Klettern unter der Gaichtpass-Brücke

Klettern unter der Gaichtpass-Brücke

Während der Klettergarten an der alten Gaichtpass-Straße regelmäßig besucht wird, schlummern die Mehrseillängen-Routen unter der Gaichtpass-Brücke im Dornröschenschlaf vor sich hin. Nach langer Zeit hatte ich den beiden Routen wieder einmal einen Besuch abgestattet und festgestellt, in welch krassem Ambiente man sich hier eigentlich befindet. Die ca. 60 Meter hohe Wand liegt düster unter dem rießigen Bogen der Gaichtpass-Brücke und in regelmäßigen Abständen nimmt man das dumpfe Brummen der Fahrzeuge wahr.

Der Kletterführer Allgäu Rock listet die beiden Routen „Local Hero“ und „Bitter Sweet“ zwar auf, doch es macht nicht den Eindruck, dass hier regelmäßig Kletterer unterwegs sind. Der Felsabbruch liegt so versteckt, dass niemand auf die Idee kommt, hier zu klettern. Im Winter 2019 begrub ein rießiger Felssturz einen Teil der alten Gaichtpass-Straße unter sich. Dieser Umstand macht es nicht einladender, über Felsbrocken und Geröll zu den untenliegenden Einstiegen abzusteigen.

Obwohl die Anstiege gut mit Bohrhaken abgesichert sind, besitzen sie doch teilweise einen etwas herben Abenteuer-Charakter, aber auch schöne Kletter-Passagen. Vor allem in der „Bitter Sweet“ ist der Fels nicht immer ganz fest und es muss behutsam geklettert werden. Gelegentlich trifft man auf alte Eisenstangen, die vom Bau der Straßenbrücke zeugen. Die letzten Klettermeter sind etwas schrofig und man steigt über eine Mauer zur alten Gaichpass-Straße hinauf. Wer sich im alpin angehauchten Felsgelände wohlfühlt und den etwas  abenteuerlichen Zustieg nicht scheut, ist hier richtig.

Aufgrund des kurzen Zustiegs bieten sich die Anstiege vor allem bei unsicherem Wetter oder kleinem Zeitfenster an. Vor allem im Frühjahr, wenn in den Bergen noch Schnee liegt, ist dies ein geeignetes Ziel, da die Wand schnell ausapert. Im Anschluss kann auf der alten Gaichtpass-Straße bei den Sportkletter-Routen weiter geklettert werden. Hier befinden sich ca. 20 Anstiege im Schwierigkeitsgrad 4 bis 8.

Das Klettergebiet ist westseitig ausgerichtet und ab ca. 15 Uhr scheint hier die Sonne. Nach dem Klettern bietet sich die Einkehr im nahegelegenen Gaichtpass-Stüberl an. Auf dessen Parkplatz können Durchreisende gut im Auto oder Wohnmobel übernachten.

Local Hero

Der Anstieg besitzt Sportkletter-Charakter und bietet steile Wandkletterei in überwiegend kompaktem Fels. Die Tour ist zwar noch wenig abgeklettert, kann jedoch trotzdem empfohlen werden. Nach obenhin legt sich die Wand etwas zurück. Schwierigkeit: Maximal 7+, 6+ obligatorisch.

Better Sweet

Der Einstieg befindet sich wenige Meter rechts aufsteigend in einer Nische. Die Route ist aufgrund weniger Begehungen noch kaum abgeklettert. Es muss vor allem in der ersten Seillänge immer wieder mit splittrigen Passagen gerechnet werden. Die zweite Seillänge ist dann kompakter, aber auch um einiges steiler und ausgesetzter. Schwierigkeit: max. 6+, 6 obligatorisch

Absicherung

Perfekt mit Bohrhaken. An den Ständen befinden sich jeweils zwei Bohrhaken.

Material

50-Meter-Einfachseil, 12 Exen. Es besteht dringende Helmpflicht!

Ausgangspunkt

Kiosk an der Alten Gaichtpass-Straße zwischen Nesselwängle und Weißenbach. Die Zufahrt befindet sich bei der großen Gaichtpass-Brücke

Zustieg

Vom Kiosk über die Mauer und ca. 100 Meter entlang der alten Gaichtpass-Straße. Vor dem großen Wandausbruch nach rechts über Geröll und Schrofen entlang des Wandfußes bis zum tiefsten Punkt absteigen. Zustiegszeit vom Parkplatz ca. 10 Minuten.

Einkehr

Im Gaichtpass Stüberl in der Nähe des Parkplatzes.

Topos

Kletterführer Allgäu Rock www.gebro-verlag.de

Bildgallerie

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