Knupp Huber

Der Allgäuer Griffe-Bauer und Schrauber erzählt …

Knupp es freut mich, dich wieder mal zu treffen und über die guten alten Zeiten zu schwätzen …
Pat, das freut mich auch, höchste Zeit wird’s!

Wir sind hier in der Kletterhalle Ottobeuren. Kann es sein, dass wir uns da kennengelernt haben?
Nein, das war am Gigglstein. Und danach sind wir gleich nach Sperlonga gefahren. Da war doch diese lustige Story, wo wir mit dem Auto durch eine enge Gasse zum Strand hinabgefahren, und unten steckengeblieben sind. Ein Haussbesitzer hat dann nach einiger Zeit das Tor aufgemacht, somit konnten wir auf dem Pflaster wenden. Erste Kratzer im Auto inklusive …

Das ist schon eine Zeit lang her, wie bist du damals eigentlich zum Klettern gekommen?
Der Andi Vogt, ein alter Schulkamerad, hat mich mitgenommen. Ich war dann schnell vom Klettern infiziert. Daraus ist nicht nur die Liebe zum Klettern, sondern auch eine fantastische Freundschaft entstanden.

Hallen gab’s damals ja noch kaum. Was waren dann deine ersten Unternehmungen im Fels?
Wir gingen an den Bock, das ist ein kleiner Klettergarten im Unterallgäu. Die Tannheimer lagen quasi vor der Haustür, und sobald wir mobil waren, ging‘s zum ersten mal nach Arco.

Du warst ja viel mit dem Andi unterwegs, welche Touren sind dir dabei besonders in Erinnerung geblieben?
Ui, das sind viele. Es waren aber nicht zwingend die schweren und wilden Unternehmungen, an die ich zurückdenke. Es waren vielmehr die kleinen Geschichten, über die ich heute noch grinse oder den Kopf schütteln kann. Am Sustenpass sind wir am Pfriendler bei Regen und 2 Grad Celsius geklettert. Da wurden wir ganz schön nass und froren noch dazu. Nach der Tour haben wir in einer Gufel am Einstieg zusammengekuschelt Brotzeit gemacht und waren uns einig, dass das eine doofe Idee war, heute hier zu klettern. Dann kamen noch zwei Kletterer dazu, die uns nach den Verhältnissen fragten. Weil wir tolle Helden waren, haben wir maßlos untertrieben wie wenig nass das alles sei, alles halb so wild und überhaupt. Wir sind dann demonstrativ bei noch kälterem Regen in eine 6a mit 5 Seillängen eingestiegen…

Wir waren mal zu dritt unterwegs: du, der Andi und ich in der Route „Siebenschläfer“ am Grimselpass, kannst du dich daran erinnern?
Ja klar, das war ja auch eine lustige Geschichte zu der Tour: von insgesamt 18 Seillängen ist jeder 6 in Folge vorgestiegen. Ich hab den ersten Part gemacht, der war ziemlich schlecht gesichert. Aber mit maximal 6a dafür auch recht leicht. Dann war der Andi mit den schwersten Längen bis zum Schwierigkeitsgrad 6c+ dran, die waren aber gut eingebohrt und richtig schön. Und du hast dann den Rest bekommen. Es wurde zwar wieder etwas leichter, aber die Kletterei war mit seltsamen Hakenabständen und Bewuchs ziemlich übel. Das war ein krasser Klettertag, weil es auch so heiß war.

Soweit ich mich erinnere, warst du auch mal beim Big-Wall-Klettern im Tessin …
Ja, da haben wir die 10-Seillängen-Tour „Vertrauensbeweis“ erstbegangen. Das war ziemlich spannend, viel technische Kletterei bis A3. Wir sicherten mit Friends, Cliffs, Copperheads, Pecker und andere Schlosserei . Die Stände und wenige Zwischenhaken haben wir gebohrt. Außerdem haben wir die „Insonnia“ im Val Bavona gemacht. Das ist eine anspruchsvolle alpine Sportkletter-Tour mit einer Wandhöhe von 600 Metern. Sie bietet 16 Seillängen mit echtem Big-Wall-Charakter und verlangt eine gute Riss-Klettertechnik. Insgesamt verbrachten wir 3 Tage in der Wand. Am ersten Tag fixierten wir die Seile und seilten dann wieder ab. Am nächsten Tag gab es dann ein ungemütliches Biwak in der Tour.

Damals hattest du ja auch Kontakt mit dem Pesche Wüthrich …
Ja, der war sehr nett. Der hatte einen Kletterladen an der Ponte Brolla. Bei ihm konnten wir übernachten und die Akkus wieder aufladen. Der hatte sich damals als Bergführer auch auf‘s Bigwall-Führen und Ausbilden spezialisiert. Es kam ihm gerade recht, dass wir in seiner Nähe eine Tour eingerichtet haben – und war dann auch einer der ersten Wiederholer.

Heutzutage sichern wir ja überwiegend an Bohrhaken. Mein Eindruck ist, dass dich das Clean-Climbing, also die Absicherung mit Friends, damals ziemlich gereizt hat.
Ja, da hast du recht. Das war schon eine Zeit lang mein Ding. Ich bin nie der stärkste Kletterer gewesen – dafür etwas abenteuerlustiger als andere.

Vor vielen Jahren hast du mal gesagt: Das Klettern bestimmt das Leben, dann erst kommt die Arbeit, oder so ähnlich. Damals warst du sehr motiviert …
Das stimmt schon. Arbeiten um zu Klettern war mein Credo. Aber mit der Zeit habe ich erkannt, dass es einen Mittelweg geben muß. Alles zu seiner Zeit. Heutzutage arbeite ich meist gern – sehe das nicht mehr als Übel, sondern als Herauforderung

Was waren damals deine Lieblingsgebiete in Sachen Fels?
Wir waren viel im Schweizer Granit und in den Dolomiten unterwegs.

Im Winter machst du ja auch Skitouren, warst du auch schon beim Eisklettern?
Ja, aber Skitouren mit Powderalarm sind mir fast lieber.

Irgendwann haben wir uns aus den Augen verloren und du hast eine Familie gegründet. Wie lässt sich das jetzt mit dem Klettern verbinden?
Man klettert anders, auch weniger. Ich freue mich aber, dass ich mit den Kindern den Sport gemeinsam machen kann. Wir gehen zusammen Bouldern, Sportklettern oder auch bereits mittellange Mehrseillängen-Touren.

Du hast ja dann auch mit dem Schrauben angefangen. Ich nehme an, das war in Ottobeuren?
Genau. Ich habe mit dem Andi Vogt 10 Jahre lang die Halle betreut. Der Andi macht das mit seiner Holden ja weiter. Und ich treib jetzt die Boulderhalle in Memmingen um.

Und dann kam das mit dem Herstellen von Griffen, wie bist du eigentlich dazu gekommen?
Zwei Jungs sind eines Tages mit einer Mörtelwanne voller Griffe in die Halle geschneit und haben mich um meine Meinung gefragt. Später wurde ich dann zum Berater der Firma. Die haben in Folge richtig Gas gegeben und wirklich schnell brauchbare Griffe produziert, die ich dann innerhalb meines Netzwerks an andere Hallen vermittelt hab. So wurde ich irgendwann zum Gesicht von „Allgäu-Holds“. Und nun machen wir das bereits seit 15 Jahren.

Wie werden die Griffe eigentlich hergestellt?
Es gibt verschiedene Technologien, die heutzutage bei Klettergriffen verwendet werden. Das Übliche sind immer noch gegossene Griffe. Da wird aus einem Schaumblock ein Prototyp geschnitzt und dann ein Silkonabdruck davon gemacht, in den dann ein Kunstharzgemisch gegossen wird. Nach dem Aushärten ist der Griff dann bis auf‘s Schleifen fertig – die raue Oberfläche entsteht dabei durch das Abformen der Schaumstruktur. Wir gießen etwa dreiviertel aller unserer Formen entweder in PE oder PU. Darüberhinaus haben wir noch Griffe, die aus Holz gefertigt werden. Dazu noch fieberglas-laminierte Griffe sowie 3D-gedruckte. Da sind wir aktuell Vorreiter, wobei bereits ein weiterer großer Hersteller dies ebenso pusht. Außerdem gibt es inzwischen immer mehr Tiefzieh-Thermoplast-Griffe, da sind wir aktuell noch in der experimentellen Phase. Diesbezüglich haben wir noch technische Probleme zu fixen – mal schauen, ob wir das auch irgendwann marktreif hinbekommen.

Welche Formen habt ihr im Angebot?
Wir haben insgesamt ca. 3000 verschiedene Shapes, dazu 500 Holzgriffe. Darunter befindet sich das komplette Sortiment: Fingerlöcher, Slooper, Leisten, Makros, Volumen und so weiter …

Ihr seid ja zu dritt. Wie verteilen sich bei euch die Aufgaben?
Einer macht die Formen und Produktion, der andere leitet das Büro und die Homepage. Ich bin Berater und für die Planung von Anlagen, Marketing, Social-Media sowie für den Verkauf zuständig.

Wie heißt euer Label?
Das sind insgesamt drei: „Allgäu Holds“ und „Evo Holds“, das sind unsere Griffmarken, während „Wandwerk“ unsere Vertriebs- und Beratungsfirma ist. Da verkaufen wir neben unseren Marken noch 20 weitere auf dem Deutschen Markt.

Machst du das mittlerweile hauptberuflich?
Nein, Klettern soll mein Hobby bleiben. Für Volker und Sefi ist das aber der Hauptverdienst. Und für mich ein gutes Taschengeld.

Werden eigentlich immer noch viele Hallen gebaut, oder ist der Markt mittlerweile gesättigt?
Es wird weiter gebaut, aber der Markt wird schwieriger. Die Hallendichte steigt und die Ansprüche der Kletterer mit. Vor 15 Jahren haben die Griffe für eine 15-Meter-Route noch 300 Euro gekostet. Heute sind schnell mal 1000 bis 3000 Euro pro Route drin, während der Eintritt in den Hallen gegebenenfalls von 12 Euro auf 15 Euro gestiegen ist.

Neben dem Verkauf von Griffen bist du ja immer noch fleißig am Schrauben. Boulder oder Vorstieg?
Beides, aber Bouldern ist mir inzwischen lieber.

Warum?
Da kann man mehr mit verschiedenen Bewegungen machen. Moderne Boulder sind weniger kraftausdauerlastig und man benötigt mehr sein Großhirn. Wie sagte Wolgang Güllich in weiser Voraussicht: das Gehirn ist der stärkste Muskel …

Wie sieht eigentlich ein gut geschrauber Boulder aus?
Wenn der Konsument ein Grinsen im Gesicht hat, egal ob er hoch kommt, oder nicht.

Wie sieht eine gut geschraubte Vorstiegsroute aus?
Auch hier gilt grundsätzlich dasselbe wie beim Bouldern – die Routen muss dem Kletterer schmecken und nicht dem Setzer. Um das zu erreichen ist meine Herangehensweise wie folgt: für wen ist die Route? Wie sieht die Zielgruppe aus? Ein 6er soll dem 6er-Kletterer taugen – ob der 9er-Kletterer da beim Aufwärmen feiert oder nicht, ist nicht relevant. Der erste Klettermeter soll dem Schwierigkeitsgrad der Tour entsprechen. Wenn es vom Boden weg zu leicht ist, verlaufen sich die Kletterer in die Tour. Sie sind dann am 4. Haken überfordert und es wird trotz aller Vorsicht schnell gefährlich und frustrierernd. Bis zum zweiten/dritten Haken müssen die Griffe etwas größer und die Positionen stabil sein, damit das Seil sicher geklippt werden kann. Danach folgt die eigentliche Kletterei. Die erste Schlüsselstelle soll am vierten/fünften Haken sein, es folgt eine kurze Ausdauerpassage. Am 7. bis 10. Haken kommt nochmal eine 2. Schlüsselstelle, danach wird es bis zur Umlenkung wieder leichter. Sozusagen als Belohnung, weil der Kletterer die Hauptschwierigkeiten geschafft hat. Gib den Kletterern Zeit sich zu feiern … Primär versuche ich bei alldem die Schwierigkeit selten allein über Kraft oder Kraftausdauer zu gestalten, sondern immer über einen großen Anteil an Bewegungsaufgaben.

In welchen Hallen schraubst überwiegend?
Hauptsächlich in der Boulderhalle in Memmingen. Sonst überall im süddeutschen Raum.

Bist du eigentlich auch buchbar?
Ja klar, immer doch …

Unter welche Adresse?
Die Email lautet: knupp@wandwerk.bayern

Seid ihr ein Team, oder machst du das alleine?
Wir sind einzeln oder als Team buchbar. Wir haben ein recht gutes Netzwerk mit dem wir auch größere Projekte, wie Erstbestückungen gut abwickeln können – ohne dass ein Schraubstil zu dominant wird.

Schrauben und Griffe verkaufen, das lässt sich ja gut mit der Familie vereinbaren. Bleibt da auch noch Zeit zum Klettern übrig?
Ja, aber das hat sich ein wenig verschoben. Zu Hause meist in den Hallen und zu wenig am heimischen Fels, dafür dann in jedem Urlaub umso mehr.

Wo seid ihr die letzten Jahre hingefahren?
Wir reisen gern mit unserem Bus in Europa rum. Zuletzt waren wir in Fontainbleau, Paklenica, in der Schweiz, Briancon, Sizilien usw.

Ich nehme an zum Bouldern oder Sportklettern?
Beides, auch Mehrseillängen-Touren, Klettersteige und zum Wandern. Alles was mit der Familie machbar ist. Jetzt gibt’s halt mehr Ruhetage am See oder Meer – sonst schimpfen die Kids irgendwann …

Wir sind ja nicht mehr die Jüngsten. Was glaubst du, wie kann man sich für’s Klettern fithalten?
Klettern und immer wieder Klettern. Und runterfahren vom Ego, damit man sich nicht verletzt. Lieber mal was Leichteres klettern.

Welche Routen oder Ziele würdest du in Zukunft noch gerne realisieren?
Die „Polimagio“ im Val di Mello mit dem exponierten Quergang auf der Platte. Im weiteren Ausland wäre das „Wadirum“ in Jordanien. Und dann natürlich USA, mit allem was dazu gehört: Yosemite, usw. Aber ich glaub, dafür muss ich nochmal trainieren – und die Kids müssen auch größer werden. Das nehm ich mir als Ziel wenn ich in dein Alter komm, lach …

Willst du sonst noch was in Sachen Klettern loswerden?
Seid nett zu euren Routenbauern und Erschließern…

So, Knupp, jetzt essen wir mal Pizza im Bistro, vielen Dank für’s Gespräch und lass es dir schmecken …
Danke für die Einladung, Pat

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