„Aquaria“ an der Plattspitze bei Ehrwald

„Aquaria“ an der Plattspitze bei Ehrwald

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Textauszug aus Adi Stockers Buch der „Longlines“, den längsten Kletterrouten der Nordalpen:

„Pat Schwarzmann hatte in der Südwestwand der Plattspitze bei Ehrwald zunächst einen Dreiseillängen-Baseclimb in einer mit Wasserrillen übersäten Platte erschlossen. Später kam ihm die Idee, einen Weg durch die ganze Wand zu legen.

Doch was dann folgte, war vom Plaisirklettern weit entfernt. Mit Jörg Kühn fand er einen motivierten Kletterpartner, und sie drangen durch eine ausgespülte Schlucht, brüchige Verschneidungen und genussreiche Platten bis zur 12. Seillänge vor. Dass der Weiterweg in Arbeit ausarten würde, war beiden klar, war doch erst gut ein Drittel der Wand geschafft. Im folgenden Sommer kletterte Pat mit Werner Strube über einen ausgesetzten Quergang zu einem markanten Pfeiler, und die beiden gelangten schließlich wieder in leichteres Gelände. Ein Jahr später: Wintereinbruch im Juli, ein halber Meter Neuschnee auf der Zugspitze. Doch die Tour wollte fertig werden. Mit Handschuhen, Gamaschen und Überhosen wagten sich die Erstbegeher an den Gipfelaufbau. Tauwetter und moderate Schwierigkeiten ermöglichten ein Vorankommen: Nach drei Tagen Schinderei erreichten sie am 31. Juli 2010 den Gipfel.

Doch das war noch nicht das Ende: schwerbepackt folgte der abenteuerliche Abstieg zum Zugspitzplatt und der strapaziöse Wiederaufstieg zum Münchner Haus auf dem Zugspitzgipfel. Gegen 22 Uhr wurden sie vom Hüttenwirt mit dem Kommentar „Ja, seid‘s ihr beide denn überhaupt angemeldet?“ begrüßt. Andi musste sich übrigens in der Nacht vor Erschöpfung übergeben …

„Aquaria“ – der Weg des Wassers: Wasserrillen, ausgewaschene Rinnen, Verschneidungen, ausgesetzte Quergänge, steile Pfeiler, plaisirverdächtige Platten, Überhänge und schuttbedeckte Bänder charakterisieren die Route. Ein Gewitter wäre der Super-Gau. Das Wasser sammelt sich in Schluchten und Sturzbäche verwandeln die Wand binnen in Minuten in ein Steinschlaginferno. Trotz der guten Absicherung mit Bohrhaken und den moderaten Schwierigkeiten sollte die Route nicht unterschätzt werden: Nach der 15. Seillänge beginnt der Kletterschuh langsam zu drücken, knapp 30 Seillängen und ein langer Abstieg erfordern eine gute Kondition. Der Rückweg über das Zugspitzplatt gleicht einer Mondlandschaft. Wer hier im Nebel landet, findet nur mit gutem Orientierungssinn den Weg zur Knorr-Hütte bzw. zur Zugspitzbahn …“

Charakter

28 Seillängen erfordern ca. 6 Stunden Kletterzeit, deshalb sollte der Kletterschuh nicht zu eng sein. Überwiegend kompakter Fels, dazwischen gelegentlich schuttbedeckte Bänder. Die Orientierung ist durch die Bohrhaken vorgegeben, auf den Bändern darf auch mal gesucht werden. Absicherung Mit Bohrhaken durchgehend gut eingerichtet. Schwierigkeit Schlüssellänge 7, zwei Passagen 6 +, gelegentlich 6, oft +/-5, teilweise leichter. 6 obligatorisch Material Doppelseil, 12 Exen, Abseilausrüstung für den Abstieg, Keile und Friends sind nicht erforderlich, sondern Ballast Talort Ehrwald bei der Zugspitze. Parken bei der Ehrwalder-Alm-Bahn Talstation

Taktik 1

Für die gemütlichen Kletterer: Mit dem Bike zur Ehrwalder Alm und weiter zur Hochfeldern Alm. Dort Bikedepot. Nun nach links über den Schotterweg zur Issental-Sessellift-Bergstation. Über den Latschenhang geradeaus hoch und ca. 100 m vor dem roten Lawinensprengmasten nach links über Schrofen und Geröll zum Wandfuß. Der Einstieg befindet sich bei einer Schuttmoräne in einer Nische links der Überhänge. (Die ersten drei Seillängen führen über Platten und Wasserrillen und können auch als Base-Climb geklettert werden.) Ca. 2 Stunden von Ehrwald.

Abstieg: Vom Gipfel nach links über den Westgrat und über eine Geröllhalde bis zu einem Fixseil absteigen. An diesem ca. 50 Meter ostseitig schräg nach links abseilen. Nun über Schrofen bis zum Zugspitzplatt gerade absteigen. Vom Gipfel ca. 1 Stunde. Das Zugspitzplatt über die Liftanlagen Richtung Zugspitze bis zum Wanderweg durchqueren. Nun nach rechts in einer weiteren Stunde bis zur Knorr-Hütte. Dort übernachten oder weiter über‘s Gatterl zum Bikedepot. Von der Hütte ca. 2 Stunden.

Taktik 2

Für Speedkletterer: Morgens um 5 Uhr von Ehrwald zu Fuß zur Ehrwalder Alm. Von hier nach links über die Liftanlagen gerade empor bis zu einem Beton-Bunker. Nun nach rechts über die steile Piste zur Issental-Sessellift-Bergstation. Über den Latschenhang geradeaus hoch und ca. 100 m vor dem roten Lawinensprengmasten nach links über Schrofen und Geröll zum Wandfuß. Der Einstieg befindet sich bei einer Schuttmoräne in einer Nische links der Überhänge. (Die ersten drei Seillängen führen über Platten und Wasserrillen und können auch als Base-Climb geklettert werden.) Ca. 2 Stunden von Ehrwald.

Abstieg: Vom Gipfel nach links über den Westgrat und über eine Geröllhalde bis zu einem Fixseil absteigen. An diesem ca. 50 Meter ostseitig schräg nach links abseilen. Nun über Schrofen bis zum Zugspitzplatt gerade absteigen. Das Zugspitzplatt über die Liftanlagen Richtung Zugspitze bis zum Wanderweg durchqueren. Nun nach links zum Restaurant Sonn-Alpin aufsteigen. Vom Gipfel ca. 1,5 Stunden. Anschließend mit der Bahn über den Zugspitzgipfel zurück nach Ehrwald bzw. Übernachtung auf dem Münchner Haus.

Ein genaues Topo findet ihr hier im Menüpunkt „Erstbegehungen, Ehrwald“.

Literatur

Kletterführer Wetterstein Süd, siehe www.panico.de

 

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