Klettern bei Tautavel

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Rund 30 Kilometer von der Mittelmeer-Küste entfernt, kurz vor den Pyernäen, ist Tautavel eine Hochburg der Vorgeschichte. Das 1000-Seelen-Dorf wurde international bekannt durch den 1971 in einer nahegelegenen Höhle gefundenen „Homme de Tautavel“. Dieser Urmensch lebte vor rund 450 000 Jahren in der Gegend. Schon sehr bald hat sich Tautavel zu einem touristischen und kulturellen Zentrum entwickelt. Zudem spielt auch der regional flächendeckende Weinanbau schon immer eine große Rolle.

Aber wir waren ja nicht nur wegen eines Höhlen-Menschen und zur Weinprobe in Tautavel. Es war schon sehr gewagt, unseren Winter-Kletterurlaub 25/26 in Pyrenäen-Nähe zu verbringen. Die hohen Berge waren bereits weit herab verschneit, doch wir konnten an sonnigen Tagen einigen lohnenden Klettergebieten einen Besuch abstatten. Umgeben von schönen Kalkwänden bietet der Ort auf 30 Sektoren verteilt weit über 400 Sportkletterrouten in allen Schwierigkeitsgraden. Damit ist es das größte zusammenhängende Klettergebiet im Departement Pyrénées Orientales ganz im Süden Frankreichs.

Im Rahmen einer Entwicklungs-Strategie hat die Gemeinde Tautavel schon vor Jahren den kulturellen Tourismus auf Outdoor-Aktivitäten ausgeweitet. Dies ist ihr besonders beim Thema Klettern gelungen: An den umliegenden Felswänden sind sämtliche Kletterrouten perfekt mit rostfreiem Material ausgestattet, und dies mit angenehmen Bohrhaken-Abständen. Die Umlenkungen sind überwiegend mit Kettenständen eingerichtet, wo das Seil durch Ringe gefädelt werden muss. Lediglich die Beschilderung zu den Klettergebieten ist etwas bescheiden, aber dafür gibt es ja einen wenn auch französischsprachigen Kletterführer.

Im Zirkel von wenigen Autominuten samt kurzen Zustiegen gibt es Klettergärten für jeden Anspruch. Geneigte Kalkplatten für weniger Geübte bis hin zu steilen rotbraunen Sinter-Wänden sind Programm. Darunter befinden sich Sektoren mit einer Vielzahl leichter Routen in den unteren Graden, aber auch Gebiete für die gehobene Klasse. Je nach Ausrichtung der Felsen und herrschender Jahreszeit kann wunschweise in der Sonne oder im Schatten geklettert werden. Für Ruhetage oder Schlechtwetter gibt es die Möglichkeit Burgen oder höher gelegene Berge in der Umgebung zu erkunden.

Tautavel liegt am Rande eines Berghangs, auf dessen Gipfel zerfallene Mauerreste einer alten Festung übriggeblieben sind. Das schmucke Ortsbild ist von vielen engen Gassen, steilen Treppen und gestutzten Pappeln geprägt. Darunter befindet sich die Hauptstraße mit einigen Bars, Restaurants und Museen, die lediglich saisonal ab Frühjahr geöffnet sind. Im Winter wirkt das Dorf ziemlich verschlafen, da der große Tourismus ausbleibt. Für den täglichen Bedarf gibt es jedoch ganzjährig einen Mini-Markt mit allem was man braucht, eine Apotheke und Bäckerei. Sehenswert sind auch die vielen Weinkellereien samt Führung und Weinprobe. Und was uns besonders gefallen hat: Die Menschen in Tautavel sind überaus freundlich …

Routenangebot
In 30 Sektoren gibt es fast 450 Routen in allen Schwierigkeitsgraden. Hier eine kleine Auswahl an Klettergebieten, die wir besucht haben:

Les Gouleyrous
Einer der touristischen Magneten von Tautavel ist die Schlucht „Les Gouleyrous“. Zwischen den hohen Felswänden zwängt sich ein Fluß hindurch, der sich im Sommer zum Baden eignet. Beidseitig des teilweise mit Drahtseilen versicherten felsigen Ufers gibt es in 14 Sektoren 176 Routen in allen Schwierigkeitsgraden. Der Schwerpunkt liegt bei 6a aufwärts. Bei hohem Wasserstand liegt der Wandfuß unter Wasser und manche Routen sind dann nicht mehr zu erreichen. Am Schluchteingang gibt es auf der linken Seite im Sektor „Initation“ auch viele leichte Linien im Bereich 3a bis 6a. Der kompakte Kalk bietet viele Schlitze, Löcher und Henkel. Hier ist der Zustieg recht kurz, deshalb sind die Routen gut besucht. Wegen dem schönen Ambiente gehört die Schlucht zum Pflichtprogramm eines Kletterurlaubs. Am Parkplatz befindet sich ein prähistorisches Freiluft-Museum mit urzeitlichen Funden, was sich nach dem Klettern anbietet. Das Gebiet liegt zwischen Tautavel und Vingrau.

Le Moulin
Der sonnig gelegene Klettergarten bietet 10 Routen im Schwierigkeitsgrad 5b bis 7a, der Schwerpunkt liegt bei 6a. Es handelt sich um steile Wandkletterei mit kleinen Löchern, Schuppen und Henkeln. Der Fels ist sehr kompakt und die Routen ordentlich lang. Das Klettergebiet ist wegen der schönen Routen und des kurzen Zustiegs von Tautavel aus sehr zu empfehlen.

Les Deux Frères
Hier gibt es 7 gut gesicherte Routen im Schwierigkeitsgrad 3a bis 5c. Die kleine und wenig steile Plattenflucht bietet sich vor allem für Anfänger oder weniger Geübte an. Man klettert meist auf Reibung mit schmalen Schuppen und Leisten. Der Klettergarten ist sonnig gelegen und von Tautavel aus gut zu Fuß erreichbar.

Chant de Tirs
In der großen, leicht geneigten Plattenflucht gibt es 15 Routen im Schwierigkeitsgrad 5a bis 5c. Wegen der humanen Bewertung sowie guten Absicherung ist der Klettergarten auch für weniger geübte Kletterer empfehlenswert und deshalb sehr beliebt. Die Linien sind überwiegend bis zu 30 Meter lang und bieten sehr kompakten, gut strukturierten Fels. Das Gebiet ist nordwestseitig im Schatten gelegen und von Tautavel zu Fuß erreichbar.

La Bousquet
Der Sektor beinhaltet 18 Routen im Schwierigkeitsgrad 5b bis 7c. Es gibt allerdings nur wenig leichte Linien, der Schwerpunkt liegt bei 6a bis 6b – und die sind hart bewertet. Das Gebiet befindet sich unweit von Tautavel und ist landschaftlich schön und sonnig gelegen. Wenn der kalte Tremontana-Wind weht, ist es hier relativ windstill. Der raue, rotgraue Fels bietet gute steile und lange Routen. Durch den kurzen Zustieg ist das Gebiet schnell erreichbar.

La Petite Falaise
An der kleinen Wand gibt es 15 Routen von 4c bis 6c. Der Schwerpunkt liegt bei 5c bis 6a. Die kurzen Routen mit bis zu 10 Metern Länge sind zwar gut gesichert, aber hart bewertet. Der Fels ist sehr kompakt und oft extrem rau bzw. scharfkantig. Das versteckte Gebiet befindet sich zwischen Tautavel und Vingrau, es ist landschaftlich schön und sonnig gelegen. Wegen den kurzen Routenlängen ist das Gebiet wenig frequentiert – hier findet man seine Ruhe.

Saint Martin
Am Hausberg von Tautavel gibt es in 4 Sektoren 51 Routen in allen Schwierigkeitsgraden. Der Schwerpunkt liegt bei 6a aufwärts, vor allem in Höhlen und Grotten. Es gibt aber auch einige leichtere Linien für weniger geübte Kletterer. Im Sektor „Initiation“ sind es an einer kleinen geneigten Platte sogar 7 Routen im 3. und 4. Schwierigkeitsgrad, die für Kinder geeignet sind.

St. Martin Wanderung
Der aussichtsreiche breitgezogene Berg über Tautavel bietet sich für Ruhetage oder unsicherem Wetter an. Am Ortsrand von Tautavel führen enge Pfade durch’s Gestrüpp. Für die Wanderung benötigt man gut eine Stunde.

Absicherung
Die meisten Routen bei Tautavel sind gut mit Klebehaken oder Schwerlastankern gesichert.

Ausrüstung
Ein 70-Meter-Sportkletterseil und 12 Exen sind ausreichend.

Bewertung der Schwierigkeiten
Die meisten Kletterrouten sind hart bewertet. In den leichteren Routen bis 5c ist die Bewertung dagegen etwas humaner.

Beste Reisezeit
Frühjahr oder Herbst. Im Winter kann es recht frisch werden, wenn die Sonne nicht scheint.

Unterkünfte
In Tautavel gibt es einige Ferienwohnungen, die sich für einen längeren Aufenthalt eignen. Die Unterkünfte in den engen Häuserreihen sind oft renoviert und bieten einen einfachen, aber ausreichenden Standard. Wir wohnten bei „La Parenthèse“, einer 3-Etagen-Wohnung mit Dachterasse für 4 Personen mitten in Tautavel, buchbar bei booking.com. Die Wohnung war sauber, heizbar, gut eingerichtet und ist deshalb absolut empfehlenswert. Im Zeitraum von gut 2 Wochen bezahlten wir für 4 Personen ca. 1600 Euro.

Camping Tautavel
Der Campingplatz mit Pool ist am Ortsrand von Tautavel sehr schön gelegen. Siehe www.lecampingdetautavel.fr

Literatur
Kletterführer Tautavel tmms-shop.de

Webinfo
www.thecrag.com
www.tautavel-tourisme.com
www.outdooractive.com

Bildgallerie

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