Rubihorn Nordwand

Rubihorn Nordwand

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Die Wasserfälle unterhalb der Gaißalpseen sind im Winter ein beliebtes Revier der Eiskletterer. Die Überschaubarkeit von ca. 1 bis 5 Seillängen und moderate Schwierigkeiten bis M 3 sorgen bei guten Verhältnissen gelegentlich für regen Betrieb. Infolge der Klimaerwärmung lassen Wärmeeinbrüche oder Dauerregen das kostbare Eis jedoch immer wieder dahinschmelzen.

Seit der Jahrtausendwende ist nun auch die nahegelegene Nordwand des Rubihorns in den Blickpunkt der Winterbergsteiger gerückt. Bereits auf der Schnellstraße von Sonthofen nach Oberstdorf fällt die mächtige Wand, die aus einer bestimmten Perspektive fast schon wie der Eiger aussieht, linkerhand ins Auge. Lange Zeit unbeachtet, doch im Zeitalter des Mixed-Kletterns gehört sie mittlerweile zum begehrten Ziel der einschlägigen Szene. Der relativ kurze und einfache Zustieg trugen sicher mit dazu bei. Seit der Veröffentlichung in Eiskletterführern und durch zahlreiche Internet-Beiträge wuchs die Bekanntheit auch über die Grenzen des Oberallgäus hinaus.

Die Rubihorn Nordwand ist ein kleines Testpiece für größere Alpine Unternehmungen. Mittlerweile existieren in der Wand ca. eine Handvoll Touren unterschiedlichen Anspruchs. Der leichteste Aufstieg ist die Klassische Nordwand-Führe mit moderaten Schwierigkeiten bis M 4. Etwas schwerere Routen wie „Carpe Diem, Eis am Stil, Ruby Tuesday und Ice on the Rocks“ wurden u. a. von dem bekannten Local Walter Hölzler oder Alban Glaser aus der Ulmer Kletterszene erstbegangen. Diese Anstiege sollten trotz vorhandener Bohrhaken nicht unterschätzt werden. Vor nicht allzu langer Zeit wurden hier trotz vorhandener Abseilpisten mehrere Seilschaften bei Dunkelheit mit dem Hubschrauber rausgeflogen. Von der nahegelegenen Gaißalpe wurden Scheinwerfer auf die Wand gerichtet und dadurch die Rettung in der Nacht ermöglicht.

Mein erster Durchstieg durch die Klassische Nordwand-Führe war ein Plaisir-Erlebnis. Gut gesetzter, leicht angefrorener Schnee im März und vorhandene Spuren ließen uns schnell vorankommen. Bei einer weiteren, aktuellen Begehung wollten wir die „Carpe Diem“ antesten. Bereits in der ersten Seillänge wurden wir von Spindrifts und Lockerschnee-Lawinen mehrmals überschüttet. Schnell wurde klar, die „Klassische“ ist an diesem Tag die bessere Option. Der für den Abend angekündigte Wetterumschwung setzte jedoch bereits mittags ein, die Neuschneemenge nahm unaufhaltsam zu. Nachdem wir bereits am Wandbuch angekommen und die Hauptschwierigkeiten hinter uns waren, entschieden wir uns für die Flucht nach vorn. Es folgte eine endlos lange Wühlerei bis zum Hals Richtung Gipfel, abgehende Neuschnee-Schichten und kurz vor dem erreichten Ziel eine herabbrechende Wächte. Auf dem Gipfel waren wir im Schneesturm nah dran den Heli zu rufen …

Der Abstieg, im Führer steht da lapidar „über den Sommerweg“. Super, heute sah das alles ganz anders aus wie im Sommer bzw. bei meiner früheren Begehung. Massenhaft Schnee, Lawinengefahr, schlechte Sicht. Aus der Ferne erkannten wir ein Gedenkreuz und die Wegweiser zurück ins Tal. Es folgte die obligatorische Wühlerei durch meterhohen Schnee hinüber bis zur Gratkante. Mit dem Seil an den Wegweisern gesichert, brachen wir eine Wächte ab und rutschten über den Steilhang zum Unteren Gaisalpsee hinab. Gerettet, möchte man meinen. Der Rückweg zur Gaisalpe im meterhohen Sink-Schnee zog sich dahin und führte ohne vorhandene Wegspuren, dafür zahllos irreführende Wildpfade, in der Dunkelheit Richtung Nirvana. Mit Stirnlampen, viel Glück und dem richtigen Riecher gelangten wir schließlich völlig durchnässt wieder am Parkplatz an …

Schwierigkeit

Die Rubihorn-Nordwand ist auf der Klassischen Route bei guten Verhältnissen für geübte Allrounder sicher kein allzu großes Problem. Bei geringer und gut gesetzter Schneemenge können weite Strecken zügig durchstiegen werden. In der unteren Hälfte befinden sich gelegentliche Felspassagen bis zum 4. Mixed-Schwierigkeitsgrad, die Felsqualität ist meist gut. Eingestreute, gefrorene Grasnarben erlauben teilweise eisähnliches Klettern.  Auf dem gängigen Wanddurchstieg besteht je nach Verhältnissen jedoch selten Eisberührung. Trotzdem ist das Klettern mit Steigeisen und Eisgeräten an den Steilstufen vorteilhaft. Nach dem Mixed-Felsteil lassen die Schwierigkeiten deutlich nach. Der obere Wandbereich bietet steile Schneehänge bis zu 45 Grad Neigung. Bei größeren Neuschneemengen und nicht vorhandenen Spuren ist mit anstrengender Wühlerei und Lawinengefahr zu rechnen. Die Wand kann schon sehr früh im Winter bei geringer Schneelage durchstiegen werden. Sie wurde außerdem schon mehrmals mit Skiern befahren.

Absicherung

In den Felspassagen befinden sich richtungsweisende mit Normalhaken und Schlingen gesicherte Stände. Im Bereich des Wandbuchs und eine Seillänge darunter trifft man auf Bohrhaken von Überschneidungen anderer Routen.  Dazwischen muss die Absicherung überwiegend selbst vorgenommen werden. In den Felszonen können gelegentlich Friends und Schlingen gelegt werden. Je nach Schneemenge stößt man vereinzelt auf vorhandene Normalhaken oder Schlingen. Gelegentlich kann auch an Latschen gesichert werden. Die weiten Schneehänge werden meist am laufenden Seil begangen.

Material

Einfachseil, 6 Exen, Schlingen, kleine bis mittelgroße Friends, Steigeisen, Eisgeräte, Helm, Gamaschen.

Talort

Reichenbach (867 m). Zwischen Sonthofen und Oberstdorf in den Allgäuer Alpen. Der Parkplatz für die Gaisalpe liegt am oberen Ortsrand.

Zustieg

Man folgt der Straße Richtung Gaisalpe. Weiter oben nicht nach links zur Gaisalpe, sondern geradeaus über den Forstweg weiter durch den Wald. Später führt ein meist ausgetretener Pfad rechts unterhalb der Richtersalpe zu den Gaißalpfällen bzw. unter die Rubihorn-Nordwand. Hier nach rechts über das langgezogene Schneefeld geradeaus empor und bis an dessen Ende aufsteigen. Auf einem vorgelagerten Sport stehen ein paar Latschekiefern. Der nahezu ebene Rastplatz bietet sich für das Anseilen an.

Orientierung

Vom Rastplatz über das Schneefeld zunächst geradeaus empor. Danach je nach Einhaltung der Stände ca. 5 Seillängen konstant diagonal rechtshaltend. Man klettert stets auf dem leichtesten bzw. logischsten Weg über verschneite Platten, kurze Gullys und Aufschwünge empor. Dabei sind auch gelegentlich schwierigere Varianten möglich. Am Ende des Felsteils gelangt man über ein langgezogenes Schneefeld 2 Seillängen hinauf zu einem Felsriegel mit Stand. Von hier geht es weitere 2 Seillängen empor, die zu einem großen markanten Felsdreieck mit Stand am Bohrhaken mit roter Schlinge führen. Nun ca. 30 Meter entlang der Wand nach links zum Wandbuch mit Bohrhakenstand. Von hier ausgesetzt wieder etwas links haltend und anschließend über das langgezogene Schneefeld geradeaus empor Richtung Gipfel. Gelegentlich kann an Felsköpfen oder Latschen gesichert werden. Hier wird meist am laufenden Seil gegangen.

Abstieg

Bei geringer Schneemenge sind Spuren des Normalwegs zu erkennen. Man steigt vom Gipfel ca. 100 m Richtung Süden (Oberstdorf) ab. Anschließend quert man nach links unter mehreren Felstürmen in Richtung des markanten Grates, der die West- und Ostflanke des Rubihorns voneinander trennt. In Kammnähe steigt man nach rechts zu einem Gedenkkreuz und Wegweiser ab. Man befindet sich nun in der Scharte am tiefsten Punkt des Grates. Hier steigt man nach Osten (Vorsicht Wächten) über den breiten Kessel, später linkshaltend durch einige Latschen zum Unteren Gaißalpsee ab. Rechterhand wird der Obere Gaißalpfall (100 m, M 3 bis 4) sichtbar. Der See wird etwas ansteigend rechts umgangen. Nun immer in nördliche Richtung an der rechten Hangseite entlang absteigen. Der Weg führt immer wieder durch kurze Waldstücke entlang des Sommerwegs, der meist eingeschneit ist. Bei nichtvorhandenen Spuren bzw. Wildpfade ist die Orientierung teilweise schwierig. Man gelangt schließlich zur Unteren Richtersalpe und weiter zum Forstweg hinab zum Ausgangspunkt.

Tourdaten

Zustieg zur Wand: ca. 1,5 Stunden
Kletterzeit: ca. 4 bis 5 Stunden
Abstieg: ca. 2,5 Stunden
Wandhöhe: ca. 500 m
Mixed-Bewertung: max. M 4
Hangneigung: bis max. 45 Grad

Beste Jahreszeit

Januar bis April

Unterkunft

Zahlreiche Unterkünfte im südlichen Oberallgäu

Literatur

Eiskletterführer „Bregenz bis Garmisch“, www.panico.de

 

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