Kleiner Falzarego-Turm Südkante (Comici)

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Der Kleine Falzarego-Turm zählt zu den beliebtesten Klettergebieten moderater Schwierigkeitsgrade in den Dolomiten. Bereits beim Zustieg erblickt man von einer zerfallenen Kaserne aus in der sonnenbeschienenen Ostwand das Gewusel kletternder Seilschaften, die in den klassischen Linien der „Comici, Dibona, Ghedina oder Via della Guide“ unterwegs sind. Das Routennetz ist fast schon unüberschaubar. Vor allem in den Sommermonaten ist hier mit Stau zu rechnen, es sei denn man steigt früh morgens oder nach einem ausgelassenen Brunch ein.

Der Belagerungszustand hat seine Gründe. Die spitze Felsnadel verschwindet zwar etwas unter ihrem großen Bruder, dennoch ist sie mit ihrem nur wenige Quadratmeter großen Gipfel sehr fotogen. Der Zu- und Abstieg ist relativ kurz und überschaubar, die Routen als Halbtagesziel tauglich. Dazu kommt ein bombenfester, gründlich abgeklettert und wunderbar griffiger Fels, so wie man ihn von der Pala-Gruppe kennt.

Im Zeitalter des Plaisirkletterns fragt man sich allerdings, wie die Masse an Kletterern mit der Absicherung hier klarkommt: eingerichtet sind meist nur die Stände, dazwischen befinden sich gelegentlich einzementierte Eisenbügel, die trotz des Rostes einen soliden Eindruck erwecken. Die Normalhaken aus vergangenen Zeiten sind längst gezogen, es wird nichts nachgeschlagen, dafür gibt es ja diverse Sanduhren und Friends in allen Größen. Geblieben ist allerdings eine teils beängstigende Politur an manchen Engpässen, die den ursprünglichen Dolomiten-Schwierigkeitsgrad um ein bis zwei Stufen erhöht.

Doch nun zur Südkante am Kleinen Falzarego-Turm. Bereits 1934 vom legendären Emilio Comici erstbegangen, ist sie schon längst ein Klassiker. Sie startet im unteren Teil zuerst geradeaus, später etwas linkshaltend durch ein Riss- und Verschneidungs-System, unterbrochen von steiler Wandkletterei. Wegen verschiedener Varianten ist die Orientierung nicht immer ganz einfach, das Topo will genau gelesen werden. Dazu orientiert man sich am besten an den Spuren zahlreicher Begehungen.

Die dritte Seillänge verläuft zunächst kurz nach rechts, gleich darauf wieder linkshaltend durch eine glatte, kaum absicherbare und zwingend zu kletternde Riss-Verschneidung. Noch einmal kurz schwer und unübersichtlich, danach befindet man sich auf der breiten Südkante mit schöner und gut griffiger Kletterei, die verschiedene Varianten zulässt. Die Schwierigkeiten nehmen nun bis auf wenige Passagen bis zum Gipfel hinauf ab.

Etwas abenteuerlich wird es dann noch beim Abstieg: Da sehr exponiert, klettert man am besten seilgesichert nach rechts ca. 20 Meter bis zu einem Abseilstand hinab. Nach weiteren 20 Metern erreicht man eine breite Scharte. Von hier geht es nach links durch eine enge Schlucht mit diversen kurzen Klettereinlagen im 3. Grad zurück zum Ausgangspunkt.

Am unteren Ende der Schlucht berührt man den Wandfuß des Großen Falzarego-Turms. Hier kann im Anschluss bei genügend Motivation bzw. Zeit- und Kraftreserven noch weiter durch die Westwand gestiegen werden. Nach weiteren 4. Seillängen im 3. Dolomitengrad steht man auf dem zweiten Gipfel der Falzarego-Türme. Somit ergibt sich ein lohnendes, tagesfüllendes Kletter-Programm und man kann sich unten beim Ristorante „Da Strobel“ auf ein kühles Getränk freuen …

Schwierigkeit
Gemäß der klassischen Dolomiten-Bewertung 3 bis 4+. Realistisch betrachtet darf ein ganzer Grad dazu gerechnet werden, auch wegen der Politur an manchen Passagen.

Absicherung
An den Ständen befinden sich einzementierte Eisenbügel. Dazwischen gibt es vereinzelt Normalhaken, Bügel und Sanduhrschlingen. Es ist immer wieder mit zwingenden Kletterpassagen und Runouts zu rechnen. An manchen Stellen können Friends oder Schlingen gelegt werden.

Ausrüstung
50-Meter-Einfach- oder Doppelseil, 10 Exen, Schlingen und Friends, Abseilausrüstung

Ausgangspunkt
Ca. 1 km östlich der Falzarego-Passhöhe beim Ristorante „Da Strobel“. Der Parkplatz befindet sich am gegenüberliegenden Sessellift.

Zustieg
Vom Ristorante „Da Strobel“ auf einem Wanderweg bis zu einem Querweg hinauf. Hier nach rechts zu einem zerfallenen Kasernen-Gebäude. In einem Rechts-Links-Bogen zum Wandfuß und weiter links bis zu einer markanten Kamin-Verschneidung. Der Einstieg befindet sich ca. 8 Meter rechts bei einem Eisenbügel bzw. verblassenen Farbmarkierung. Ca. 45 Minuten.

Abstieg
Man steigt vom höchsten Punkt ca. 20 Meter gesichert bis zur Abseilstelle hinab. Hier ca. 20 Meter in eine Scharte abseilen. Von der Scharte geht es durch die enge Schlucht mit Kletterpassagen bis zum 3. Grad zurück zum Wanderweg bzw. Ausgangspunkt. Ca. 45 Minuten.

Literatur
Klettern in Cortina d’Ampezzo und Umgebung tmms-shop.de

Webinfo
www.quackensturm.de
www.alpintouren.com
7a-akademie.com
www.hikr.org

Bildgallerie

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