Klettern an den Gastlosen

Klettern an den Gastlosen

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Klettern am Gastlosen-Kamm

Jahrelang lagen die Schweiz-Plaisir-Führer auf meinem Nachtkästchen – ich kannte sie alle in- und auswendig, kaufte mir jede Neuauflage, Ost, Süd, West. Wir waren oft in der Schweiz, an den Gastlosen sind wir wegen anderer Prioritäten jedoch immer  vorbeigefahren. Diesen Sommer war es nun soweit, die Flucht vor dem unstabilen Ostalpen-Wetter verschlug uns in diese für uns abgelegene Ecke.

Die Zufahrt vom Jaunpass hinauf in eine weit verzweigte Almlandschaft war fast schon eine Odysee. Auf einer schmalen Teerstraße gab es ständig Abzweigungen, die zu irgendwelchen Almhütten führten. Sackgasse, mit dem LT 35 rückwärts zurück und wieder in die Beschreibung schauen. So ging es im ewigen Zick-Zack durch eine völlig entlegene Gegend, die uns – kaum zu glauben – bis fast unter die Wandfluh führte. Am Parkplatz stand ein Zelt, wir mussten richtig sein. Am nächsten Morgen rollte ein Auto nach dem anderen an, französischsprachige Kletterer mit ihren Rucksäcken, Kleinbusse der Bergschulen, wo sind wir hier gelandet?

Langsam wurde uns klar, dass aufgrund des kurzen Zustiegs von 10 Minuten doch einiges hier los ist. Der genauere Blick in den Führer: hier gibt es viele Sportkletterrouten, Baseclimbs bis zu 4 Seillängen und dazu einige Mehrseillängen-Routen mit bis zu 12 Seillängen. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem langgezogenen Gastlosen-Kamm mit einer Länge von mehreren Kilometern. Und auf der Nordseite soll man ja auch noch klettern können …

Wir entschieden uns für die Route „Toto le héros“ am äußersten rechten Rand der Wandfluh. 8 Seillängen bis 6b+ und ein wenig Ruhe fernab vom Mainstream sollten ein guter Kompromiss sein. Die Tour führte uns an einem Pfeiler hinauf, phantastisch kompakter Kalk, Platten, aber auch steile Wandkletterei mit gelegentlichen Überhängen. Teilweise grasige Bänder an den Ständen. Etwas weitere Bohrhakenabstände mit zwingenden Passagen bis 6a+ sorgten für die nötige Spannung. Keile und Friends sind da leider kaum einsetzbar …

Auf dem Rückweg kamen wir wieder an einem der gut besuchten Sportklettersektoren vorbei: Wasserrillenkletterei vom Feinsten, dazwischen sind immer wieder Platten mit kleinen oder größeren Leisten angesagt, der geeignete Sohlen-Test. Laut Führer sind alle Routen „gut+“ abgesichert, auch in der „Toto le héros“. Die war aber durchaus anspruchsvoll, einen Sturz vor dem nächsten Haken hätte den Urlaub wohl frühzeitig beendet. Soviel zu den oft belächelten Plaisir-Routen …

Topo Toto le heros

topo-toto-le-heros

Das Gastlosen-Massiv

Zieht sich über mehrere Kilometer von der Corne Aubert über die Dent de Ruth, Wandfluh, Rüdigenspitze, Pfadfluh hinüber bis zur Glattewandspitze. Der ganze Kamm ist rundum mit verschiedenen Wandhöhen und Routen jeglichen Geschmacks eingedeckt.

Die Wandfluh

Ist ein Sektor von vielen im Gastlosen-Massiv. Aufgrund der guten Übernachtungsmöglichkeit, des kurzen Zustiegs und dem üppigen Routenangebot bietet sich ein mehrtägiger Aufenthalt an. Von hier aus können auch andere Gebiete mit einem Zustieg bis zu einer Stunde angegangen werden.

Zustieg

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Die Absicherung

Die Sportkletterrouten sind gut mit Bohrhaken eingerichtet, in den Mehrseillängenrouten ist mit weiteren Abständen zu rechnen. Da es sich überwiegend um kompakte Plattenkletterei handelt, sind mobile Sicherungen oft schwer einsetzbar.

Übernachtung

Gleich hinter der Alpe Rudersberg gibt es einem Parkplatz auf dem gut übernachtet werden kann. Richtung Wandfluh haben wir Lagerfeuerplätze entdeckt, die ideale Gelegenheit für Biwaks. Wasser gibt es aus dem Bach nebenan.

Zufahrt

Vom Jaunpass über eine schmale Teerstraße nach Mittelberg. Hier rechts ab zur Alpe Rudersberg und 100 m weiter zum Parkplatz unter der Wandfluh. Vom Jaunpass ca. 30 min. Wer sich auf der Durchreise befindet, kann über Mittelberg nach Westen hinunter nach Saanen in die Französische Schweiz fahren. Die Gegend ist dazu ein geniales Bike-Paradies.

Topo

Schweiz Plaisir West. Filidor Verlag

 

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