Bereits beim Zustieg durch’s Gimpelkar zeigt sich die Südostwand des Gimpels steil abfallend und beeindruckend. Im Laufe der Jahre entstanden hier einige Linien, die mit über 350 Klettermetern zu den längsten auf der Tannheimer Südseite gehören. Mithalten kann da lediglich die Südwand an der benachbarten Roten Flüh.
Die Südostwand ist nach dem Normalweg die leichteste Klettertour am Gimpel. Entlang von Rampen, Bändern und Rinnen folgt sie dem Weg des geringsten Widerstands durch die mächtige Wand. Trotz der meist geringen Anforderungen im 2. bis 4. Schwierigkeitsgrad sollte man eine gewisse alpine Erfahrung besitzen, um sich in der unübersichtlichen Wand vorort zurechtzufinden. Man kann sich hier leicht in die Südostkante oder Südostkaminreihe versteigen.
Die Topos in der Führerliteratur sind oft ungenau, dafür sind die Haken in der Tour meist sichtbar platziert, um den Weiterweg zu finden. Früher gab es hier rote Punkte und richtungsweisende Pfeile um den Weg besser zu finden. Diese Markierungen sind jedoch mittlerweile überwiegend verblasst. Die Route trägt auch den Beinamen „Führerweg“, da sie wegen der überwiegend leichten Kletterei bei geführten Touren beliebt ist.
Durch die zahlreichen Begehungen ist der Fels gut abgeklettert, aber noch kaum abgespeckt. Mittlerweile sind in der Tour nurmehr wenige Seilschaften anzutreffen. Es liegt sicher daran, dass die meisten Kletterer zu den gut gesicherten Plaisir-Routen an der benachbarten Zwerchwand pilgern. In der Südostwand sind die Hakenabstände etwas weiter und die Orientierung schwieriger.
Deshalb ist die Route auch ein geeignetes Programm, um sich an längere alpin angehauchte Routen ranzutasten. Hier kann das Orientierungsvermögen getestet werden. Was den Schwierigkeitsgrad betrifft ist die Tour sehr homogen, die Seillängen mit bis zu 45 Metern relativ lang. Wenn man sich nicht versteigt, gewinnt man schnell an Strecke und es ist ein großartiges Erlebnis durch die eindrucksvolle Felsbastion auf den aussichtsreichen Gimpel zu steigen.
Die Südostwand hat eine längere Entstehungsgeschichte: der untere Teil wurde vermutlich bereits 1921 erstbegangen, über den oberen Teil ist nichts bekannt. 1987 entstand die heutige Linienführung, es sollte eine hakenfreie Linie sein. Als Orientierungshilfe wurden Pfeile angebracht und die Standplätze rot markiert. Da die Sicherungsmöglichkeiten jedoch unzureichend waren, wurden später Normalhaken geschlagen.
Nachdem sich die Tour immer noch als unsicher erwies, fiel auch dieses Dogma und es wurden an zwei exponierten Passagen die ersten Bohrhaken gesetzt. 1997 sanierte die Arbeitsgemeinschaft Tannheimer Berge schließlich die komplette Linie mit Klebehaken. Trotzdem stößt man in der Route immer wieder auf den ein oder anderen Normalhaken oder Sanduhrschlingen.
Schwierigkeit
Überwiegend +/-3, wenige Stellen 4
Absicherung
Die Route ist ausreichend mit Klebehaken und ein paar Normalhaken abgesichert. Gelegentlich können Friends oder Sanduhrschlingen gelegt werden.
Ausrüstung
50-Meter-Einfachseil, 8 Exen, Schlingen, evtl. Friends
Orientierung
Im Einstiegsbereich startet die Tour zwischen der Südostkante und einer rechts gelagerten Rinne. Man klettert über eine markante Rampe 3 Seillängen empor, um rechtshaltend auf ein diagonales Band zu gelangen. Hier geht es 2 Seillängen weiter, anschließend scharf nach rechts 2 Seillängen durch ein Rinnen-System hinauf. Danach führt der Weg wieder 2 Seillängen rechtshaltend, um auf den Normalweg des Gimpels zu gelangen. Von hier geht es unschwierig auf den Gipfel.
Ausgangspunkt
Der Parkplatz befindet sich am westlichen Ortsende von Nesselwängle im Tannheimer Tal.
Zustieg
Vom Parkplatz entlang der Beschilderung zum Gimpelhaus (ca. 1,5 Stunden). Von der Hütte geht man Richtung Gimpel-Normalweg. Ca. 50 Meter links davon befindet sich der Einstieg bei einer Rampe in einer Schlucht. Vom Gimpelhaus ca. 40 Minuten.
Abstieg
Über den Normalweg des Gimpels
Einkehr/Übernachtung
www.gimpelhaus.at
www.dav-kempten.de
Literatur
Kletterführer Allgäu incl. Tannheimer Tal www.panico.de
Webinfo
www.bergsteigen.com
www.deichjodler.com
www.via-ferrata.de
Bildgallerie
