Die Vajolet-Türme im Rosengarten zählen zu den fotogensten Felsgestalten der Dolomiten. Da können nur noch die Drei Zinnen mithalten. Die bizarren Zacken wurden bereits im 19. Jahrhundert teilweise im Alleingang von berühmten Bergsteigern wie Piaz, Delago, Winkler, Preuss usw. erstbegangen. Seitdem stehen sie unter Kletterern hoch im Kurs – die Wände und Grate sind überschaubar und von der nahegelegenen Gartl-Hütte schnell zu erreichen. Dementsprechend herrscht hier oft ein internationaler Belagerungszustand incl. Bergführern mit ihren Klienten.
Allen voran steht die Delagokante hoch im Kurs. Neben der Stegerkante (Sella), Schleierkante (Pala) und Dibonakante (Große Zinne) zählt sie zu den meistbegangenen Kletterrouten in den Dolomiten. Es handelt sich um eine sehr steile und exponierte Gratschneide, die linkerhand schwindelerregend mehrere hundert Meter teilweise überhängend abfällt. Also nichts für schwache Nerven … vor allem auch was die Absicherung betrifft.
Bereits die erste Seillänge ist die Eintrittskarte für den Rest der Tour. Sie ist so spärlich gesichert, dass da nur ein souveräner und mutiger Kletterer Spaß daran hat. Die Stände sind zwar mittlerweile gebohrt, doch dazwischen befinden sich lediglich sporadisch alte verrostete Normalhaken, teilweise noch aus der Gründerzeit. Nur an wenigen Stellen können Friends dazu gelegt werden. Dazu kommt der beängstigend allgegenwärtige Speck durch die zahlreichen Begehungen von über 100 Jahren.
Der Vorsteiger muss weit über dem angegebenen Schwierigkeitsgrad in der Tour klettern können, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Allein schon wegen dem Speck ist der Schwierigkeitsgrad nicht mehr realistisch. Man beachte die Bewertung in den Dolomiten, die ohnehin meist um einen Grad schwerer als in den Nordalpen ist. Wegen der Staugefahr ist es ratsam ganz früh oder erst nachmittags in die Kante einzusteigen. Die geringe Wandhöhe von ca. 150 lässt dies zu.
Trotz aller Umstände gehört die Delagokante ins Tourenbuch eines ambitionierten Kletterers. Das Ambiente ist einmalig, bereits beim Zustieg verschlägt einem bei der Gardeccia-Hütte die mächtige Rosengartenspitze-Ostwand der Atem. Da der Zustieg von bis zu 3 Stunden für die Kante als Tagestour etwas lang ist, sollte man hier unbedingt eine Nacht in der Gegend verbringen. Am besten auf der Vajolet-Hütte, die wie ein Adlerhorst auf einem Felssockel thront. Da gibt es einen Klettergarten und eine Reihe kurzer, gut gesicherter Mehrseillängenrouten. Oder man steigt noch in die nahegelegene Punta Emma ein …
Schwierigkeit
Überwiegend klassisch 4 bis 5, gegen Ende leichter. Es handelt sich um die alte Dolomiten-Bewertung, bei der bis zu einem Grad dazu gerechnet werden kann.
Absicherung
Die Absicherung ist sehr rudimentär. Die Stände sind gebohrt, dazwischen befinden sich gelegentlich alte Normalhaken. An manchen Stellen können Friends gelegt werden.
Ausrüstung
50-Meter-Doppelseil, 8 Exen, Friends, Schlingen, Abseilausrüstung
Ausgangspunkt
Pera di Fassa im Fassa-Tal. Parkplatz beim Sessellift „Gardeccia, Vajolet, Rosengarten“ in der Ortsmitte.
Zustieg
Man fährt die ersten beiden Sessellifte hinauf. Nun folgt man dem Wanderweg zur Gardeccia-Hütte (ca. 40 Minuten). Von hier aus geht es über die Schotterpiste weiter zur Vajolet-Hütte (ca. 1 Stunde). Über leichtes, teils drahtseil-versichertes Schrofengelände erreicht man die Gartl-Hütte (ca. 45 Minuten). Ausgetretene Pfadspuren und leichte Kraxelei führen zum Delago-Turm hinauf. Zum Schluss quert man linkshaltend zum Einstieg hinüber (ca. 20 Minuten). Generell könnte man mit einem E-Bike bis zur Vajolet-Hütte hinauffahren. Dies erspart viel Lauferei, Liftkosten und Zeit für den Zu- und Abstieg.
Abstieg
Vom letzten Stand wenige Meter nach rechts zur Abseilpiste. Von hier ca. 4mal abseilen
Unterkünfte
Gardeccia-Hütte gardeccia.it
Vajolet-Hütte www.rifugiovajolet.com
Preuss-Hütte www.rifugiopaulpreuss.com
Gartl-Hütte www.rifugiorealberto.com
Literatur
Kletterführer „Best of Dolomiten“ www.panico.de
Webinfo
www.bergsteigen.com
www.alpenverein.de
www.outdooractive.com
www.stadler-markus.de
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