Papillon-Grat an den Aiguilles von Chamonix

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Bereits vor der Jahrtausend-Wende war ich an den Nadeln von Chamonix unterwegs, damals mit den Kemptener Jungmannschafts-Freunden Simon und Tim als Dreierseilschaft. Meine Erinnerungen sind längst verblasst, ich weiß nur noch eins: Der Papillon-Grat lief runter wie Sahne und wir hatten sehr viel Spaß in der Tour. Jahre später stieg ich in die benachbarte „Lépidoptéres“ ein. Bei winterlichen Verhältnissen ein eher ungemütliches Vergnügen, siehe www.allgaeu-plaisir.de.

Im Sommer 2026 erfüllte sich mein Hallen-Kollege Peter Krecu einen langgehegten Wunsch und war mit Gregor Mayer am Papillon-Grat zugange. Freundlicherweise stellte er mir folgenden Tourenbericht zur Verfügung:

An den berühmten Aiguilles von Chamonix befinden sich viele der großen Klassiker des Mont-Blanc-Gebiets. Auf der Nordseite gelten vor allem der „Brown-Riss, die Directe Americane und Balade au Clair de Lune“ als beliebte, jedoch ziemlich anspruchsvolle Routen. Ganz links außen gibt es den Nordostgrat der Aiguille de l’M (siehe www.allgaeu-plaisir.de), eine etwas leichtere Beute an der mächtigen Bergkette. In den letzten Jahrzehnten sind noch viele weitere Linien dazugekommen, allein diese Touren füllen einen ganzen Kletterführer.

Wer es an den spitzen Nadeln etwas entspannter angehen lassen will, dem sei der „Papillon-Grat“ (zu deutsch Schmetterlings-Grat) auf den Gendarme du Peigne empfohlen. Bereits 1926 erstbegangen, war der „Arête du Papillon“ schon immer wegen seiner Schönheit und Nähe zur Aiguille di Midi-Seilbahn sehr beliebt. Seit es die zahlreichen Plaisir-Routen an den Aiguilles Rouges auf der gegenüberliegenden Chamonix-Talseite gibt, hat der Run jedoch etwas nachgelassen. Trotzdem sind hier immer noch regelmäßig Seilschaften unterwegs und es herrscht internationales Flair.

Der Papillon-Grat überschreitet vier markante Grattürme. Als vielbegangener Klassiker wurde die Klettertour auch in Philip Batoux‘ Buch der „101 schönsten Touren im Mont-Blanc-Massiv“ mit aufgenommen. Es ist ein wunderbar fester Granit und ein wahres Klemmkeil-Paradies, somit ist die Absicherung sehr traditionell gehalten. Auch wenn die meisten Kletterrouten bei Chamonix schwierig sind, hier gibt es ein realistisches Ziel für den Normalo.

Gleich nach der Eingeh-Seillänge kommt die erste anspruchsvolle Stelle: ein kurzer unangenehmer Risskamin, der mit Hilfe von zwei eingeklemmten Steinen und mehr oder weniger elegantem Hinauframpfen überwunden wird. Manche bezeichnen diese Passage im unteren 6. Grad als schwerste Länge in der Tour. Ist es aber nicht, sie kommt erst am dritten Turm in Form einer abdrängenden 6a-Riss-Verschneidung. Generell hält man sich meist auf dem exponierten Grat, mit Umgehungen auf der linken Seite des steilen Abbruchs.

Je nach Einhaltung der Standplätze endet die großzügige Tour mit ca. 12 Seillängen auf dem „Gendarme du Peigne“ in einer Höhe von 3009 m. Wer noch nicht genug hat, kann über den Normalweg ca. 200 Höhenmeter auf den Hauptgipfel der Aiguille du Peigne weitersteigen. Wir gaben uns mit dem Papillon-Grat jedoch zufrieden. Laut Beschreibung einer anderen Seilschaft sei der Weiterweg nicht zu unterschätzen und wird zu einem längeren Klettertag an den Nadeln von Chamonix.

Durch den relativ kurzen Zu- und Abstieg ist die großzügige Unternehmung mit einer Gipfelhöhe von 3009 m ein überschaubares Tagesziel. Normale Zustiegs- bzw. Kletterschuhe reichen aus, zumindest im Hochsommer, wenn kein Schnee mehr liegt.

Schwierigkeit
Meist im 4. Franzosengrad, gelegentlich 5a bis 5c, am dritten Turm 6a (5c obligatorisch).

Absicherung
An den schwierigen Passagen gibt es ein paar Fixpunkte, sonst ist die Tour mit Keilen und Friends selbst abzusichern.

Ausrüstung
60-Meter-Einfachseil, 8 Exen, 4 – 6 Schlingen, Friends 1 – 3, Klemmkeilset, Abseilausrüstung

Ausgangspunkt
Von Chamonix mit der Aiguille-di-Midi-Seilbahn zur Mittelstation Plan de l‘ Aiguille hinauf.

Zustieg
Von der Bahn zunächst einige Minuten entlang des Wanderwegs. Bald darauf geht es über gut sichtbare Pfadspuren und einen markanten Grasrücken zum Grat hinauf. Man kommt von rechts zum Einstieg auf einer schönen Plattform. Ca. 1 Stunde Zustiegszeit.

Abstieg
Von der südseitigen Scharte des Gendarms du Peigne wenige Meter hinunter zur ersten Abseilstelle, ca. 30 m. Nach kurzem Abklettern folgt eine zweite Abseillänge, ca. 25 m. Von hier in leichter Kletterei Richtung Gletscher hinab. Achtung: relativ weit unten gibt es zwei Wege, den orographisch linken Weg benutzen, da der rechte in’s Nirwana führt. Ca. 1 Stunde Abstiegszeit.

Unterkunft
Es empfiehlt sich, auf der gut geführten Plan de l’Aiguille-Hütte zu übernachten www.refugeplandelaiguille.com

Literatur
Kletterführer „Die 101 schönsten Routen im Mont-Blanc-Massiv“ klettern-shop.de

Webinfo
www.camptocamp.org
www.bergsucht.ch
www.thecrag.com

Bildgallerie

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