Eisklettern am Tankstellen-Fall

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Der Tankstellen-Fall zählt zu den bekanntesten Eisfällen im Tannheimer Tal. Namensgebend ist die gegenüberliegende Tankstelle (ehemals Aral) westlich der Ortschaft Haldensee. Wegen des kurzen Zustiegs und der Überschaubarkeit ist der Eisfall traditionell recht beliebt. Er ist von der Straße aus gut einzusehen, deshalb kann man sich schnell ein Bild von den aktuellen Eisverhältnissen machen. Wegen der nordseitigen Lage und des tiefen Einschnitts liegt das Eis fast den ganzen Winter über ganztätig im Schatten.

Man geht zuerst durch den Wald, später führt der Zustieg durch ein gestuftes Bachbett. Bereits hier trifft man gelegentlich auf vereiste mehr oder weniger lange Aufschwünge, die mit Steigeisen und Eisgeräten begangen werden. Danach legt sich der Bachlauf wieder zurück und man erreicht den eigentlichen Beginn des Tankstellen-Falls, der durch größere Felseinlagerungen getrennt wird. Es gibt insgesamt zwei logische Linien: während die linke Eisspur oft schmal ausgeprägt ist, findet man im rechten Bereich meist einen üppigen Eispanzer.

Linke Variante: Aral-Fall
Es ist die einfachste Möglichkeit durch den Tankstellen-Fall zu klettern. Kurze Stufen wechseln sich mit kleinen Absätzen ab. Das Eis kann stellenweise etwas dünn sein, deshalb sind kürzere Eisschrauben vorteilhaft. 2 Seillängen mit jeweils WI 2 – 3 sind Programm. Am Ende trifft man auf eine Felswand und quert über ein Band diagonal nach rechts zum Abseilstand an Normalhaken, die mit Schlingen verbunden sind.

Rechte Variante: Rote-Flüh-Fall
Das Eis bricht meist senkrecht über die Wand ab, deshalb ist die erste Seillänge mit WI 4 zu bewerten. Durch das gesprüht-gefrorene Wasser bilden sich jedoch gute Haltepunkte an allerlei Schlitzen. Danach legt sich das Gelände mit WI 2 – 3 etwas zurück und ist wesentlich kompakter. Man gelangt linkshaltend zum Abseilstand mit Normalhaken mit Schlingen.

Absicherung
Die Eisfälle müssen durchgehend mit Eisschrauben abgesichert werden. Am letzen Stand des Rote-Flüh-Fall befinden sich Normalhaken und Schlingen an einer kleinen Felswand.

Ausrüstung
60-Meter-Doppelseil, komplette Eisausrüstung mit langen und kurzen Schrauben für dünnes Eis.

Ausgangspunkt
Ortschaft Haldensee am westlichen Seeufer. Am besten parkt man in der Nähe des Wellness-Hotels „Liebes Rot Flüh“.

Zustieg
Vom Hinterhof des Hotels geht man über die Loipe linkshaltend zu einem Holzstadel hinauf und geradeaus weiter in den Wald hinein. Man trifft auf ein Bachbett und geht am linken Rand weiter bis zum Beginn des ersten Eisaufschwungs. Vom Parkplatz ca. 15 Minuten.

Abstieg
Der letzte Stand beider Eisfälle befindet sich bei einer kleinen Felswand. Von hier aus kann an einer mit Normalhaken fixierten Schlinge 60 Meter bis zum Beginn des Eisfalls abgeseilt werden. Anschließend steigt man zu Fuß zu einem Felsblock ab und legt das Seil darüber, um weitere 20 Meter abzuseilen. Man erreicht auf der linken Seite ein paar Bäumchen, die sich für die letzte Abseilstrecke anbieten.

Literatur
Eiskletterführer „Bregenz bis Garmisch“ www.panico.de

Bildgallerie

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1 Gedanke zu „Eisklettern am Tankstellen-Fall“

  1. Am Tankstellen-Fall herrschen derzeit gute Bedingungen. Der Aral-Fall hat eher wenig Eis. Wir stiegen in den rechts gelagerten Rote-Flüh-Fall ein. Hier gibt es deutlich mehr Gefrorenes. Die erste Seillänge WI 4 hat zwar gute Schlitze für die Eisgeräte, es ist aber trotzdem sehr anstrengend an den gefrorenen Wasseradern und Stalaktiten zu klettern. Das Eis hielt gut, so konnten wir immer wieder an den Schrauben ruhen. Nach ca. 30 Metern legte sich die Cascade wieder zurück, dann ging es wieder gutgriffig und angenehmer weiter. Im flacheren Gelände war das Eis von den letzten Neuschneefällen bedeckt. Mit einem 60-Meter-Seil kann komfortabel über den ganzen Eisfall abgeseilt werden. Lediglich beim Rückweg durch das vereiste Bachbett mussten wir an Blöcken und Bäumen zum Abseilen improvisieren. Die gesamte Tour ist ein eindrucksvolles Erlebnis, auch was die verschiedenen Eisformationen betrifft. Zuweilen gab es Schaufenster-Eis, wo man hinter den dünnen Eisschichten das Wasser plätschern sieht …

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