Das Rätikon rund um die Lindauer Hütte, birgt die eindrucksvollsten Felsformationen der nördlichen Kalkalpen. Bereits beim Aufstieg durch’s sanft ansteigende Gauertal kommen die drei Drusentürme langsam zum Vorschein und es wird wohl jeder Wanderer innehalten, um sie in der Ferne liegend zu bestaunen. Nach gut 2 Stunden ist man an der Lindauer Hütte angekommen, wo die Szenerie ihren Höhepunkt erreicht. Ein besonderer Blickfang sind auch die mächtige Sulzfluh sowie die markante Sporerplatte – eine rießige, schief abfallende Felsplatte, die von den rechten beiden Türmen herabzieht. Was das Ambiente betrifft, geht’s kaum besser …
Die landschaftlich schön gelegene Hütte ist vor allem bei Bikern und Wanderern beliebt, um zu verweilen oder den seit 1907 bestehenden botanischen Alpengarten zu bestaunen. Und es sind auch nicht wenige Kletterer anzutreffen. Rund um die Hütte gibt es Routen für jeden Geschmack, vor allem an der Bilkenwand, Gamsfreiheit oder am Gelbeck. Die berühmten Wände befinden sich jedoch auf der Schweizer Seite des Rätikons, die mit einem etwas längeren Zustieg über’s Drusentor zu erreichen sind.
Wer es etwas gemütlicher angehen will, dem sei der Klettergarten unweit der Lindauer Hütte empfohlen. Ein Fahrweg führt in einer gemütlichen halben Stunde über die Obere Sporalpe in‘s fantastisches Almgebiet „Blena Maisäß“ inclusive Kuhglocken-Geläute zu den Ausläufern des großen Drusenturms hinauf. Für Unterhaltung während dem Klettern ist den ganzen Tag über gesorgt …
Gleich nach der Jahrtausendwende sind an der bis zu 120 Meter hohen Wand die ersten Routen von Montafoner Bergführern entstanden. Später baute der Vorarlberger Erschließer Marco Wasina das Routenangebot weiter aus und sanierte die Linien später wieder. Die Felsen über den steilen Weiden von „Blena Meisäß“ ergänzt nun das Kletterangebot rund um die Lindauer Hütte um ein vielseitiges Plaisirgebiet, vorwiegend in den mittleren Schwierigkeitsgraden.
Über 60 Routennamen samt Bewertung sind am Wandfuß vermerkt, wodurch die Orientierung im Gebiet erleichtert wird. Wegen der guten Absicherung und auch teils einfachen Routen in den unteren Graden ist der Klettergarten auch für Anfänger oder Kurse geeignet. In den längeren Touren mit mehreren Ständen können sich die Aspiranten für’s Mehrseillängen-Klettern samt Abseilerei rantasten.
Es handelt sich oft um Platten, Risse und Verschneidungen, in den leichteren Abschnitten ist auch mit Grasbüscheln zu rechnen. Der Fels ist rätikon-typisch sehr kompakt und durch zahlreiche Begehungen gut abgeklettert. Wegen der nordseitigen Lage kann hier angenehm an heißen Sommertagen geklettert werden. Das Gebiet eignet sich ebenso für unsichere Wetterlagen, da der Rückzug von den Routen und Rückweg zu den Hütten unproblematisch ist.
Für den Zugang ist ein E-Bike empfehlenswert, da man praktisch bis zum Anschlag unter den Klettergarten fahren kann. Somit reduziert sich der Zeitaufwand vom Tal auf eine Stunde. Auf dem Rückweg sollte man es nicht verpassen, auf der Oberen Spora Alpe einzukehren. Hier wird der traditionelle „Sura Kees“ (Sauermilchkäse) seit Generationen im Sommer direkt vor Ort handwerklich hergestellt. Nach dem Klettern mit leerem Magen ein Gedicht …
Routenangebot
In 10 Sektoren gibt es ca. 65 Routen mit einer Wandhöhe von bis zu 120 Metern. Es sind hauptsächlich Sportkletter-Routen, es führen aber auch einige Mehrseillängen-Linien durch die ganze Wand. Vom 3. bis zum 8. Schwierigkeitsgrad ist für jeden Anspruch etwas geboten. Es handelt sich jedoch meist um Routen in den mittleren Graden 5 bis 6.
Die Mehrseillängen-Tour „Klappe, die 1.“
Im Gegensatz zu den Sportkletter-Routen sind hier die Hakenabstände etwas weiter – somit ist mit zwingenden Kletterpassagen zu rechnen. Dazu sind die Schwierigkeitsangaben streng bewertet, was die Tour zu einer anspruchsvollen Unternehmung macht. Der untere 7. Grad sollte beherrscht werden. Die Kletterei ist jedoch sehr schön und zugleich spannend.
Absicherung
Die Sportkletter-Routen sind perfekt mit Bohrhaken abgesichert. In den Mehrseillängen-Touren sind die Hakenabstände etwas weiter. Keile und Friends können gelegentlich eingesetzt werden.
Ausrüstung
70-Meter-Sportkletterseil, 12 Exen, Abseilausrüstung. Für die Mehrseillängen-Touren ist ein 50-Meter-Doppelseil vorteilhaft.
Ausgangspunkt
Latschau im Montafon. Der Wanderparkplatz befindet sich kurz nach dem Feuerwehrhaus auf der rechten Seite, in der Nähe des Stausees und der Talstation der Golmerbahn.
Zustieg
Man folgt der beschilderten Fahrstraße durch’s Gauertal zur Lindauer Hütte (ca. 2,5 Stunden). Von hier geht es nach rechts über die Obere Spora-Alpe zum bereits sichtbaren Klettergarten „Blena Maisäß“ (ca. 30 Minuten). Bei einer Abflachung ist es nur noch ein Katzensprung linkshaltend zu den Felsen hinauf. Wesentlich schneller und bequemer ist die Auffahrt mit dem E-Bike in ca. 1 Stunde.
Abstieg
Abseilen über die Routen.
Einkehr/Übernachtung
Lindauer Hütte lindauerhuette.com
Alpe Spora www.montafon.at
Literatur
Alpin-Kletterführer „Vorarlberg“ www.panico.de
Webinfo
www.bergsteigen.com
www.montafon.at
alpenverein-lindau.de
Bildgalerie

