3. Kirchlispitze Nord-Verschneidung

0
(0)

Die Kirchlispitzen im Grenzgebiet des Rätikon zwischen Österreich und der Schweiz gehören zu den legendärsten Klettergebieten im Alpenraum. In 1990er-Jahren wurde an deren Südwänden Geschichte geschrieben: Der Vorarlberger Beat Kammerlander eröffnete hier u. a. „Die unendliche Geschichte, Kampfzone und WoGü“, anspruchsvolle Kletterei jenseits der 8a-Grenze. Letztere hat er keinem geringeren als Wolfgang Güllich gewidmet. Die Routen stehen immer noch hoch im Kurs, wo sich die besten Kletterer der Welt die Hände reichen.

Etwas weniger spektakulär geht es da auf der Nordseite zu. Das Angebot ist eher dünn gesät, dennoch gibt es eine kleine Auswahl gängiger Linien. Darunter ist die Nordverschneidung der 3. Kirchlispitze eine der bekanntesten und meistbegangenen klassischen alpinen Kletterrouten Vorarlbergs im 4. bis 5. Grad. Sie bietet fantastische, teils exponierte Platten- und Verschneidungskletterei an rauem, solidem Rätikon-Kalk mit spektakulärem Tiefblick auf den türkisblauen Lünersee.

Die Route folgt einer logischen und zugleich riesigen Verschneidungslinie auf der rechten Seite der Nordwand, die wie ein „geöffnetes Buch“ gerade emporzieht. Die erste Seillänge kann seilfrei über eine seichte, teils brüchige Rinne angegangen werden, bevor die markante, wie mit dem Lineal gezogene Verschneidung beginnt. Es folgt anhaltende Piaz-Kletterei, die sich im oberen Teil auf der angrenzend kleingriffigen Platte verliert. Schließlich erreicht man einen breiten Gratabsatz, dem Ende der eigentlichen Tour.

Von hier kann über einen teils brüchigen und hakenlosen Grat im 3. Schwierigkeitsgrad auf den Gipfel der 3. Kirchlispitze weitergeklettert werden. Bei Zeitmangel, oder wer sich in diesem Gelände nicht wohlfühlt – bereits der südseitige Zubringer ist schon heikel – sollte besser wieder über die Nordverschneidung abseilen. Da die Route nordseitig ausgerichtet ist, bleibt es hier selbst im Hochsommer oft angenehm kühl bis schattig kalt.

Wir sind von Norden über den landschaftlich einmalig gelegenen Lünersee zugestiegen. Es lohnt sich, auf der Staumauer in der Douglas Hütte zu übernachten. Von hier aus können viele weitere lohnende Kletterziele, inclusive Klettergärten angegangen werden. Die Hütte ist bequem mit der Bahn erreichbar, und die Abende können wunderschön am Seeufer verbracht werden.

Schwierigkeit
Überwiegend 4 bis 5, gelegentlich leichter, (5 obligatorisch). Die im Führer angegebenen Schwierigkeitsgrade sind leicht unterbewertet.

Absicherung
Die Route ist ausreichend mit Bohr- bzw. Normalhaken gesichert. Gelegentlich können Friends gelegt werden.

Ausrüstung
50-Meter-Doppelseil, 10 Exen, Friends

Ausgangspunkt
Brand im Montafon, Talstation der Lünersee-Bergbahn

Zustieg
Mit der Bergbahn zum Lünersee hinauf. Es kann auch auf der Douglas-Hütte am Lünersee übernachtet werden. Man geht am rechten See-Ufer entlang bis zu Lünsersee-Alpe. Hier folgt man dem Weg zum Verajöchli. Schon bald wird die 3. Kirchlispitze mit der markanten Nordverschneidung sichtbar. Man verlässt den Weg rechts abwärts und steigt über ein großes Schuttkar zum Beginn der Verschneidung hinauf. Von der Lünersee-Staumauer ca. 2 Std.

Abstieg
Am sichersten ist es, über die Route abzuseilen. Alternativ kann auch auf den Gipfel der 3. Kirchlispitze weitergestiegen werden. Ein kurzes Stück südseitig entlang, danach links zu einem Turm mit vielen Schlingen hinauf. Hier horizontal auf- und absteigend, teilweise brüchig und kaum Haken. Ca. 1, 5 Stunden.

Übernachtung
Douglas-Hütte www.douglasshuette.at

Literatur
Kletterführer Vorarlberg www.panico.de

Webinfo
www.outdooractive.com
www.youtube.com

Bildgallerie

Wie hat dir die Tour bzw. das Klettergebiet gefallen?

Klicke für eine Bewertung!

Durchschnittliche Bewertung. 0 / 5. Anzahl der Bewertungen. 0

Es gibt bisher keine Bewertung! Sei der erste, der sie bewertet.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.