Der Aggenstein ist sicher der begehrteste Wanderberg im Tannheimer Tal. Trotz des langen Zustiegs von zwei Stunden zählt die darunterliegende Bad Kissinger Hütte an guten Tagen bis zu 400 Tagesgästen. Und die meisten davon gehen dann noch auf den nahegelegen Aggenstein mit einer herrlichen Rundumsicht vom Alpenvorland bis zum Allgäuer Hauptkamm. Dementsprechend ist der Normalweg beängstigend abgespeckt, an den steilen Passagen mittlerweile jedoch mit Drahtseilen versichert.
Was das Klettern betrifft hat der Berg auch einiges zu bieten, allen voran die Südwand, sie zählt zu den beliebtesten Zielen im Tannheimer Tal. Allerdings ist das Routennetz unüberschaubar, die Hakenabstände weit und die Kletterei für den angegebenen Schwierigkeitsgrad durchaus anspruchsvoll. Im unteren teil ist es oft kleingriffige Plattenkletterei mit regelmäßigen Runouts. Immerhin sind die Hakentypen der verschiedenen Routen unterschiedlich, dennoch verirren sich Seilschaften regelmäßig in eine der benachbarten Linien.
Weitaus übersichtlicher geht es da in der Südwestkante, links der Südwand-Anstiege zu. Die Richtung ist klar vorgegeben und vereinzelte Haken an den exponierten Passagen weisen den Weg. Man bewegt sich meist auf der leicht geneigten Kante, an gelegentlichen Steilstufen heißt es mal kurz zupacken. Der Fels ist durch zahlreiche Begehungen gut abgeklettert und im 3. Grad sehr homogen. Lediglich die Hakenabstände sind etwas weit, es finden sich aber immer wieder Placements, um Keile oder Friends zu legen. Insofern ist die Tour eine gute Möglichkeit sich an alpine, nicht übersicherte Kletterrouten rantzutasten. Es ist bestimmt die gängigste Alternative an der Südwand des Aggensteins.
Durch die südseitige Ausrichtung sind hier an milden Wintertagen oder bereits ab dem Frühjahr die ersten Kletterer anzutreffen. Es ist ein idealer Ort für den Saisoneinstieg, um sich für den bevorstehenden Sommer vorzubereiten. Die Bad Kissinger Hütte liegt strategisch günstig nicht weit von den Kletterrouten entfernt und es kann hier mehr als ein Wochenende am Fels genossen werden.
Schwierigkeit
Überwiegend +/-3, zwei Passagen 3 bis 4, erst am Ende leichter werdend
Absicherung
Die Standplätze sind mit Ringen ausgestattet. Dazwischen befinden sich gelegentlich Normal- und Bohrhaken an den exponierten Passagen. Es können auch immer wieder Keile, Friends und Schlingen gelegt werden.
Ausrüstung
50-Meter-Einfachseil, 6 Exen, Keile, Friends, Schlingen
Ausgangspunkt
Grän im Tannheimer Tal. Der Parkplatz für die Bad Kissinger Hütte befindet sich am nördlichen Ortsausgang.
Zustieg
Vom Parkplatz entlang der Beschilderung zur Bad Kissinger Hütte (ca. 2 Stunden). Nun folgt man dem Wanderweg zum Aggenstein hinauf. Sobald der Weg steiler wird geht linkshaltend ein Pfad zur Südwand des Aggensteins hinab (von der Hütte ca. 30 Minuten). Man quert die Südwand ganz nach links bis zum letzten Standhaken. Hier führt eine grasige Flanke linkshaltend diagonal zur Südwestkante hinauf. Vom Parkplatz insgesamt ca. 2,5 Stunden.
Abstieg
Über den Normalweg zurück zur Bad Kissinger Hütte. Ca. 40 Minuten.
Unterkunft
Bad Kissinger Hütte badkissingerhuette.at
Literatur
Kletterführer Allgäu incl. Tannheimer Tal www.panico.de
Webinfo
www.bergsteigen.com
www.climbers-paradise.com
bergparadiese.de
www.outdooractive.com
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