„Weg der Allgäuer“ am Großen Widderstein

„Weg der Allgäuer“ am Großen Widderstein

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Lange Zeit schlummerte die Südwestwand des Großen Widderstein in ihrem Dornröschenschlaf vor sich hin, der einzige Anstieg war eine Klassische 4er-Tour, die den natürlichen Linien folgte. Seit 1996 wurden mit der mittlerweile beliebten „Hiltimanie“ schließlich die ersten Bohrhaken in die Wand gesetzt. In jüngerer Zeit entstanden in der auf den ersten Blick brüchig anmutenden Wand nun 3 weitere Klettertouren moderner Prägung. Die bekannten Allgäuer Erstbegeher Walter Hölzler sowie der Schafroth-Clan fanden hier neue Linien, die durch die kompaktesten Wandzonen zwischen den eingelagerten Bändern führen.

Freistehend und der Witterung völlig ausgesetzt thront die Südwestwand des Widdersteins über dem Hochtannberg Pass. So fühlen sich die oft zackigen schwarzen Griffe wunderbar rau an. In den neueren Routen ist allerdings noch mit ein paar wackeligen Steinen zu rechnen, was einen umsichtigen Kletterstil erfordert. Dazu kommt die sportliche Absicherung der Erstbegeher, zwischen den Haken ist Klettern angesagt und der angegebene Schwierigkeitsgrad muss zwingend beherrscht werden. Hölzler und Schafroth, ihre Namen sind Programm …

So existieren nun auf engstem Raum 5 Anstiege, die alle auf dem gleichen Band des Vorgipfels am Großen Widdersteins enden. Hier die Routen von links nach rechts:

  • Südwestwand (4), Klassischer Weg, Standplätze saniert
  • Weg der Allgäuer (6+), Alpine Tour moderner Prägung
  • Weg der Lechtaler (7), Alpine Tour moderner Prägung
  • Anderl-Heckmaier-Gedächtnis-Weg (8-), Alpine Tour moderner Prägung
  • Hiltimanie (6+), Gut gesichert, häufig begangen
  • Sechser Kombination (6), Alpine Tour moderner Prägung

Herbst 2018, die anhaltende Schönwetter-Periode nahm kein Ende und bescherte uns die längste und gleichzeitig ergiebigste Klettersaison seit Jahren. Am letzten Wochenende vor dem ersten Wintereinbruch wollten wir unbedingt noch einmal etwas Alpines machen, durch Zufall entdeckte ich auf Walter Hölzer’s Homepage den „Weg der Allgäuer“. Irgendwie sprach alles dagegen, aber wir waren einfach nicht davon abzuhalten: Der Wetterbericht kündigte einen Temperatur-Rückgang mit kaltem Ostwind an, die Südwestwand bekam erst ab Mittag Sonne ab und schließlich wurde es bereits um 17 Uhr wieder dunkel.

Schon beim Zustieg vom Hochtannberg Pass stellten sich uns Eisplatten über den Weg, ein steiles und mühsames Schuttkar brachte uns jedoch bald auf die nötige Betriebs-Temperatur bis wir unter der Wand standen. Da sich hier auf einer Breite von ca. 50 Metern 5 Routen nebeneinander befinden, war es gar nicht so einfach den richtigen Einstieg zu finden. Immerhin markierten die Schafroth‘s den „Weg der Allgäuer“ mit einem kunstvollen Stein am Standplatz.

Die Sonne schien mittags gerade erst in die Wand und es begann mit einem gnadenlosen Kaltstart. Die erste Seillänge (6+) war die härteste in diesem langen Kletterjahr und wir konnten nicht unterscheiden, ob es nun am Schwierigkeitsgrad oder an der Kälte lag. Nach einer gefühlten Stunde ging die Temperatur dann endlich in den positiven Bereich über und wärmte die Finger wieder auf. Wir merkten dann allerdings auch schnell, dass der Fels in dieser Tour nicht immer ganz zuverlässig ist. Martin stürzte im Vorstieg ca. 4 Meter ins Seil, ich 2-mal im Nachstieg. So kletterten wir im weiteren Verlauf mit äußerster Vorsicht, da die Hakenabstände auch eher von sportlicher Prägung sind.

In der oberen Hälfte legt sich die Wand dann deutlich zurück und man gelangt immer wieder auf geräumige Bänder, wo die Standplätze eingerichtet wurden. Gerade hier ist wieder Vorsicht geboten, um an den Aufschwüngen vor dem ersten bzw. zweiten Haken nicht wieder auf dem Band zu landen. Nach der 7. Seillänge trifft man dann auf einen großen Absatz, dem Ende sämtlicher Routen in der Südwestwand. Wenn hier mehrere Seilschaften zusammen treffen, kommt es schließlich zu einem unterhaltsamen Plausch der Eindrücke von der jeweiligen Tour. Oder waren wir an diesem Tag alle einfach nur guter Laune, die frostigen Seillängen hinter uns gebracht zu haben?

Fazit

Auch wenn im Topo der Erstbegeher von einer „guten Absicherung und schönen Genusskletterei“ gesprochen wird, sollte der Anstieg nicht unterschätzt werden. Aber vielleicht fühlt sich der „Weg der Allgäuer“ bei sommerlichen Temperaturen ja ganz anders an …

Tipp

Wer die Klettertour um weitere 4 Seillängen erweitern möchte, kann über einen markanten Vorbau der Südwestwand einsteigen und anschließend nach links zu den üblichen Routen hinüber queren. Der Erstbegeher Walter Hölzler nannte diese Variante „Sechser-Kombination“. Die Kletterei ist durchaus lohnend und entspricht ungefähr dem Charakter der Route „Weg der Allgäuer“.

Schwierigkeit

Maximal 6+, meist 5 bis 6. Der 6. Grad sollte im Vorstieg sicher beherrscht werden!

Absicherung

Da die Erstbegeher in der Regel eher sportlich-alpin ambitioniert sind, wurde die Route teils mit etwas weiteren Hakenabständen eingerichtet. Dazwischen kann gelegentlich mobil entschärft werden. Der Fels ist jedoch nicht immer zuverlässig, daher ist es fraglich, wie gut die Zwischensicherungen halten.

Material

50-Meter-Doppelseil, 10 Exen, Schlingen, evtl. kleine bis mittelgroße Friends

Ausgangpunkt

Hochtannberg Pass, der Parkplatz befindet sich in der Nähe einer Bushaltestelle

Zustieg

Es bieten sich zwei Möglichkeiten an:

a) Vom Parkplatz auf der rechten Seite eines Gebirgsbaches an einer Hütte vorbei und weiter Richtung Widderstein Hütte. Bei einem horizontalen Weg dem Normalweg Richtung Widderstein folgen. Man steigt die Gipfelschlucht ca. 100 Meter hinauf und verlässt den Weg nach links zu einem grasigen Band. Hier kann ca. 150 Meter nach links zu den Einstiegen der Südwestwand-Routen hinüber gequert werden. Dieser Zustieg ist zwar bequemer, die Südwestwand aber schlechter von unten einzusehen. Vom Parkplatz ca. 1,5 Stunden.

b) Vom Parkplatz auf der linken Bachseite auf dem Wanderweg Richtung Hochalp-Pass. Man erreicht eine Weggabelung und hält sich hier rechts rechts Richtung Widderstein. Nach Erreichen einer Hütte wird der Weg ein kurzes Stück flach. Anschließend verlässt man den Weg nach links und geht über einen schwach ausgetretenen Pfad hinauf zu einer markanten Schotterrinne. Am Ende der Rinne gelangt man über Schrofen nach rechts zu den verschiedenen Einstiegen. Dieser Zustieg ist zwar mühsamer, aber die Südwestwand besser einzusehen. Vom Parkplatz ca. 1,5 Stunden.

Abstieg

Sämtliche Kletter-Routen enden auf einem geräumigen Band. An dessen rechten Rand führt ein kurzer Grat hinauf zum Vorgipfel. Über einen flachen Grat gelangt man entlang der Markierungen weiter zum Gipfel des Großen Widdersteins oder nach rechts hinab zum Ausgangspunkt.

Topos

Kletterführer Vorarlberg, www.panico.de

Webinfo

Einen ausführlichen Bericht über die Widderstein Südwest-Wand findet ihr bei www.walter-hoelzler.de

 

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2 Gedanken zu “„Weg der Allgäuer“ am Großen Widderstein

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