In den Dolomiten gab es die letzten Jahre viele kontroverse Diskussionen über die Absicherung mit Bohrhaken. Ältere Generationen und Puristen meinen, dass der Alpinismus vom Risiko und der Eigenverantwortung lebt. Das setzen von Bohrhaken verändere den Charakter der historischen Wände und verfälsche bei Sanierungen der alten Klassiker das Erbe der Erstbegeher.
Jüngere Alpinisten hingegen trainieren heutzutage oft in Hallen oder Sportklettergärten, die mit Bohrhaken abgesichert sind. Die meisten davon haben kein großes Interesse am Risiko, vielmehr soll eine vernünftige Absicherung Unfälle vermeiden. Sie betonen, dass Klettern ein moderner Breiten- und Outdoorsport sei. Der Spaß und das Klettern in höheren Schwierigkeitsgraden steht dabei im Vordergrund.
Es geht weniger um das Sanieren der alten Klassiker, vielmehr um den Stil bei künftigen Erstbegehungen in den Dolomiten. Im Focus stehen dabei kompakte geschlossene Wände ohne natürliche Linien, die ohne den Einsatz von Bohrhaken nicht möglich wären. Mit der Zeit kam man schließlich zur stillschweigenden Übereinkunft, dass jeder eine neue Route in dem von ihm bevorzugten Stil einrichten kann. Der Südtiroler Alpinist und Publizist Andreas Gschleier meint dazu: „Ich denke, wir sollten Tradition und Moderne in sanftem Stil verschmelzen lassen.“
Mit dem Erscheinen des Kletterführers „Dolomiti New Age“ im Jahr 2020 bekommen wir einen Einblick in die modernen Alpinen Kletterrouten der Dolomiten. Das Buch beinhaltet 130 Linien, die mit Bohrhaken ausgestattet sind. Sicher hat sich seitdem wieder einiges getan. So begegneten wir in der Scharte zwischen dem Kleinen und Großen Falzaregoturm einem Solo-Erstbegeher, der sich mühsam eine steil abweisende Wand hinaufkämpfte. Wenn die Tour fertig ist, sind es 12 Seillängen bis zum Schwierigkeitsgrad 8a, wie er meinte …
Etwas gemütlicher geht es da in der „Bella e Monella“ zu. Lassen wir den Grödener Erstbegeher Mario Dibona zu Wort kommen: „Ich hatte zuerst begonnen, die Wand im Alleingang in Selbstsicherung zu klettern, dann kam Nicola dazu und gemeinsam mit Andrea beendeten wir schließlich die Route. Die Linie auf den Torre Piccola di Falzarego ist sehr abwechslungsreich mit Verschneidungen, Platten und Querungen in fast immer bestem Fels. Auch die Absicherung mit Bohrhaken entspricht ganz meinem Stil.“
Seit der Erschließung im Jahr 2019 ist die Bella e Monella, was soviel heißt wie „schön und frech“, nun gut abgeklettert. Die Tour bietet durchgehend schöne und abwechslungsreiche Klettermeter. Es handelt sich meist um steile Wandkletterei, die durch spannende Quergänge unterbrochen wird. Die überhängende Schlüsselpassage ist dem unteren 7. Grad entsprechend an kleinen Griffen sehr kraftraubend. Auch wenn die „Bella“ nicht immer ganz einfach ist, lockt sie wegen der schönen Kletterei und guten Absicherung immer mehr Seilschaften an. Mittlerweile zählt die Route zu den modernen Klassikern am Falzaregopass.
Schwierigkeit
Überwiegend 5a bis 6a, gelegentlich leichter, maximal 6a+, (6a obligatorisch)
Orientierung
Wegen der vielen Routen in der Ostwand des Kleinen Falzaregoturms ist die Wegfindung nicht immer ganz einfach. Am besten orientiert man sich an den geschraubten Plättchen mit einem zusätzlichen Ringhaken an den Ständen. Die Tour startet am beschrifteten Einstieg zwischen den traditionellen Routen der Comici und Ghedina. Die erste Seillänge führt am Ende rechtshaltend zum Stand auf geräumigem Absatz. Nun geht es über eine längere Strecke divers senkrecht, später über eine griffige Platte mit Normalhaken geradeaus bis zur überhängenden Headwall hinauf. Der Stand befindet sich am linken Ende eines breiten Bandes. Hier leitet ein diagonal ansteigender Rechts-Quergang in gelbem Fels zur senkrechten 6a+ Schlüsselpassage empor. Danach klettert man geradeaus weiter, später scharf linkshaltend über einen exponierten Quergang Richtung Südkante hinaus. Etwas rechts davon immer leichter werdend, führen die letzten Meter schließlich zum Gipfel hinauf.
Absicherung
Die Route ist in den schweren Passagen ausreichend bis gut mit Bohr- und Normalhaken abgesichert. In den leichteren Längen ist mit diversen Runouts zu rechnen. An wenigen Stellen können zusätzlich Sanduhrschlingen oder Friends gelegt werden.
Ausrüstung
50-Meter-Einfach- oder Doppelseil, 12 Exen, Schlingen, Friends, Abseilausrüstung
Ausgangspunkt
Ca. 1 km östlich der Falzarego-Passhöhe beim „Ristorante Strobel“. Der Parkplatz befindet sich beim gegenüberliegenden Sessellift.
Zustieg
Vom „Ristorante Da Strobel“ auf dem Wanderweg bis zu einem Querweg hinauf. Hier geht es nach rechts bis man ein zerfallenes Kasernen-Gebäude erreicht. Ein Rechts-Links-Bogen führt zum Wandfuß und weiter links Richtung einer markanten Kamin-Verschneidung. Der Einstieg befindet sich ca. 10 Meter rechts davon und ist mit einem Metallschild beschriftet. Ca. 45 Minuten.
Abstieg
Man steigt vom höchsten Punkt ca. 20 Meter gesichert bis zur Abseilstelle hinab. Hier ca. 20 Meter in eine Scharte abseilen. Von der Scharte geht es durch die enge Schlucht mit Kletterpassagen bis zum 3. Grad zurück zum Wanderweg bzw. Ausgangspunkt. Ca. 45 Minuten.
Literatur
Kletterführer Dolomit New Age klettern-shop.de
Webinfo
www.alpenvereinaktiv.com
www.youtube.com
Bildgallerie

