„Via Franzsika am Kühbach

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Der „Kühbach“ zwischen Musau und Reutte dürfte wohl eher den außerferner Canyoning- oder Eiskletter-Fans ein Begriff sein. In einer älteren Auflage des Allgäu-Führers wird hier aber auch ein Felstour beschrieben: „die Via Franziska ist eine nette, leicht zu erreichende Route, an der alpin unerfahrene Seilschaften die Grundsätze des Kletterns im 2. bis 4. Schwierigkeitsgrad einüben können“. Ein Blogger bei „Hikr.org“ weiß da ein bisschen mehr: eine Seillänge 6+, sonst II – IV+. Und der Daniel hat mir erzählt: man kann die schwerste Länge auch umgehen. Ein paar vage Infos gab’s, so stand die Tour ohne genaues Topo irgendwann auf dem Plan …

Es war einer dieser unerträglich heißen Juli-Tage und wir wollten nicht schon wieder durch’s malerische Reintal zur Tannheimer Nordseite hinaufradeln. Vom Parkplatz „Musauer Alm“ ist es dagegen nur ein Katzensprung zum Einstieg der sagenumwobenen „Via Franziska“ hinüber. Alles schön im Schatten gelegen und das letzte Rinnsal des Kühbachs hat den 200 Meter langen Canyon noch mit angenehmer Kühle versorgt. Es war die richtige Zeit, um der ausgeaperten Cascade einen Besuch abzustatten …

Die ersten einfachen Längen mit variablen Ständen führten genussvoll zu einem markanten Rücken hinauf, der an kleinen Tritten und auf Reibung am glatten Fels Laune aufkommen ließ. Elegante Kletterei mit einem kleinen Runout im oberen 5. Grad sorgte kurz für Spannung. Danach wurde es wieder leichter, bis wir einen etwas schwereren, plattigen Aufschwung erreichten. Bei angemessener Absicherung alles kein Problem, doch wir verabschiedeten uns nun vom scheinbar leichten Klettergelände …

Es folgten zwei weitere kleingriffige Wände mit fiesen Schlüsselpassagen, die auch rechts einfacher umgangen werden können. Im weiteren Verlauf klettert man überwiegend an den etwas weniger anspruchsvollen Seitenwänden der engen, glatten Schlünde des Canyons. Einmal muss kurz abgestiegen werden, um das Bachbett zu durchqueren. Bei fließendem Wasser ist es praktisch unmöglich die Tour zu bewältigen. Es sei denn, man ist mit imprägnierten Seilen und Neopren-Ausrüstung unterwegs …

Nach sechs Seillängen standen wir schließlich in einem großen, ausgetrockneten Becken. Der wenig erfreuliche Gedanke an’s Abseilen veranlasste uns, noch ein paar Meter exponiert A-Null an der linken Schluchtwand weiterzuklettern, vielleicht gibt es da die Flucht nach oben? Fehlanzeige, Sackgasse: wir standen zwischen steil aufragenden, mit Kaminen durchzogenen Wänden am oberen Ende des Canyons. Unmöglich da rauszukommen. Es half nichts, der Rückweg erfolgte durch die engen Schlünde der Franziska …

Jetzt wussten wir Bescheid: der Begriff „Schulungstour“ trifft lediglich auf den unteren, flacheren Bereich des Canyons zu. Hier ist mit moderater und schöner Kletterei auf kompakten Kalkplatten zu rechnen. Der gestufte Fels ist von der Kraft des Wasser immer wieder massiv abgeschliffen oder ausgehöhlt. Nach oben hin wird es dann deutlich abenteuerlicher: Da es an vielen Stellen unmöglich ist, durch den glatten Bachlauf zu steigen, klettert man überwiegend an den seitlichen Begrenzungswänden auf trockenem, grauem Fels. Der ist oft kleingriffig und bis zum oberen 6. Grad teilweise anspruchsvoll. Auch wenn man die Schlüsselpassage rechts umgeht – danach wird es nicht viel leichter …

Es ist schon ein eindrucksvolles Ambiente, entlang der wassergefüllten Tümpel und ausgespülten Gletschermühlen zu klettern. Mit klassischem Alpinismus hat das wenig zu tun, vielmehr mit Canyoning im Aufstieg. Die Tour eignet sich vor allem für heiße Hochsommertage, wenn die Cascade möglichst wenig Wasser führt. Sie ist nordseitig ausgerichtet und seitlich vom Wald eingebettet, deshalb klettert man überwiegend im Schatten. Beim Abseilen lässt es sich oft nicht vermeiden, das Seil vom Wasser in den Tümpeln zu retten. Wegen des geringen Zustiegs von wenigen Schritten, ist es die Via Franziska ein geeignetes Halbtagesziel, aber auch bei unsicherem Wetter.

Schwierigkeit
Unten 3 bis 4, oben 5 bis 6+ (6 obligatorisch)

Absicherung
Die Tour ist ausreichend bis gut mit Bohrhaken abgesichert. An manchen Passagen müssen die Haken kleingriffig angeklettert werden.

Ausrüstung
50-Meter-Doppelseil, 10 Exen, Schlingen, Abseilausrüstung

Ausgangspunkt
Parkplatz Musauer Alm bei der Bärenfalle zwischen Musau und Reutte.

Zustieg
Man geht von der obersten Parkmöglichkeit kurz durch den Wald zum Beginn des Canyons (ca. 1 Minute).

Abstieg
Abseilen durch den Canyon, teilweise seitlich davon

Webinfo
www.hikr.org

Bildgallerie

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