kletterei und spärlichen Absicherung zurückzuführen. Die hallendomestizierten Sportkletterer zieht es heutzutage mehr nach Kalymnos, Leonidio oder Manikia. Jedenfalls ist dies kein Nachteil, an den Türmen von Meteora findet man meist eine angenehme Ruhe.
Beste Jahreszeit
Frühjahr und Herbst. Aber auch im Sommer gibt es erträgliche Temperaturen in den Nordwänden. Im Winter ist es oft kalt oder regnerisch und es kommt nicht selten vor, dass Meteora eingeschneit ist.
Ruhetagsprogramm
Besuch der Klöster
Der Begriff „Meteora“ bedeutet übersetzt „in der Luft schwebend“ oder „schwebende Klöster“. Er beschreibt die berühmten griechischen Klöster in Thessalien, die auf steilen Felsnadeln gebaut wurden und vom Tal aus betrachtet wirken, als würden sie zwischen Himmel und Erde schweben. Heutzutage gehören die Meteora-Klöster zum UNESCO-Weltkulturerbe und sind ein weltbekanntes Ausflugsziel. Bereits im 11. Jahrhundert zogen sich Eremiten in Felsspalten und Höhlen in der Umgebung zurück, auf der Suche nach Einsamkeit. In den folgenden Jahrhunderten wurden dann mehrere Klöster von Mönchen errichtet, um eine neue Heimat zu finden. Die meiste Zeit waren die Klöster nur über teils schwindelerregenden Strickleitern oder Seilwinden zu erreichen. So konnten die Mönche völlig abgeschieden von der Welt weit oben in den Felsen leben. Nur gelegentlich kamen sie herunter, um in den Dörfern Lebensmittel zu besorgen. Dies blieb noch bis in’s 20. Jahrhundert so, bis die ersten Treppen und Brücken gebaut, die Klöster immer weiter renoviert und schließlich für die Öffentlichkeit zum Besuch freigegeben wurden. Heutzutage werden tausende Touristen nonstop mit Bussen hinaufgefahren. Männer müssen lange Hosen tragen, Frauen Röcke. Der Eintrittspreis liegt bei 5 Euro. Die meisten Klöster sind von Kastraki aus zu Fuß erreichbar. Weitere Infos unter: www.backpackinghacks.de
Wanderung auf den Großen Heiligen
Ein ganz besonderes Erlebnis ist die Via Cordata, die auf den Großen Heiligen, der größten Erhebung der Meteora-Türme führt. Es ist eine Mischung aus abenteuerlichem Wandern und Kraxeln mit leichten Klettereinlagen im 2. Schwierigkeitsgrad. Manche Passagen sind exponiert und man sollte für eine Begehung schwindelfrei sein. Obwohl diverse Haken vorhanden sind, ist ein Seil nicht dringend erforderlich. Die Tour endet bei einem Steinhaufen am Vorgipfel des Großen Heiligen. Für die Besteigung des Hauptgipfels benötigt man die komplette Kletterausrüstung für 2 Seillängen im 5. Grad. Vom höchsten Punkt hat man eine phantastische Sicht auf das gesamte Meteora-Gebiet und nach Kalambaka hinab. Die Tour ist unter Kletterern relativ unbekannt und meist ist man alleine unterwegs. Sie eignet sich auch im Anschluss einer Begehung der Spindel. Man sollte sich dieses Highlight in Meteora nicht entgehen lassen. Man parkt am obersten Ortsrand von Kastraki und geht in die Scharte zur markanten Felsnadel, der Spindel hinauf. Dahinter führt ein Pfad diagonal nach rechts zu einer langgezogenen Felsplatte. Hier steigt man ca. 50 Meter empor bis ein markantes Band erreicht wird. Ein Quergang führt nach links in eine Rinne, die im 2. Schwierigkeitsgrad bis zum oberen Ende durchstiegen wird. Danach geht es scharf nach links über ein Felsband mit Treppen zu einer Zisterne hinauf. Gestufte Platten führen rechtshaltend zu einem Fixseil und weiter zu einem Steinhaufen am Vorgipfel hinauf. Dies ist das Ende der offiziellen Via Cordata. Um auf den Hauptgipfel zu gelangen geht man ca. 50 Meter nach rechts durch die Botanik unter die Südwand des Großen Heiligen. In ca. 5 Meter Höhe befindet sich rechts oben ein Haken mit einer Schlinge. 2 Seillängen im 5. Schwierigkeitsgrad führen schließlich zum Gipfelgrat hinauf. Hier geht es nach links, um auf das Plateau mit dem Gipfelbuch zu gelangen. Abstieg wie Aufstieg. Dauer für den gesamten Aufstieg incl. Kletterei ca. 2 Stunden. Weiter Infos unter www.outdooractive.com, ferrata.guide
Die Wanderung zum Holy Spirit
Eine sehr empfehlenswerte Unternehmung führt zu einer malerischen Einsiedelei unter dem Holy Spirit (Heiliger Geist) hinauf. Es ist ein steiler, ca. 1 Kilometer langer Pfad, der vom Dorf Kastraki zu einer uralten Höhlenkapelle und einem Gefängnis der Einsiedlermönche aus dem 10. Jahrhundert führt. Über eine Leiter erreicht man eine große Glocke, von der aus man einen wunderschönen Blick auf Kastraki hat. Der Aufstieg auf die ruhig gelegen Hochfläche führt über gestufte Bänder und gegen Ende durch einen Felsspalt. Man parkt bei Kastraki am obersten Ortsrand und geht an der mächtigen Südwand des Holy Spirit in Richtung einer Scharte zwischen den Türmen hinauf. Kurz davor zweigt ein gestuftes Band nach links zur Hochebene ab. Dauer für den Aufstieg ca. 45 Minuten.
Wanderung um das Meteora-Gebiet
Um die Landschaft der Meteora-Klöster erleben zu können, sollte man sich zu Fuß auf den Weg machen. Es gibt mehrere Pfade, aber keine markierte Route, der man einfach folgen kann. Start und Ziel sind die Ortschaften Kalambaka bzw. Kastraki. Die Länge beträgt ca. 12 Kilometer, die Dauer ca. 4 bis 5 Stunden. Weitere Infos unter www.backpackinghacks.de
Kastraki
Die kleine Ortschaft ist der strategisch beste Ausgangspunkt für die meisten Kletterrouten, da sie von dort aus gut zu Fuß in bis zu einer halben Stunde erreicht werden können. Kastraki ist vor allem touristisch geprägt: es gibt einige Tavernen, Souvenirläden, Pensionen, Ferienwohnungen und 2 Campingplätze. Von hier aus sind auch die Klöster nicht weit entfernt.
Kalambaka
Mit ca. 8500 Einwohnern ist es der pulsierende Ort am Fuße der Meteora-Türme. Hier gibt es zahlreiche Geschäfte, Restaurants, Bars, Souvenirläden, Pensionen, Ferienwohnungen, Einkaufsmärkte samt einem Lidl. In einem Tourismusbüro können Infos für die Gegend eingeholt werden. Außerdem bieten manche Bike-Shops Fahrräder zum Ausleihen an.
Unterkünfte
In Kastraki und Kalambaka gibt es zahlreiche Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. In Kastraki gibt es außerdem 2 Campingplätze:
Campingplatz Vrachos www.campingkastraki.com
Campingplatz The Cave www.camping.info
Vicky’s Home in Kalambaka
Wir waren in der Ferienwohnung Vicky’s Home in Kalambaka untergebracht. Die Unterkunft ist sehr sauber und komfortabel eingerichtet. Die Zimmer sind gut beheizt und das Wasser warm. Die Ferienwohnung ist sehr ruhig am obersten Ortsrand von Kalambaka gelegen. Am Eingangsbereich befindet sich eine geräumige Terasse mit fantastischem Blick über Kalambaka und zu den Felsen von Meteora. In nur wenigen Minuten geht man zu den ersten Geschäften und Läden nach Kalambaka hinab. Wir erreichten bereits nach wenigen Minuten zu Fuß die ersten Kletterrouten. Nach einem ausgefüllten Klettertag konnten wir uns in der Wohnung immer sehr angenehm erholen. Sie bietet im großen Vergleich ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis. Die Vermieterin ist deutschsprachig, sehr freundlich und erteilt gerne Informationen über Meteora. Somit ist die Unterkunft absolut empfehlenswert! Nähere Infos unter www.booking.com
Literatur
Kletterführer Meteora Best of Classics tmms-shop.de
Kletterführer Meteora Sport Climbing Guide tmms-shop.de
Webinfo
www.thecrag.com
www.strassnig.at
www.reddit.com
www.outdooractive.com
www.olafrieck.de
www.alpenverein.de
Bildgallerie

















