Lange Zeit lag die mächtige Südwestwand des Großen Widdersteins mit lediglich einer alten, klassischen 4er-Tour im Dornröschenschlaf. Das sollte sich ändern, als 1996 die beiden Hiltinatoren Heinrich & Tolksdorf das Potential erkannten und die erste Bohrhaken-Linie der Allgäuer Alpen durch die graue, steil abweisende Wand legten. Nach der Jahrtausendwende sind dann weitere anspruchsvolle Wege dazu gekommen und mittlerweile wird das dominante Massiv regelmäßig von Kletterern besucht.
„Hiltimanie“, das hört sich eher plaisirmäßig an, doch vorort lässt man sich auf ein durchaus spannendes und zugleich forderndes Abenteuer ein. Es handelt sich oft um kleingriffige Wandkletterei, gewürzt mit kurzen Verschneidungen, athletischen Dächern und Traversen im allgäu-typischen Hauptdolomit. Die wirklich schweren Stellen sind zwar gut gesichert, doch so bald es etwas leichter wird, nehmen auch die Hakenabstände zu, was die Orientierung in der unübersichtlichen Wand deutlich erschwert.
Ich erinnere mich an eine kurze Rechts-Querung, die laut Führer zu einer „leicht überhängenden Verschneidung im 4. Grad führt“. Die Wahrheit ist der 5. Grad und man kommt nie auf die Idee hier hochzuklettern, da zunächst weit und breit kein Haken in Sicht. Vielmehr gilt es eine versteckte Sanduhr zu entdecken, am Ende der Verschneidung geht es dann völlig unklar und brüchig nach links. Dies erklärt, warum sich nach dem 3. Stand nicht wenige Seilschaften in den nahegelegenen Anderl-Heckmaier-Weg verirren. Das Topo will genau gelesen werden …
Zwischen den bequemen Standplätzen sind die Seillängen oft recht lang und was den Anspruch betrifft, die Schwierigkeitsgrade im Führer oft unterbewertet. Die Hiltimanie endet auf einem großen Schuttband, anschließend kann linkshaltend über die Heckmaier-Route mit ähnlichem Charakter weitergestiegen werden. Die Kletterei verliert sich schließlich am Vorgipfel des Großen Widdersteins.
Man sollte man es nicht verpassen, im Anschluss noch auf den Hauptgipfel zu steigen. Der Rundumblick reicht vom Bodensee und Alpenvorland bis in’s südlich gelegene Verwall und Rätikon. Danach wartet ein langer Abstieg zurück zum Hochtannbergpass, der unterwegs auf der Widderstein Hütte für Speis und Trank unterbrochen werden kann …
Die Kletterrouten an der Südwestwand des Großen Widdersteins
Schwierigkeit der Hiltimanie
Überwiegend 5 bis 6, selten leichter. Maximal 6+ (6 obligatorisch)
Absicherung
Die Route ist ausreichend bis gut mit Bohrhaken abgesichert. Je nach Schwierigkeitsgrad variieren die Abstände. Gelegentlich ist mit mehr oder weniger langen Runouts zur rechnen. An den Ständen sind 2 Bohrhaken mit Schlingen verbunden, dazu ein großes Kettenglied zum Abseilen. Es können auch immer wieder Friends gelegt werden.
Ausrüstung
50-Meter-Einfach- oder Doppelseil, 10 Exen, Friends, Schlingen
Ausgangspunkt
Hochtannbergpass/Vorarlberg. Der Parkplatz befindet sich ca. 3 km westlich von Warth, in der Nähe des Hotels Adler.
Zustieg
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite bei einer Hütte entlang des Wanderwegs ca. eine Stunde zur Widderstein Hütte hinauf. Von hier folgt man dem beschilderten Normalweg zum Großen Widderstein durch eine markante Rinne. Im unteren Drittel des Normalwegs zieht ein teils geräumiges Ringband linkshaltend entlang der Südwestwand des Vorgipfels. Nach ca. 150 Metern erreicht man den angeschriebenen Einstieg mit roter Plakette „Hiltimanie“. Gleich links davon befindet sich der Anderl-Heckmaier-Gedächtnis-Weg. Vom Parkplatz ca. 1,5 bis 2 Stunden.
Abstieg
Am Ende der Tour erreicht man den Vorgipfel des Großen Widdersteins. Ein kurzes Stück weiter führt rechtshaltend der Normalweg zum Ausgangspunkt hinab. Alternativ kann in einer weiteren halben Stunde zum Großen Widderstein aufgestiegen werden.
Einkehr/Übernachtung
Widderstein Hütte www.widdersteinhuette.at
Literatur
Kletterführer Vorarlberg www.panico.de
Webinfo
festivaltour.de
felsblog.com
ulligunde.com
Bildgallerie


