Klettern an der Trettachspitze

Klettern an der Trettachspitze

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Es gibt Berge in den Allgäuer Alpen, auf denen sollte man einmal gestanden sein. Die Trettachspitze – das Matterhorn des Allgäus – so könnte man das markante Felshorn auch bezeichnen. Formschön nach allen Seiten hin steil abfallend, und sogar die beiden Normalwege erfordern Klettererfahrung samt Schwindelfreiheit. Es ist der höchste Berg in den Allgäuern, der vollkommen auf deutschem Boden steht. Der Gipfel bietet einen sagenhaften Blick auf die benachbarte Mädelegabel bis hinüber zur Höfats, dem Wahrzeichen der Allgäuer Alpen. Und er bietet auch eingerahmte Biwakplätze – ein Traum, den ich mir einmal gönnen möchte … Der Aufstieg zur Trettachspitze über den Wildengundkopf ist besonders reizvoll, hier erlebt man noch eine vielfältige Botanik, was man in den Tälern schon längst nicht mehr findet …

Mittlerweile sind die Wände an der Trettach rundum mit einigen alten und modernen Routen eingedeckt. Aber nicht alles, was man in den Händen hält ist dabei fest. Hier stößt man auf den typischen Allgäuer Fels, der behutsames Klettern erfordert: splittrige Passagen und labile Griffe wechseln mit kompakten Zonen ab. Allein der Zustieg durch die Schlucht für die Routen auf der Westseite ist ein Abenteuer für sich: überall Schutt und lose Blöcke – Old School im Gebirge – so waren wir vor der Sportkletterzeit unterwegs und suchten beharrlich den jeweiligen Einstieg. In den Routen war es dann nicht anders. Aber keine Angst: wer sich auch mit dem Normalweg über den Nordwestgrat zufrieden gibt, den erwartet richtig schöne und kompakte Kletterei bis zum 3. Schwierigkeitsgrad bis zum Gipfel hinauf.

Die Routen auf der Nordseite

Hier befinden sich die beiden Normalwege über den Nordost- bzw. Nordwestgrat. Der Nordwestgrat ist eindeutig der Schönere bzw. Kompaktere und zugleich vielleicht der schönste Normalweg mit Klettercharakter auf einen Gipfel der Allgäuer Alpen. Oft wird auch die Überschreitung beider Grate gemacht. Dabei sind Schwierigkeiten bis zum 3. Grad zu bewältigen. Vereinzelt trifft man auf Zwischenhaken, die Stände sind durchgehend gebohrt und für’s Abseilen eingerichtet.

Zwischen den beiden Normalwegen ist unter anderem der Direkte Nordriss mit Schwierigkeiten bis zum unteren 8. Grad eingebettet. Die Tour wurde mittlerweile von Walter Hölzler saniert und lässt sich nun relativ sicher begehen – vorausgesetzt, man beherrscht die anspruchsvolle Kletterei.

Die Routen auf der Westseite

Neben den Normalwegen ist der „Schwarze Riss“ (5+) der Klassiker an der Trettachspitze schlechthin. In jüngerer Zeit sind modernere Routen wie „Spiel der Geister“ (7) und „The show must go on“ (6-) hinzugekommen.

The show must go on (6-)

Die Tour wurde 1993 von Robert Jasper und Stefan Meineke erstbegangen. Beschreibung der Erstbegeher: „Ideale Linie durch den beeindruckend steilen 340m hohen Nordwestwand-Vorbau. Extreme Genusskletterei ersten Ranges. Sicherlich eine der schönsten Trettach-Führen. Auf den Begeher warten eine Fülle abwechslungsreicher Stellen in meist verschwenderisch griffigem und festem Fels. Platten und rißdurchzogene Verschneidungen dominieren“. Inzwischen wurden die Standplätze mit Bohrhaken ausgestattet, Zwischensicherungen sind keine vorhanden, lassen sich aber fast immer gut anbringen. Empfehlenswert für Liebhaber des „Clean Climbing“. Abstieg über die West-Rinne oder Weiterweg über den Schwarzen Riss bzw. Spiel der Geister.

Schwarzer Riss (5+)

Der „Schwarze Riss“ lockte schon immer die erfahrenen Kletterer an die Trettachspitze. Er wurde bereits 1935 von Kaspar Schwarz und Gefährten erstbegangen. Schon 1895 hatten Ernst Enzensberger und Julius Richter versucht die Wand auf dieser Linie zu durchsteigen. Sie mussten damals aber noch vor den eigentlichen Rissen zur Südkante ausweichen. Der Schwarze Riss bietet 6 Seillängen abenteuerliche Kletterei, wie es für die alten Routen in den Allgäuer Alpen oft typisch ist. Nicht alles ist fest und die Orientierung ist zuweilen auch nicht ganz eindeutig. Die Standplätze sind zwar gebohrt, vereinzelt gibt es auch ein paar Schlaghaken bzw. gebohrte Zwischenhaken. Zustieg über die West-Rinne, am Ausstieg gelangt man auf den Nordwestgrat (Normalweg).

Spiel der Geister (7)

Von den wirklich schweren Routen an der Trettachspitze die vielleicht meist begangene. Trotz des abenteuerlichen, teilweise gelb-rotem Fels-Ambientes bietet die Tour überraschend schöne und kompakte Kletterpassagen. Der von Matthias Robel erstbegangene Weg wurde mittlerweile von Walter Hölzler saniert. Zustieg über die West-Rinne bis hinauf zu einer hellen Verschneidung mit Sanduhrschlingen am Einstieg. Gemeinsame 1. Seillänge mit dem Schwarzen Riss. Ausstieg auf den Nordwestgrat (Normalweg). Weitere Infos siehe www.walter-hoelzler.de

Die Routen auf der Südseite

Zustieg über die gesamte West-Rinne. So wie bereits beim Zustieg abenteuerliches Terrain, nicht sanierte Routen (Südkante bzw. Südwand) bis zum unteren 6. Schwierigkeitsgrad. Selten wiederholt, definitiv die ruhigeste Ecke an der Trettachspitze.

Die Routen auf der Ostseite

Die Trettach Ostwand befindet sich in einem sehr schwierig zugänglichen und abgeschiedenen Gebiet. Neben der alten klassischen Ostwand-Führe gibt es mittlerweile 3 moderne Bohrhaken-Routen und die haben vor allem eines gemeinsam:  bis zu 14 Seillängen lang, wechselnde Felsbeschaffenheit und je nach Route Schwierigkeiten bis zum 8. Grad. Wegen der Ernsthaftigkeit und Wegfindung nur den versierten Alpinisten zu empfehlen. Weitere Infos siehe www.walter-hoelzler.de

Absicherung

Sämtliche Routen sind nur an den schwierigen Passagen mit Bohrhaken ausgestattet. Dazwischen können gelegentlich Friends und Schlingen gelegt werden.

Ausrüstung

Doppelseil, 12 Exen, Friends und Schlingen

Ausgangspunkt

Stillachtal bei Oberstdorf. Der Parkplatz befindet sich ca. 500 m nach der Fellhornbahn-Talstation.

Zustiege

Generell empfiehlt es sich, die ca. 6 Kilometer lange Teerstraße vom Parkplatz nach Einödsbach mit dem Bike zurückzulegen. Danach gibt es zwei Möglichkeiten:

a) Von Einödsbach nach links entlang der Beschilderung zum Waltenberger Haus. Ca. 3 Stunden. Für die Kletterouten quert man die Trettachspitze auf der Westseite nach links, um zu den einzelnen Wänden bzw. Routen zu gelangen. Nähere Details siehe Literatur bzw. Webinfo.

b) Anstieg über den Wildengundkopf. Der landschaftlich sehr schöne Aufstieg umgeht den Umweg über das Waltenberger Haus und und wird oft als Tagestour unternommen. Bezeichnend sind die Ruhe und Reichhaltigkeit der Botanik. Von Einödsbach nach links Richtung Waltenberger Haus. Nach ca. 300 Meter befinden sich auf der linken Seite ein paar Felsblöcke. Dort zweigt nach links ein unscheinbarer Pfad ab, der in den Wald hinein führt. Nach einer Stunde erreicht man die Alpe Einödsbach und geht geradeaus weiter hinauf zum Wildengundkopf. Hier wird die Nordseite der Trettachspitze mit den beiden Normalwegen sichtbar. Bis hierher ca. 3 Stunden. Für die Routen an der Westseite steigt man nach rechts Richtung Waltenberger Haus ab. Bei einem von links herabziehenden Wiesenhang steigt man zum Beginn der markanten Schlucht auf und nach rechts weiter zu den Einstiegen der Routen Schwarzer Riss, Spiel der Geister, Südkante usw. Die Einstiege an der Ostwand sind links des Nordostgrats erreichbar. Jeweils ca. eine Stunde mehr.

Stützpunkt

Waltenberger Haus, neu errichtet und modern ausgestattet. waltenbergerhaus.de

Literatur

Kletterführer Allgäu www.panico.de

Bildgallerie

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